Brazil upstream ;)

7 05 2012

Die Fahrt aus Brasilien heraus war ein kleines Abenteuer für sich: die Landschaft hielt meinen Blick (als die Sonne aufging) für bestimmt eine volle Stunde gefangen. Weite Wiesen, halb Sumpf und ab und zu ganze Palmenhaine. Das weisse Sonnenlicht liess bloss ihre majestätischen Silhouetten erkennen und die Wasseransammlungen glitzerten einem wunderschön in die Augen.

Irgendwo gab es mitten in der Nacht einen Stop, die blendenden Lichter zerstörten die wohlige Dunkelheit in einem Sekundenbruchteil. Eine Horde Militärs tampelte die Treppe hoch und verlangte nach den Identitäten. Ich kramte als einzige keinen CPF (Brasilianische ID) aus der Tasche. Alles wurde mitgenommen und ich stellte mich schon auf ein sehr langes Warten ein, als ich nach etwa 10Minuten zwei Militärs zum Bus springen sah, der vordere hielt meinen leuchtend roten Pass in der Hand… Ich dachte schon: jetzt kommt’s, ich muss aus irgend einem Grund aussteigen und werde grosse Probleme mit dem ausreisen haben. Nichts da, mein Pass war bloss der oberste und ich war die einzige Person, der er den Pass ohne nach dem Namen zu rufen zurück gab 🙂

In Boa Vista trafen wir mit Verspätung ein, so hastete ich zum Ticketschalter, der als einziger Busse zur Grenze von Venezuela anbot. Ich wartete eine Ewigkeit bis ich an die Reihe kam. Da sagte mir die Frau, dass der Bus gerade jetzt abfahre, ich solle es mit Rennen noch versuchen. Das tat ich. Ich erkannte meine Busbegleiter wieder (die Angestellten die beim Buschauffeur sitzen, Tickets kontrollieren und Gepäck ein und ausladen). Sie liessen mich einsteigen und (nachdem sie mich auch wieder nach meinem Zivilstand gefragt hatten; ledig) liessen mich sogar einen Kaffee und Kuchen holen, damit ich nicht verhungerte 🙂 Als ich einsteigen wollte, scherzten sie, welchen von ihnen ich denn nun heiraten wolle xD Ach zur Information: ja, ich habe angefangen, Kaffee zu trinken. Schwarz und mit viel Zucker, ganz brasilianisch 😉

Nun, ich möchte diesen letzten Artikel über Brasilien dem Andenken widmen: Was waren meine schönsten Erinnerungen? Welche meine spannendsten oder schönsten Bekanntschaften? Welche Orte werden in Zukunft eine Skala für weitere Reisen darstellen? Was sind die schönsten Eigenarten dieses riesigen Landes?

Fangen wir von vorne an: mein Aufenthalt in Sao Paulo war durch die Freundlichkeit der Receptionisten gekennzeichnet, ich lernte diese grosse Millionenstadt für ihre simple und unschmucke Erscheinung zu schätzen. Ich lernte, dass Brasilien weitaus moderner und fortgeschrittener ist, als erwartet und dass die Leute ein einziger Multikulti sind. Die Menschen sind fast immer hilfsbereit sobald man es mit Portugiesisch angeht und es nicht gerade ums Einsteigen in Busse geht. Brasilianer haben eine merkwürdige Logik, eine Logik, die sich stark an Regeln klammert. Ich habe die Vermutung, dass dies geschichtliche Gründe hat: Brasilien hat sich in der Vergangenheit immer sprunghaft fortentwickelt und vielleicht hatten die vielen Regeln zum letzten Vorwärtsprung geholfen, die Regeln, welche jetzt die Entwicklung und das freie Denken merklich behinderten. Dennoch, ein bewundernswertes Land!

Assis, das genial einfache Leben von Marina! Ich danke ihr für diese kostbare Einfachheit, die sie mir gezeigt hat. Ich danke ihr auch für die geleistete Hilfe, sei es durch SMS-Information oder durch natürliche Heilkunde… Ich bin sehr dankbar, sie an meiner Seite gehabt zu haben und ich hoffe auf eine gemeinsame Reise, vielleicht durch Afrika? =)

Nova Friburgo: das Hi-Hostel und deren Eigentümer, das alte liebliche Ehepaar. Das tolle Essen jeden Tag, die erste Nacht auf der Couch und das darauf folgende Fruchtsalat-Frühstück… Dieser Platz wir in all meinen Brasilientipp der erste und herzlichste sein, es war ein Ort von atmosphärischer Liebe, Wärme und Geborgenheit.

Meine Begegnung mit Valerie, der Deutschen, die ich in Ouro Preto kennengelernt hatte. Für mich war es seit langem wieder mal ein Gefühl von Freundschaft, das ich wahrnahm. Unsere Wellenlängen stimmten wohl überein 🙂

Der aufbrausende Argentinier, der mir ein Bild von meinem Ich vor einigen Jahren lieferte und mich lehrte, was es hiess, mich selbst zu ertragen… Zudem war er ein Mensch, der mich auf Händen trug, der sehr vieles für mich tat und getan hätte. Ich konnte ihm so viel Zuneigung schenken wie ich wollte und er mir, und es fühlte sich richtig an!

Dann war da noch die Bekanntschaft mit dem 72jährigen Engländer, ein unglaublich spannender Mensch, lange bereichernde Gespräche, vielleicht eine Persönlichkeit, die meine zukünftige Widerspiegelt, und definitiv eine, welche ich bewundere! Ich gedenke ihn eines Tages  in England zu besuchen.

Stella Maris mit David, ein Ort wo ich das Leben in Bahia kennelernte, ein Ort an dem ich mich sehr wohl gefühlt hatte, David ein wunderbarer Gastgeber und eine liebe Seele. Daneben natürlich das Essen, eigentlich in ganz Brasilien (ich vermisse schon die obligatorische Feijao bei jedem Gericht), aber Salvador hatte natürlich den Toptitel mit seinen Acarajes und Moquecas de Camarao 😉

Jericoacara mit seiner umwerfenden Landschaft aus Dünen, Lagunen, und Stränden. Mein erstes Reitpferd in Brasilien, Coca Cola genannt, das mir zeigte, dass es immer ohne Gewalt ging, auch wenn sein ganzes Leben vermutlich aus Gewalt und Überarbeitung bestand… Ich hätte Coca Cola am liebsten gekauft um dieses gute Tier aus diesen rauen klauen zu befreien, aber auf meinem Reiseplan stand der Amazonas und man kann nicht jedem und allem helfen… Aber auch Coca Cola wird einen Platz in meinem Herzen behalten, für immer.

