Mérida – Andenfeeling & Heimelifeeling

17 05 2012

Mit einigen Stunden Verspätung kamen Michael und ich in Mérida an. Als erstes mietete ich ein Handy (ja das kann man in Venezuela an jeder Ecke tun) um die empfohlenen Hostels aus Michaels Lonelyplanet abzuchecken. Schlussendlich nahmen wir aber doch einfach ein Taxi und liessen uns ins Hotelquartier bringen. Dort fanden wir ziemlich schnell heraus, dass Mérida einen ganz anderen Standart als der Rest Venezuelas hatte 😀 Die Häuser waren alle samt gut in Stand, dazu noch sehr schön, ja sogar stylisch! Das Hostel in dem wir blieben bestand praktisch nur aus Steinen und Holz, also wirklich bergige Bauart 🙂 So verbrachte ich den ersten Tag fast nur im Bett. Wir gingen zwar kurz raus um zu essen (Chinesisches Chop Suey mit Shrimps) und erkundeten in Minuten das Stadtzentrum, aber danach durfte ich an Michaels Computer Filme schauen. Michael war während dieser Zeit fleissig und erkundigte sich bei den Touranbieter, was es für hier Sportarten im Wasser und in der Luft gab. Am Abend überzeugte er mich sogar noch, mit ihm und einigen Engländern, welche er kennengelernt hatte, auszugehen. Aber ich fand diese Leute so etzend langweilig (wegen ihrer jungfräulicher Reisegespräche) und ich war sooooo elend müde, dass ich nach etwa 1h alleine zurück ins Hostel zottelte.

Am nächsten Tag meldeten wir uns für’s Paragliding an, aber das fiel wegen dem Regen ins Wasser – zu unserer Freude. Denn als die Zeit so dahinschlich merkten wir, wie faul wir gelaunt waren. Also las Michael sein Buch und ich schrieb den ganzen Morgen an meinem Blog. Danach gingen wir wieder ins Touroffice um für morgen etwas zu buchen, allerdings war es mir entweder zu teuer, zu lange oder zu langweilig oder aber ich konnte es wegen meiner Knie nicht riskieren (diese waren immer noch geschwollen und taten bei jedem belasteten Schritt weh). So entschied ich mich für Canyoning und Michael schloss sich den Engländern für eine Bootstour auf einen See an, wo sie Gewitter beobachten und in einer Pfahlhütte schlafen würden. Ich hatte für mein Leben genug fantastische Gewitter von meiner Amazonasbootstour aus gesehen. Am späteren Nachmittag schlenderten Michael und ich nomals ins Zentrum, wir wollten ein Eis bei der berühmten über-200-Geschmäcker-Heladeria kaufen, allerdings hatte diese geschlossen. So begnügten wir uns mit einem nicht-berühmten Eis und einigen Ballen Papas Reillnadas (eine columbianische Spezialität), von denen wir beide süchtig wurden. Ich shoppte noch um die Wette, kaufte mir neue Unterhosen (denn meine hatten die vielen Handwäschen nicht gut überstanden) und eine neue Handtasche (meine uralte, beige, treue Lieblingshandtasche war nun leider definitiv am Ende). Am Abend gingen wir wieder aus, diesmal aber mit der ganzen Crew von Tourguides und einigen anderen ausländischen Leuten, die hier in Mérida arbeiteten. Es war spannend sich so durch die Geschichten zu hören; der eine war aus der USA, arbeitete seit einem Jahr als Tourguide und war absolut pleite. Ein anderer (Franzose) war schon seit 2 Jahren unterwegs und hatte sich in Columbien und Chile verliebt, wollte dort irgendwann ein Hostel aufmachen. Allerdings hatte auch er kaum Geld mehr, arbeitete im Moment als Französischlehrer, musste aber vermutlich bald heimkehren aufgrund Geldmangel. Dann gab es da noch einen dicken, alten Engländer, der für Finanzmagazina über die Columbianischen Geschäfte und Finanzwelt schrieb. Er berichtete, dass er sehr gut verdiene, aber als Michael ihn fragte, ob es ihm denn gefalle, kam da keine überzeugende Antwort zurück… Nachdem zwei Mädchen angefangen hatten, ihre Ärsche mit gekonntem Salsa zu bewegen, wollte mich ein Guide zum Tanzen auffordern, aber ich war so müde (es war gerade mal 9), dass ich ihm einen Korb verpasste und meinen Abgang anmeldete. Michael trank noch sein Bier fertig, kam dann aber auch mit mir.

Am nächsten Morgen reiste Michael mit den Engländern ab, ich schlenderte den Tag in der Stadt herum oder schrieb an meinem Blog weiter. Skypete ein bisschen in der Welt herum und schaute zum Schluss noch einen Film. Oder zwei… Ich lernte auch noch eine interessante Holländerin kennen: sie war vor  Jahren in diese Hostel gekommen – als Reisende in einer Gruppe – und hatte sich sogleich in den hiesigen Tourguide verliebt. Mit ihm war sie mittlerweilen verheiratet, lebte hier und gerade waren sie dabei, nach einer Unterbrechung ihr eigenes Touristenbusiness wieder aufzunehmen. Sie war 24, also damals 19, genau wie ich jetzt… Hach, was für ein Glück die Liebe des Lebens so früh zu treffen, zu heiraten, etc.!

Noch ein kleines Thema das mich in Mérida „beschäftigte“: als ich mit Michael herumgewatschelt war, hatte ich ihm gegenüber bemerkt, wie froh ich war, dass man mich hier nicht mehr so non-stop anbagerte. Hier glotzten die Männer, vielleicht sagten sie auch holla mi amor, aber sie fassten einem weder an, noch liessen sie respektlose Geräusche oder Sprüche fahren. Allerdings belehrte mich dieser Tag ohne Michael eines besseren: es war übel! Ein Guide fasste mir einfach „versehentlich“ an die Brust, andere riefen all ihre Freunde zusammen, um mich dann gemeinsam anzustarren oder mich zu irgendwas einzuladen. Echt lästig…

An letzten Tag schaffte ich es dann endlich, in die Record-Heladeria zu gehen, ich konnte kaum fassen was es da alles gab! Fleisch, Fisch, Käse, ich werde die Fotos hochladen, die das beweisen. Es war verrückt!!! Ich beschränkte mich auf ein Sangria-Eis, das mir allerdings bei der ersten Ecke vom Cornet auf den Boden fiel. Naja, lecker haben die paar Schlecker, die ich bis dahin gehabt hatte, auf jeden fall geschmeckt 😉 Gleich darauf nahm ich den Bus nach Apartaderos, das höchste Dorf in ganz Venezuela.



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