Assis – brazilian life
14 02 2012Von Campo Grande aus ging ich mit einem Bus direkt nach Assis. Dort holte mich Marina gleich am Busbahnhof ab und nahm mich bei sich zu Hause auf. Sie hatte mich vor der Unordung gewarnt (da sie am Montag darauf umziehen würde), allerdings herrscht in meinem Zimmer allerseits mehr Chaos 😉
Auf dem Weg nach Assis hatte ich immer mehr „gnüsst“ und hatte den Schnupfen bekommen. Am Nachmittag gings dann richtig los: ich fühlte mich zuerst einfach nur unsäglich unwohl (wie auch der Schweizer einige Tage zuvor im Pantanal) und dann bekam ich Kopfschmerzen, zum schreien! Am Abend gings dann mit Fieber und Übelkeit weiter. Hätte ich mich nach unseren natürlichen Heilversuchen nicht bald besser gefühlt, wäre ich schnurstraks in den Spital gegangen. Marina aber hatte irgend ein natürliches Mitteli, sie kochte mir zudem eine Gemüsesuppe, machte mir Saft aus Orangen und Açerola (Vitamin C haltig!), kaufte mir Ingwer und Limonen für meine Wasserzufuhr und umsorgte mich auch ansonsten schon fast professionel, oder mütterlich? Ich hatte übrigens die verrückte Idee, Selbshypnose an mir selbst durchzuführen, denn laut meinem Buch, soll sie eigentlich sehr heilende Kräfte haben und nicht einzig dem Mysterium und Abrakadabra dienen… Tatsächlich (ich weiss nicht, woran es genau lag) fühlte ich mich nach Marinas Heilmitteli und meiner Selbsthypnose wie neu geboren!!! So entschloss ich, mich auch weiter mit dem Thema der Hypnose zu beschäftigen und mich selbst in Zukunft als Versuchskaninchen zu nutzen (ich hatte ja oft genug Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und andere Beschwerden :)… Bei meinen Erholungsstunden die ich unter anderem auch draussen auf einem Stuhl verbrachte, beobachtete ich eine Ameise und wunderte mich über deren Intelligenz! Sie stemmte sich mit grosser Mühe noch, um sehen zu können, wo sie hinmusste, oder riechen? Auf jeden Fall schien mir dieses Verhalten für ein so winziges Tier sehr schlau. Ein verirrter Mensch würde vermutlich einfach mal wild im Zeug rumrennen, bevor er auf die Idee käme, auf ein Hochhaus zu klettern… 😉

Spektakel Ameisen
Aber nun zurück zu meiner Ankunft in Assis, dem ländlichen, kleinen Städtchen: als erstes nahm ich in der einfachen WG eine Dusche, danach fuhr ich zum ersten mal in meinem Leben mit einem MOTOTAXI (cool!) zur Universität. Dort assen wir für 3 Reais zu Mittag und anschliessend wurde ich durch die Universität geführt: ich fand sie super schön, die Trampelpfade von Gebäude zu Gebäude führten durch einen kleinen Urwald, es lag eine sehr gelassene Stimmung in der Luft, die Bibliothek zeigte mir erneut, wie gebildet und fortschrittlich Brasilien war. Allerdings ging es mit mir dann aber bald darauf bergab, sodass ich nicht mehr allzu viel von Assis sah…
Die Wohnung: sie gab mir kräftig zu denken. Für mich stellte sie den Inbegriff von Simpelheit dar! Und ich fand es TOTAL cool! Ich fühlte mich super wohl in einer so einfach Wohnung, in der nur das wirklich Nötigste vorhanden war. Ich dachte an mein Zimmer zurück und machte mir ganzheitlich Gedanken über das Leben von Schweizern: in den Mittagspausen gehen Schüler manchmal shoppen, wenn wir uns verabreden, gehen wir evt. gemeinsam neue Klamotten einkaufen, wir machen einen Ausflug in die IKEA, wir überlegen uns ständig, was wir neues kaufen könnten, was wir noch brauchen könnten, was wir noch anschaffen wollen, um uns glücklicher zu stimmen… Ist das nicht traurig? Trotz vieler solcher und noch weitreichenderer Gedanken fasste ich keineswegs den Entschluss, mein Zimmer bei meiner Rückkehr komplett auszuräumen, nein, denn was würde ich dann in der kleinen Schweiz noch interessant finden. In einem so kleinen reichen Land ist es fast schon notwendig, so zu leben. Ich glaube ansonsten würden wir an Langeweile oder an anderen „reichen“ Krankheiten, wie Diagnosen von x Psychiatern, Things-to-do-Lists und dergleichen sterben… Was solls, auf jeden Fall faszinierte mich dieses simple Leben zutiefst, ich nahm es auch bewusster denn jeh war. Man lebte Tür an Tür mit Tieren, Ameisen, Gekos und Katzen, Hunden, man schlief, man ass, man lernte. Wunderschön!
Das beste an der ganzen Sache war: am Sonntag fingen Marina und ihr WG-Partner an die Dinge zusammen zu packen (für den Umzug), dabei rief er aus: „Wir haben einfach viel zu viele Sachen!!!“ 😀

jump-in-pool!

Marina 🙂

herzigs Pärli!
Am Samstag (ich war immer noch krank) gingen wir an eine „Poolparty“, es war mehr eine Festlichkeit, man speiste gemeinsam an einem Pool um sich über die bestandene Bachelorprüfung einer Japanerin (die Gastgeberin) zu freuen. Auch dies war für mich ein fröhliches Erlebnis: ich schlief zwar die meiste Zeit in einer Hängematte, aber als ich mit Marinas Freunden am Tisch sass, und Dinge fragte, wurde die Frage gleich in die gesamte intellektuelle Runde geworfen, bis sie beantwortet war, danach kam die Antwort zu mir gesegelt! Und am Abend kurz vor Sonnenuntergang griffen alle Anwesenden zu einem Instrument (Trommeln, Flöte, Rasseln, etc.) und begannen, gemeinsam zu spielen, im selben Rythmus vor und zurück zu treten! Was für ein Feeling! DAS IST DISCO! :o) dieses gemeinsame musizieren, diese Freude an der Musik, dieses lockere, selbsverständliche gemeinsame Singen sollte man auf der ganzen Welt verbreiten! Es ist eine wahrhaftige Freude für das Herz!!! Ich lachte die ganze Zeit, trotz meines „Zustandes“…

improvisanti Drummers 😉

fun-atmosphere =)
Bei Marina konnte ich mal wider mit einer Maschine Wäsche waschen, allerdings überzeugte mich das umsomehr von der Handwäsche… Ein Spängeli hatte sich in die Maschine verirrt und färbte fast alle meine (weissen) Kleider an einigen Stellen rostrot… Somit hatte ich wohl einen Grund, bald brasilianische, farbenfrohe Tracht zu erstatten… ;o)
Kategorien : Assis
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