Belem, meine Kinostadt, vielleicht sogar meine Lieblingsstadt in Brasilien mit all den rauen Märkten und den vielen Essensmöglichkeiten. Das günstige Hostel mit der top Receptionistin (Hostel Amazonas).

Alter do Chao als Oase der Ruhe und mentalen Komplettentspannung. Dazu noch die „schicksalhafte“ Begegnung mit dem spanischen Uruguay-Veterinär…

…Und zu guter Letzt natürlich Anna, die mich oft scharf kritisierte. Auch wenn meist nicht konstruktiv und nicht umbedingt wahrheitsgetreu, regten mich ihre kleinen Ausbrüche immer zu ausführlicher Selbstreflexion an. Sie ist eine zum Teil sehr weise Frau, ich habe bestimmt so einiges von ihr gelernt und auf den Weg mitgenommen. Sie hat eine bewundernswerte Karriere (von Wissensschafts-Bacholer zu Public-Health-Master und einer einjährigen Arbeitszeit in der Mongolei) und hat ein – wie ich glaube – fast schon unheimlich REINES Herz (considering ihr Alter). Sie ist zudem in einer perfekten körperlichen Verfassung, wohl ist kein Gramm Fett an ihr zu finden und sie ist 1000mal fitter als das 19jährige Grossmütterchen namens Celinchen… Anna wird mit ihrem analystischen Denken und ihrem starken Herzen bestimmt Grosses erreichen, daran habe ich keine Zweifel.

Brasilien nennt Stracciatella nicht Stracciatella sondern Flocos, Brasilien nennt Hot Dog Hotschidodschi und hat auch sonst fast alles neu benennt. Brasilien ist ein ganz eigenes Land, Rio de Janeiro als Wahrzeichen ist jedoch niemals alles, was es zu bieten hat. Für fast jeden Geschmack lässt sich etwas Tolles finden. Brasilien ist gross, es ist das grösste Land in dem ich je war (damit meine ich nicht die Fläche, sondern viel mehr die Vielfältigkeit, sei es der Landschaft, der Menschen, und so weiter). Brasilien ist super geeignet zum reisen, es ist einfach mit ÖV zu bewältigen, es ist relativ sauber, kann auch europäischen Komfort bieten und man ist bestimmt nie alleine 😉

Und so geht meine Reise weiter nach Venezuela 🙂



Manaus – die Amazonasstadt

7 05 2012

Manaus, eine Stadt mitten im Amazonas, die den Titel Stadt mit Würde trägt. Der Hafen und der Flughafen sind die einzigen Zugänge weit und breit. Die Menschen sind ganz eigen, Beispiele dafür: eines Tages verbrachte ich viel Zeit in einer Drogerie, um meine Bestände an Hygienemitteln aufzustocken. Ein Mann hatte schon ne ganze Weile seinen Blick auf mich geheftet. Als ich fast schon fluchtartig das Geschäft verliess, hielt er mir die Tür auf und fragte mich gerade heraus: „Wie heisst du? Woher bist du? Bist du verheiratet?“ Als ich auf die letzte Frage mit nein antwortete: „Wollen wir uns kennelernen? Ich kann dich zum Mittagessen einladen..?“ Madremia! Das war eine beängstigende Begegnung, gleich an meinem ersten Tag in der Amazonasstadt… Zweimal geschah Folgendes: „Darf ich eine Banane/Maracuja haben?“ Gegenfrage des Verkäufers: „Ein Kilo?“ – „Nein, nur ein Stück, bitte.“ Stutzen seiten des Verkäufers, dann ein ausbrechendes Lachen und die Antwort: „Kannst du gratis haben, da nimm!“ Natürlich habe ich jedes mal trotzdem ein Münzstück in die Hand gedrückt, dennoch fand ich das äusserst aussergewöhnlich: einem reichen Touristen Produkte zu VERSCHENKEN… Ein weiterer Gag in Manaus: Anna trat ins Zimmer und meinte mit breitem Grinsen: „Hey Celine, Fabricio is also here!“ … Fabricio reiste dann allerdings noch in derselben Nacht direkt nach Boa Vista, von wo er ohne Halt nach Venezuela fahren wollte. Desweiteren wollte ich einst bei einem Stand etwas bestellen, ich fragte was sie anbieten, die Antwort „Otschidodschi“ verwirrte mich zutiefst! Irgendwann übersetzte sie es in Englisch und ich verstand: Hot Dog. Ein ander Mal wunderte ich mich gerade darüber, dass ich in Manaus zum ersten Mal so richtig als Tourist aufzufallen schien, als mich Männer tortz komplett schmuddeliger Erscheinung und laut trompetendem schneuzen (Geräusche von riesen Rotzklumpen) anpfiffen… Es war also des Öfteren eine doch recht lustige Begegnung mit der Stadt 🙂

Ich verbrachte sehr sehr viel Zeit im Internetcafe um meinen Blog auf Vordermann zu bringen, dazu schwitzte ich insgesamt 4Stunden im Fitness, irrte in der Gegend herum um was auch immer zu finden, oder war am essen. Am Samstag Abend wollte Anna umbedingt in die Oper, ich wollte sie bei günstigem Preis begleiten (noch nie war ich in einer Oper gewesen, zudem war das hiesige Teatro Amazonas ein sehr berühmtes architektonisches Wunderwerk). Dort angekommen versuchten wir an die günstigen Tickets zu kommen, aber es gab nur noch welche, die für meinen Geschmack zu teuer waren – und Anna wollte nicht alleine gehen. Als wir schon drauf und dran waren, etwas niedergeschlagen weg zu watscheln, tauchte eine Frau in der Eingangstür auf und zischte uns zu. Sie erklärte, dass ihr Mann hier arbeite und dass sie daher einige Gratistickets zu verschenken hätte. Ganz offensichtlich wollte irgendetwas, dass wir heute gemeinsam in diese Oper gingen. Es war eine gute Erfahrung, allerdings hält sich meine Faszination für diese Art von Gesang und Schauspiel in Grenzen… Ich bevorzuge Tanja’s Musical mit Abstand 🙂 Mitunter ein Grund weshalb ich dem aufgetragene Stück mit Misstrauen begegnete, war, dass es – um es auf den Punkt zu bringen – eine Art nicht-nackiger Porno für reiches und pickiertes Publikum war. Ja, ganz recht! In jeder Szene bestand mindestens 40% aus Gestöhne, gespielt leidenschaftlichen Küssen oder sonstigen flirtischen Akten… Ich hoffe, dass nur dieses spezifische Stück namens Lulu so geschmacklos pervers und substanzlos ist…

Weitere Ereignisse während meines langen Aufenthalts in Manaus: ich lernte einen Kerl aus Israel kennen, der sowas von den selben Humor hatte wie ich. Wir scherzten in – kein Witz – jedem Satz, den wir austauschten – rau, dunkel, sarkastisch. Wir verstanden uns auf Anhieb unheimlich gut! Leider habe ich das Papier mit seinem Namen und seinen Kontaktdaten bei einem heftigen Regen verloren. Was auch meine Zeit in Anspruch nahm war das viele Eis-Essen und die Recherchen über Uruguay (bezüglich Klima, Universität, oberflächliche Landeszahlen). Ausserdem belauschte ich einst ein Gespräch einer Gruppe von Holländern mit einem Receptionisten des Hi-Hostels in dem ich war: der Receptionist war noch NIE in seinem ganzen Leben ausserhalb des States Amazonas gewesen. Er erzählte aber stolz von seiner einstigen Reise mit dem Schiff zum Nachbarort Santarem und dass er immerhin eine Stunde ausserhalb des Zentrums der Stadt wohne… Wow, erstens hätte ich das nie im Leben von einem arbeitenden Städter vermutet, zweitens schockte mich das irgendwie emotional: man vergleiche ihn mit mir…

Der Grund übrigens weshalb ich so lange in Manaus verbrachte: ich hatte Probleme mit all meinen Banken: meine Kreditkarte war ja schon ganz am Anfang meiner Reise in Brasilien ohne jeglichen Grund gesperrt worden. Um sie wieder entsperren zu lassen, musste man bezahlen, und das, bevor man den neuen Cod zugeschickt bekommen würde. Das wiederum musste natürlich Tanja (meine Geldsekretärin) für mich erledigen, und die hat natürlich ihr eigenes Leben so ganz nebenbei zu führen… Also war nur schon das ein Ghetto. Dann funktionierte meine bisher tüchtige Mastercard auch nicht mehr, der Kontostand war im Eimer. Also wies ich Tanja an, mir Geld vom anderen Konto auf dieses zu überweisen. Allerdings hatte sie von dem anderen Konto kein I-Banking, was die Sache weiter verkomplizierte und zeitlich verlängerte. Auch der Post (bei der das andere Konto sitzt) rief ich mit Skype an, um mich nach dem dortigen Versagen zu erkundigen. Die hilfsbereite Frau am Telefon meinte, es sollte eigentlich funktionieren, wenn ich meinen PIN noch wisse. Ich war mir sicher, dass ich mich mittlerweilen wieder an diesen erinnerte, aber kein brasilianischer oder amerikanischer oder spanischer Bankomat wollte auf Postkartens Geheiss Geld ausspucken. So sass ich also mit meinen letzten 200Reais (100CHF) in Manaus fest. Der Punkt, weshalb ich nicht einfach weiterzog, war folgender: in meinem brandneuen Venezuela-Reiseführer (Auflage 2011) hiess es, die Banken und Bankomaten in Venezuela seine sozusagen zu nichts zu gebrauchen. Wie sich später herausstellte, lag mein Reiseführer vollkommen richtig und mein langes nervenauftreibendes Warten hatte sich gelohnt. Die Erklärung in meinem Guide lautete so: „Die Banken tauschen nicht, nur in dem für einen Urlauber doch eher unwahrscheinlichen Fall, in Venezuela ein Konto zu haben. Man kann es an den Bankschaltern aber mit der Kreditkarte und dem Reisepass versuchen – die Bearbeitungsgebühren sind allerdings horrend und die Wartezeiten meist sehr lang.“ Das alleine tönt ja an sich nicht schrecklich, aber ich hatte auch schon vom Gemurmel über die varierenden Wechselkurse gehört. Später informierte mich Fabricio per Facebook, dass der offizielle Wechselkurs eine komplette Verarschung war und ich umbedingt den inoffiziellen Weg nehmen sollte! Es handelte sich um die Differenz von 100%, soll heissen, der inoffizielle Wechsel war doppelt so hoch wie der offizielle!!!

So, nun aber zurück in die Gegenwart – Manaus. Wie man sich vorstellen kann war ich ziemlich aufgepeitscht durch die ganzen Bankangelegenheiten, und als ich dann am letzten Tag vor meiner Abreise auch noch meinen Schlossschlüssel verlor, und bei meinem Fitnessaufenthalt (da extra bereitgelegte Socken vergessen, barfuss joggend) noch weitere Blatern (unten an meinen Zehen) zusätzlich zu den blutigen, die ich zuvor von meinen neu erstandenen Highheels (zum ersten mal seit über 3 Monaten Absatzschuhe) bekommen hatte, bekam, war es mit meiner in Schach-gehaltenen Persönlichkeit aus und vorbei. Ich schnaubte nur noch wild durch die Gegend und ärgerte mich gründlich. Zu meinem Glück hatte ich mir im Internetcafe Freunde gemacht: der Besitzer liess mich zum Beispiel gratis mit meinen Banken telefonieren (was mindestens ein paar Stunden dauerte), solche Liebheiten wahrte mich vor dem kompletten Austicken. Und dann begann ich auch eine Konversation mit meiner Zimmergenossin (eine unauffällige Brasilianerin aus einem kleinen Ort Mitten im Amazonas). Wir entdeckten, dass wir sehr viele gemeinsame Interessen und sehr ähnliche „geschichtliche“ Ereignisse hatten, und so verbrachten wir die folgenden zwei Nächte und Tage fast ganzzeitlich gemeinsam: wir redeten, wir schauten Serien oder neu rausgekommene Filme, gingen in Restaurants oder ich lehrte sie zu kochen. Sie rettete meine Tage durch ihre blosse Anwesenheit 🙂 Ilana ist ihr Name (den ich übrigens wunderschön find!).

Anna kam kurz vor meiner Abreise zurück von ihrer teuren Amazonastour (welche sich ziemlich enttäuschend anhörte). Sie begleitete mich zur Busstation, wo ich einen Bus zum Rodoviaria nehmen sollte. Es war eine ziemlich komische Szene: genau die Dinge, die ich an Brasilien nicht schätzte, wiederholten sich alle noch vor meiner Abreise: die Busstation schien unauffindbar, bzw. wusste niemand so recht, WELCHE Busstation es nun sein sollte. Auch bei der Busnummer behauptete jeder strickt etwas anderes. Mit meinem Gepäck passte ich wieder einmal nicht durch die Drehtür des Buses und ich fand am Rodoviaria alle schlauen Essensstände geschlossen vor, Feierabend. Auch die Verabschiedung von Anna war irgendwie komisch: ich hatte mich sehr gewundert, dass sie mich begleiten wollte. Sie schenkte mir auch noch ein eher teures Paar von Ohrringen (ich hatte ihr schon vor ihrem Amazonastripp eine neue Tasche und ein dazupassendes Schmuckset zusammengestellt und geschenkt). Irgendwie denke ich, wir waren dem Gegenüber gleichsam müde, wir waren uns gegenseitig auf die Nerven gegangen und waren nun froh, dass sich unsere Wege trennten. Dennoch – hier kann ich nur für mich sprechen – hatte ich ihre spannenden und bewundernswerten Seiten sehr geschätzt, hatte ihre Gegenwart insgesamt genossen. Und irgendwo hoffte ich, sie eines Tages wieder zu sehen, vielleicht wenn ich etwas älter war und sie etwas zufriedener mit ihrem Leben. Vielleicht eine gemeinsame Reise 🙂 Bye Anna! Bye Brazil!



Santarém und Alter do Chão

4 05 2012

In Santarém begaben sich Anna und ich zuerst auf eine lange Hotelsuche, erfolgreich zum Schluss. Bei der ganzen Suche wurden wir NATÜRLICH auch noch von der lokalen Touristenpolizei unterstützt, einer der Kerle bot uns sogar sein Heim als Bleibe, aber wir dankten auf Grund Misstrauen höflich ab. Wir fanden schliesslich ein Zimmer mit privatem Badezimmer, Klimaanlage und Kühlschrank. So konnten wir uns auch Salat mit schwarzen Oliven, Frühlingszwiebeln, Karrotten, Tomaten, Mais und Atuna zubereiten 🙂 Endlich wieder einmal etwas Frisches und Gesundes… Nach einer ausgiebigen Dusche hockten wir uns ins Internetcafé, wo mir der Angestellte netterweise mit meinem Stickproblem half: mein gesamtes Backup von Fotos und Musik hatten auf einmal keinen Zugang mehr erlaubt; ein Virus war wohl auf meine Kamera und meinen Stick gekommen. Er löschte den Virus und so konnte ich mein gesamtes Foto Backup wiederholen und sicherstellen. Seit Anna’s Kameras gestohlen worden waren, war mir viel bewusster, wie wichtig ein separates Backup ist… Nun denn, es regnete den ganzen Tag und so entschieden wir uns gegen unseren Plan eine weitere Nacht dort zu verbringen und erst am nächsten Tag nach Alter do Chao weiterzureisen. So beschäftigten wir uns mit Kleider zur Lavaderia bringen, Internet, Recherchen über den weiteren Verlauf unserer Reise (mitunter checkten wir auch die Flüge aus Brasilien heraus, welche sich als unheimlich teuer entpuppten), dem Versuch Geld abzuheben und so weiter und so fort.

Am nächsten Mittag – nach einem weiteren Riesensalat – nahmen wir den Bus nach Alter do Chao. Vor lauter Müdigkeit nichte ich die ganze Zeit weg, doch schon fast ganz am Ende des Trips quetschte sich ein junger Schönling samt Rucksack durch die Drehtür des Buses – und ich ganz in Ekstase rief laut mit Handgefuchtel „Turistaaaaa“… Fragt mich nicht warum… Wie auch immer stiegen auch wir bald aus und suchten das empfohlene Hostel Floresta Albergue. Wir fanden es und zwar komplett verlassen. Es schien zwar, als hätten Menschen dort gefrühstückt, aber wir warteten eine ganze Weile und keine Menschenseele kreuzte auf. So begaben wir uns auf den Rückweg ins „Zentrum“ um unsere zweite Empfehlung des Guidebooks anzuschauen. Auf dem Weg quaselte ich Anna die Ohren voll, bis mein Blick auf einen auf uns zukommenden Tarzan fiel: der Turistaaaa – spärrlich bekleidet – zu unserer kindlichen Freude, dennnnn wir fingen beide gleichzeitig an zu kichern wie zwei kleine verlegene Schulmädchen und konnten auch nicht aufhören, bis er an uns vorbeigelaufen und uns gegrüsst hatte, worauf wir nur noch mehr gekichert hatten! Was für eine Zurückversetzung in junge Jahre…

Wie dem auch sei; wir entschieden uns für ein Hostel und bekamen dank Handeln einen ziemlich guten Preis für ein privates Zimmer. Nach einer weiteren ausgiebigen Dusche schlenderten wir zum zentralen Platz, der sich direkt am Fluss befand und wo sich alle Menschen zu tummeln schienen. Wir suchten vergeblich die überall angeprangerten Sandinseln wo man Cocktails schlürfen könnte, aber wie uns bald erklärt wurde war der Wasserstand dank Ende Regenzeit viel zu hoch, so dass nur noch die Stohdächer der Schattenspender auf den Inseln aus dem Amazonas lugten… Anna und ich begnügten uns also mit dem überraschen teuren Essen: Crevetten in Öl und Knoblauch gebraten, dazu (auf Wunsch an Stelle von Farofa) Reis. Beim Essen erwarteten wir sehnlichst das Auftauchen des nackigen Tarzans, aber das blieb auf. Und so kauften wir uns total unnötigerweise Kleider…

Durch Langeweile angetrieben setzten wir uns nach dem Sonnenuntergang auf die Praca und beobachteten Leute: dabei halluzinierte ich in einem Moment: ich sah eine Familie, also ein Mann mit seiner kurzhaarigen Frau und ihrem hübschen Töchterchen mit dunkelbraunen Löckchen, einer rosa Masche im Haar und einem pinken Kleidchen. Es stellte sich nach Getratsche mit Anna heraus, dass es nich ein Mann und eine Frau, sondern zwei Männer waren, die da sassen. Und das Mädchen hatte ich mir vollkommen eingebildet! Es existierte kein Kind. Anna spekulierte, dass ich den in der Nähe stehenden gelben Abfalleimer für ein Kind gehalten hatte, aber das schloss ich definitiv aus. Ich hatte also tatsächlich halluziniert!

Nach einer Weile flanierten wir der Uferstrasse entlang – und siehe da – entdeckten den Turistaaa. Wir setzten uns wieder auf unsere Stammbank und philosophierten darüber, mit welcher Ausrede wir ihn ansprechen könnten, woher er wohl komme, wie alt er sei und weitere witzige Details… Keiner von uns hatte Mumm, bis Anna sagte: „Céline, du hast doch gesagt, du kannst auf der Bühne in eine andere Rolle schlüpfen… Stell dir doch einfach vor, du spielst jetzt eine andere Person und du befindest dich hier auf einer Bühne!“ Irgendwie half das ganz gut, denn im nächsten Moment zottelten wir auf den Turista zu und ich sprach ihn und den dazugekommenen Typen halblocker an. Der dazugekommene Typ kam aus Australien und schien sehr arrogant, er verschwand aber glücklichweise nach einer Weile. So bearbeiteten ich und Anna den Turista. Es stellte sich heraus, dass er – so ganz und gar nicht wie wir vermutet hatten – aus Spanien war, allerdings gerade in Uruguay sein Veterinärstudium abgeschlossen hatte und jetzt mit seinem Bruder – welcher in zwei Tagen auch ankommen sollte – für zwei Monate in Südamerika herumreisen wollte, bevor er schliesslich zurück nach Spanien gehen würde, um die Veterinärpraxis seines Vaters zu übernehmen. WAS FÜR EIN ZUFALL… Denn da ich mich ja gegen das Agronomiestudium in der Schweiz entschieden hatte, war ich nun wieder zurück bei Vet. Der Turista stellte sich ausserdem als „Künstler-Reisender“ heraus, soll heissen er reist mit sehr wenig Geld, knüpft Armbänder und ist darauf angewiesen, dass er Kunden findet, um weiterreisen zu können. Zudem mag er keine Städte und campiert praktisch immer mit seinem Zelt, wäscht sich im Amazonas. Eine spannende und vielversprechende Begegnung, allerdings blieb es beim Kennenlernen und nicht mehr. Am nächsten Tag verabredeten wir uns mit ihm um den Tag gemeinsam tod zu schlagen. Wir schwaderten alle drei im Amazonas herum, hockten uns auf den Steg, wo ich ein zuvor geschossenes Foto vom Spanier (wie er von einem Pfahl ins Wasser springt) abzeichnete, Anna lernte von ihm die Kunst des Knüpfens. Zudem ein gemeinsames Mittag- und Abendessen, Cervezas und Smirnoff. Es war ein verkorkstes Relaxen, da Anna und ich beide grossen Gefallen an diesem Kerl fanden, die Atmosphäre von Alter do Chao aus vollkommener Ruhe bestand und kaum ein richtiges Gespräch in Gange kam… Das war also ungefähr unser ganzer Bootstopp.



Auf dem Amazonas – zum Ersten

23 04 2012

Wir waren alle drei unsicher, was uns erwarten würde. Ich erwartete ein relativ grosses Schiff, schon fasst eine Art Kreuzfahrtschiff, Anna hatte Albträume von einem kleinen Holzbötchen mit max.10 Menschen die einander auf den Wecker gehen, dass das Bötchen im Sturm herumschaukelt wie eine Walnussschale und dass man bei jedem Regen Wasser schöpfen muss. Fabricio wusste es einfach nicht. Schliesslich war es ein doch recht grosses Schiff mit 4 Stöcke, wobei nur 3 davon für Passagiere begehbar, und einer von diesen 3 ausschliesslich für Warenlagerung war. Wir hängten unsere Hängematten auf der obersten Etage in der Nähe der „Terrasse“ auf. Wir lernten schon am ersten Abend unsere Nachbaren kennen, einer war ein alkoholfreudiger Brasilianer, der andere ein einsamer Argentinier. Glücklicherweise ereilte keinen von uns die Seekrankheit. Wir verbrachten unsere gesamte Zeit mit schlafen, lesen, fotographieren, (ich) zeichnen, sünnele, essen und konversieren. Der Argentinier war sehr sympatisch, erzählte uns von seiner bisherigen Reise (hatte z.B. in Paraty in einem Hostel schwarz gearbeitet) und teilte mit Fabricio die (Sehn-)Sucht nach Mate. An einem unserer Billig-Cachaça-Vodka-Abenden wurde Anna so mutig, dass sie einen weiteren unserer Nachbaren mit zum Trinken einlud: es stellte sich heraus, dass er für ein halbes Jahr mit seiner Freundin in Belém verbracht hatte und jetzt – nach einer offensichtlich einseitig bestimmten Trennung – niedergeschlagen zurück nach Santarém reiste. Wir freundeten uns desweiteren mit dem Küchenchef an (bzw. erledigte ich das :-P), soll heissen, ich durfte in seiner Küche kochen, um ein bisschen Geld zu sparen 😀

Erwähnenswert wäre da noch die erste Nacht: Anna meinte am nächsten Morgen, sie hätte überhaupt nicht geschlafen. Als ich sie dann aber fragte, ob sie während des Sturms Angst bekommen hätte, wusste sie nichts von einem Sturm 😀 Ich und David (Argentinier) lachten sie dafür aus, denn während des lauten Donnerns, der grellen Blitze hatte das Schiff ECHT geschaukelt 😀 Die Toiletten waren auch eine Sache für sich – nicht sooo schlimm wie die im Bus von Santana nach Recife, aber übel genug. Dusche und WC waren in einem, d.h. der Abfalleimer mit dem Toilettenpapier muffelte umso schöner vor sich hin… Und man konnte ganze Kakerlakenfamilien und Ameisenstrassen beobachten, wenn man ein längeres Geschäft auf der Toilette zu verrichten hatte 🙂 Ach ja und dann wär da noch die lustige Situation, als ich eines Abends auf einem Stuhl auf der Terrasse zu zeichnen begann und – nach etwa 10 Minuten – hatte sich eine Traube von ungefähr 10 Menschen um mich versammelt. Was ich leider erst später erfuhr, weil ich so vertieft ins Zeichnen und in meine Kopfhörermusik war, war dass diese Leute gefragt hatten, ob ich sie abzeichnen könnte und wie viel ich dafür verlangen würde… Am letzten Tag überwand sich dann auch noch ein kleiner Junge, mich anzusprechen. Nach kurzer Zeit war er so mutig geworden, dass er mich zu einem Zeichnen-Contest herausforderte: das Topic war Burg mit Türmen und Ritter… Ich verlor, denn bei mir fehlte die lächelnde Sonne mit welligen Strahlen, der Prinz und die Prinzessin, die schwarzen M-Vögel und was weiss ich noch 😀 Wenn man vom Schiff mal absieht, dann waren da die schönen Sonnenuntergänge, der amazonische starke Regen, die Biltzlichter in weiter Ferne und glatt über dem Kopf, einige vereinzelte Häuser auf dem Wasser, die Wasserochse hielten und das schwarze bis braune Wasser weit und breit.

In der Nacht bevor wir in Santarém anlegten, entschieden sich Fabricio und ich, uns zu trennen (also unsere Wege). Er erstand ein „Anschlussticket“ direkt nach Manaus, und so sagten wir uns am Hafen von Santarém goodbye.



Belém – Citylife

20 04 2012

Um elf Uhr in der Nacht kamen wir also zu dritt in Belém, unserer ersten Stadt im Amazonas, an. Wir waren von der Gefährlichkeit in ihr vorgewarnt worden, so nahmen wir ziemlich schnell ein Taxi. Dieses brachte uns zum verlangten Hi-Hostel. Wir waren mit diesem Hostel äusserst unzufrieden: Frauentoiletten befanden sich ausschliesslich im oberen Stockwerk, funktionierten aber sowieso nicht, also durften wir die Männertoilette auf unserem Stock benutzen. Die Zimmer waren enorm muffig und stanken sogar nach Pisse. Zudem besuchten uns in jener Nacht genügend Mosquitos… Das Frühstück bestand aus EINEM Weissbrötchen mit EINEM Stück Käse und EINEM Stück Schinken, dazu EINE Frucht, entweder Papaya oder Apfel, EINEM Glas Saft und reichlich hässlichem Kaffee. Das stimmte mich natürlich sehr unfreundlich, mich, den Fresssack. Der Preis war höchst überrissen, ach ja Computer gab es auch nicht. So suchten wir gleich am nächsten Morgen – VOR der Stadterkundung – ein anderes Hostel. Wir fanden eines das einen schäbigen Eindruck vermittelte, allerdings war das Personal top, die Zimmer enorm sauber, alles funktionierte, es hatte eine geräumige Küche, Klimaanlagen für Preisaufschlag und grundsätzlich war es enorm günstig! Wir quartierten uns also dort ein, auf dem Weg besuchten wir noch einen Strassenmarkt, auf dem winzige todsüsse Hundebabies angeboten wurden. Ausserdem Fische in Plastiksäcken…

P1040681

mit Herzli uf de Stirn =)

OH-MEIN-GOTT-jöööööö!!!

OH-MEIN-GOTT-jöööööö!!!

"scho wider so en Mänsch wo eus agafft, wenn nimmt eus mal öper mit??"

"scho wider so en Mänsch wo eus agafft, wenn nimmt eus mal öper mit??"

Fische aller Grösse in PLASTIKSÄCKEN!

Fische aller Grösse in PLASTIKSÄCKEN!

Geko im Hostel-Zimmer :) "Bleib, bedien dich an den Mücken"

Geko im Hostel-Zimmer 🙂 "Bleib, bedien dich an den Mücken"

Belém geht in mein Gehirn als gute Stadt ein: wir gingen zwei Mal ins Kino, sahen gute Filme, wir kochten viel, assen Salat, eines Abends machte ich sogar mein Fishcurry (wobei ich es komplett mit Curry überwürzte – und das ist noch untertrieben)! Wir assen sehr viel Eiscream, kauften viele Dinge für den bevorstehenden Boottripp. Darunter Hängematten, Seil, Crackers, Früchte, Schockolade, Crackers, und noch mehr Crackers. Dazu Notwendiges wie Wasser, Saft und Alkohol (Pflichtcachaça ;)… Anna und ich entschieden uns bald, ein Boot nur nach Santarém (also nicht direkt nach Manaus) zu nehmen. Fabricio folgte uns bald mit dieser Entscheidung (wohl war ich der Grund :-S ). Wir lernten ganz oberflächlich noch zwei süsse Japaner kennen, welche dann mein überwürztes Fischcurry mit Freuden verspeisten, als sich uns bereits der Magen umdrehte und uns die Zungen hechelnd aus den Mündern hingen… Wir besuchten bei unseren Shoppingtouren auch den grossen Markt in der Nähe des Portos. Für mich war der Fischmarkt ein Spektakel. All die toten Fische, einige aufgeschlitzt, andere ganz und noch mal andere ganz filletiert, dann waren da noch die toten glasigen Augen, all die blutigen Organe etc. Zwei Mal regnete es so viel, dass die ganze Stadt etwa 20cm unter Wasser stand, keine einfache Sache sich mit Flipflops durch das Wasser zu kämpfen (im Hinterkopf immer die Würmer, die einem durch die Füsse in die Beine hinein kriechen können und sich durch das Fleisch fressen, zudem die ganze Pisse under der restliche Abfall, der da durch die Strassen schwamm)… Dann noch das lustige Bild, wie ich trotz Vorwarnung auf einem Haufen Minikokosnüssen ausschlipfe und mit dem Becken auf die Strasse knalle. Verdammt hatte ich Glück, dass ich mir da nichts brach, das war ein harter Aufschlag! Und der Witz: auf dem Rückweg witzelte Fabricio mit erneuten Warnungen, und prompt fiel ich fast nochmal hin! Dies geschah auf der Erkundungstour des Hafens, bzw. dem Aufhängen der Hängematten als Reservation des Platzes auf dem Boot. So blieb uns mein verzerrtes Gesicht während des Falles als schöne Comix-Abschlusserinnerung an Belém… 😉

die gruuusige superscharfe Chilis...

die gruuusige superscharfe Chilis...

P1040698

feini Chilis :)

feini Chilis 🙂

Wasimmer man braucht: Liebeselexir, Creme gegen Warzen, Curry und Massagekorallen...

Wasimmer man braucht: Liebeselexir, Creme gegen Warzen, Curry und Massagekorallen...

ALL diese Äpfel müssen noch hopps mit uns auf's Boot

ALL diese Äpfel müssen noch hopps mit uns auf's Boot

Cupido's Pfeilspitzen-Deko?

Cupido's Pfeilspitzen-Deko?

Willst du Fischarzt werden? Hier kannst du üben :-P

Willst du Fischarzt werden? Hier kannst du üben 😛

...in allen Varianten

...in allen Varianten

am Hafen von Belém

am Hafen von Belém



Jericoacoara

20 04 2012

P1040562

P1040554

P1040557

P1040559

P1040586

P1040619

P1040623

P1040631

P1040640

Jericoacoara war in vielerlei Hinsicht eine schöner Fleck für meine Reise. Es war anders als der Rest Brasiliens: die Wüste, die wunderschönen weiss-goldenen Sanddünen ringsum, all die Esel die jeden Halm in der kargen Landschaft suchten und nächtliche Galloppaden veranstalteten, die Pferde wo man hinblickte und die entspannten Menschen, die alle gemeinsam von einer Düne aus den Sonnenuntergang mit Caipirinhas in der Hand beobachteten. Idylle und wüstenhafte Armut im Einklang, so würde ich diesen Ort beschreiben. Jericoacoara hatte erst seit zwei Jahren Elektrizität, trotzdem schmückten farbige, sternförmige, kugelige, oder glitzernde Lichter jedes noch so kleine Lokal. Es brannten Fackeln und Küchenfeuer lichterloh und die Angestellten beherrschten fast alle mehrere Sprachen oder waren gar selbst Ausländer.

Ich fand zum ersten Mal eine – in allen Hinsichten – günstige Gelegenheit zum Reiten: da Fabricio schon in der selben Nacht nachgekommen war, konnte ich ihn schon am nächsten Morgen dazu überreden, am Abend mit mir auszureiten. Ich hatte mich eifrig über Preise und Möglichkeiten informiert. Für 8 CHF pro Pferdpro Stunde konnten wir ausreiten, einen Führer DURFTEN wir mitnehmen, selber Preis. Natürlich wählte ich die Option ohne Führer. Für mich lief ganz Jericoacoara aufs Reiten hinaus, somit werde ich den Rest nur am Rande erwähnen 🙂 Wir nahmen also zwei Pferde, ausgesucht hatte ich sie mir anhand ihrer „Dicke“. Der Rest der Pferde war zu mager oder sonst wie nicht gut in Form (Verletzungen, Sonnenallergie die sich durch blutige Schuppenflechten äusserte oder Fliegenfang der Höchstform, keine Ahnung warum). Es war ein Glückstreffer wie sich später herausstellen sollte… Wir unternahmen den Ritt zum Stein so und so, das Wahrzeichen Jericoacoaras: ein grosser Felsbrocken in Mitten der Strandbrandung, durch dessen Loch man den Sonnenuntergang beobachten und fotographieren konnte 🙂 Wir brauchten kaum etwas zu tun, die Pferde wussten besser als wir, wo hin und wo der beste Weg war. An einem Punkt blieben sie dann stocksteif stehen, bis wir begriffen, dass wir von hier aus zu Fuss den Berg runterrutschen mussten, und die Pferde auf uns warten würden. Auf dem Rückweg schlug ich einen kleinen Gallopp vor, als wir uns auf einer flachen sandigen Strasse befanden. Fabricio – der seit seiner Kindheit nicht mehr auf einem Tier gesessen hatte – erlernte den Respekt vor dem Reiten auf Kosten des Pferdes, war mir ganz und gar nicht gefiel. Daraufhin hatten wir einen kleinen Streit und Fabricio wollte ums Verrecken nicht mehr auf einen Pferderücken. So überredete ich am nächsten Abend Anna, wir wollten einen Dünenritt unternehmen. Diesmal achtete ich auf ein weiteres Merkmal, das ich am Tag zuvor komplett vergessen hatte (zu meiner grossen Scham!): die Hufe: im Sand eingesunken war mir das nicht aufgefallen, aber diesmal hob ich jeden Huf jedes Pferdes, und wenn ich einen dieser grossen Risse entdeckte, verlangte ich nach dem nächsten. So gingen wir mit zwei gut zuwege aussehenden Pferden los. Es stellte sich jedoch heraus, dass ihr Charakter umso schlimmer war: mein Pferd war der störrische Bock in Person – noch NIE hatte ich einen so eigenen und starken Charakter bei einem Pferd gesehen. Wir verstanden uns überhaupt nicht gut, jeder hatte seinen eigenen Kopf und wollte auf keinen Fall nachgeben. So GING ich mit dem Pferd im Schlepptau die Düne hoch, bis Anna meinte, dies sei doch kein Ausritt. So gingen wir geschlagen zurück und tauschten mein Pferd. Ich kam mir vor wie ein Obertrottel: Ich hatte Wochenlang die vielen supertollen Bücher von Montey Roberts studiert, ja über ihnen gebrütet! Ich hatte Anna davon erzählt, wie ich vorhatte, seine Techniken so gut wie möglich anzuwenden, einzuüben und auszuprobieren. Einen schönen Bären hatte ich mir da selbst aufgebunden: ich war eine echte Witzfigur. Ein winziger Junge kam auf einem Pferd angalloppiert und drängte mich dazu, Sporen und Peitsche anzunehmen. Ich weigerte mich strickt, und zerrte stattdessen das Pferd hinter mir her ^^ (Das Zerren ist bildlich, nicht wörlich gemeint, keine Angst Sarah 😉 dazu dann noch ein Bild – alles gestellt 😉 )

Nun war also der zweite Ritt ein einziger Gag, und Annas Laune ging logischerweise weiter den Bach runter, aber ich hatte am Ende doch noch meine Freude, denn ich kaufte Karrotten, Äpfel und Bananen um die vielen armen misshandelten Tiere zu verwöhnen – wenigstens für ein paar Sekunden in ihrem dreisten Leben…

Wieder einmal stellte ich fest, wie viel positive Energie der Kontakt mit Pferden auf mich abstahlte. Die Vorfreude und das Sprühen in den Augen nach den Tiermomenten war unübersehbar und ich fühlte es in Form reinster Energie: ich ging nach dem und vor dem Reiten für insgesamt 3h ins Fitness. In Brasilien war es – Fernando korrigiere mich falls ich falsch liege – gang und gäbe, die Laufbänder nur für schnelle Walks zu benutzen. Als ich dann als FRAU anfing zu joggen, und das in diesem Kaff, wo jeder echte Mann im Fitness ein und ausging, es auch noch 40 Minuten durchzog, klopfte mir am Ende jeder Typ dort drin auf die schweissgebadete Schulter oder schüttelte mir die Hand. Das war echt amüsant! Ich setzte noch einen drauf, als die Typen mir alle ciao sagten oder winkten, als ich rausging: ich wollte nur Luft schnappen und dehnen, danach trat ich wieder ein und die Typen lachten.

Soviel also zum Reiten und zum Fitness in Smalltown. Dann war da noch mein Birchermüesli: Anna hatte mich gewarnt, sie werde es nicht mögen. Aber als sie dann probierte, wollte sie plötzlich mehr und mehr 🙂 Da hatte sie wohl doch noch nie ECHTE schweizer Küche probiert, was? Ich muss zugeben, ich vermisse mittlerweilen einige typische Schweiz-Dinge: da wäre die Sprache (Schweizerdeutsch!) und die Vielseitigkeit an Restaurants (in der Schweiz kriegt man praktisch alles, dazu auch noch wirklich gute Qualität, keine fake Nachahmungen…) UND zu aller letzt meine Gewürze (Salatgewürze von Coop, Trocomare, Paprika, Curries, etc.) 🙂

Eines unser ausgängischen Abendessen brachten wir in dem feurigen Restaurant mit getrennter Fleisch-Fisch-Küche zu: da war es an Fabricio schlechte Laune zu haben. Sein Grund (ebenfalls mich betreffend): da er mit mir reiste hatte er kaum mehr Zeit aufgewendet um zu arbeiten, was in promt enorm störte! Er schmollte beim ganzen herrlichen Fisch auf dem Tisch und verliess uns gleich nach seinem letzten Bissen. Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass eigentlich ICH – die 19jährige – die sein sollte, die ständig von Launen gesteuert und Emotionsschüben unterliegen sollte, nicht der 27jährige Architekt und auch nicht die 36jährige Wissenschafts-Entwicklungshelferin… However, auch seine Laune war nur eine Frage der Zeit, somit nickte ich auch bei diesem Drama nur vage mit dem Kopf. Ich finde, wenn man reist hat man mit genug anderem Kram zu tun, da will man sich nicht noch mit Launen anderer auseinandersetzen… I shut up!

Der Versuch von Jericoacoara in Richtung Westen wegzukommen scheiterte kläglich. Entweder stimmten die Verbindungen hinten und vorne nicht (sodass wir für jedes 2h-Fährtchen einen ganzen Tag mit Warten verbringen  oder gar nächtigen mussten), oder aber es GAB keinen Weg dorthin, oder es winkten uns unglaubliche Preise wie 250 CHF für eine 7h Fahrt! Also auf jeden Fall spendete ich dieser Suche einen ganzen Tag, bis ich mich schliesslich ans Internet hockte, und einen Flug suchte. Ich fand einen, unglaublich günstig (es war ja Ostern!), wir (ich und Fabricio) buchten mit Hilfe eines Fortalezianers und dann reisten wir noch in derselben Nacht mit dem Nachtbus nach Fortaleza zurück. Der Bus kam 3h zu früh an, was für uns hiess, dass wir ganze 12h anstatt 9h auf den Flug warten durften. Fabricio und ich hatten einen groben und lauten Streit, sodass ich froh war, als Anna kurz vor Abflug auch noch am Flughafen auftauchte um den selben Flug zu nehmen. Sie hatte die teurere Variante gewählt (eine Übernachtung mehr im Hostel, Tagbus teurer), schien jedoch keineswegs fitter zu sein.

P1040542

P1040545

P1040547

P1040552

Bühnendüne für Sonnenuntergang

Bühnendüne für Sonnenuntergang

eeendlich =)

eeendlich =)

Capoeira by night

Capoeira by night

Lichter wohin das Auge reicht

Lichter wohin das Auge reicht

extra für die ganz strohigen Köpfe ;-P

extra für die ganz strohigen Köpfe ;-P

Esel, Esel, Esel :)

Esel, Esel, Esel 🙂

Wir sind beide gleich stur, aber ich bin definitiv ein Federgewicht...

Wir sind beide gleich stur, aber ich bin definitiv ein Federgewicht...

Übrigens hatten wir versucht in den Westen zu gehen, um Lençois Maranhenses zu sehen, eine angeblich spektakuläre Landschaft geformt aus weissen Dünen und tiefblauen Lagunen. Der Flug nun ging aber direkt nach Belém. Ich war Brasilien langsam etwas leid, und auch der Preis des Fluges hatte für sich gesprochen. So übersprang ich Lençois Maranhenses und São Luis um direkt den Amazonas Tripp von Belém aus zu starten 🙂 Dazu im nächsten Artikel mehr 😉



Natal-Fortaleza-Jeri

20 04 2012

P1040482Nach Praia Pipa begaben wir uns zu dritt auf den Weg nach Jericoacoara. Wir hatten mangels Zeit, Geld und Interesse beschlossen, die Städte Natal und Fortaleza auszulassen. Allerdings hatten wir dann in Natal einen halben Tag Zeit, den wir uns mit Sightseeing zunutze machten. Wir besuchten eine Festung halb im Meer. Da aber Ebbe war, konnten wir über den Sand bis zur Burg laufen, anstatt sie über einen befestigten Pfad zu erreichen. Wir schossen super Fotos (da Sunset) von einer imposanten Brücke. Das spannende an der Festung, die wir (da geschlossen) nur von aussen betrachten konnten, war, dass die Mauern zum Teil aus Wal-irgendwas (ich bin nicht mehr sicher ob es sich um Walkot oder um ein Körperteil des Wals handelt…) bestanden, und bis zu 14 Meter dick waren. Man kann sich somit die Wildheit des Meeres und den Respekt vor Angriffen vorstellen… Am Ende dieses gemütlichen Tages assen wir noch je einen guten günstigen Prato Feito mit Fisch, danach zurück zum Rodoviaria. Anna hatte die gesamte Zeit über eine auffällig schlechte Laune. Ich konnte mir dort noch keinen rechten Reim draus machen, aber sie klärte mich später äusserst aggressiv auf…

Forte in Natal

Forte in Natal

Anna schlecht gelaunt...

Anna schlecht gelaunt...

P1040433

P1040439

P1040456

P1040459

P1040470

Fabricio trennte sich in Fortaleza von uns, um eine alte Freundin zu besuchen. Ich nahm mit Anna den Bus nach Jijuca, von dort aus nahmen uns grosse Allradantrieb-Wagen mit in die Wüste, die Dünenlandschaft von Jericoacoara. In diesem Gefährt erklärte mir Anna, dass sie es leid sei, mit so jungem Volke zu reisen, das so ganz und gar nicht auf ihrer Wellenlänge sei (da andere Stadien des Lebens). Zudem hätte sie nicht mit mir UND Fabricio reisen wollen und eigentlich hätte sie die ganze Zeit über mir die ganzen Entscheidungen überlassen, da ICH ja so BOSSY sei. Sie machte ihrem ganzen Ärger Luft. Ich nickte, müde von der Reise und keine Lust auf irgendwelche Auseinandersetzungen. Zudem hatte ich das Gefühl, dass es hier eigentlich um was ganz anderes ging, wohl mehr um den Australier (mit dem sie nur wegen Alkohol etwas angefangen hatte, was sie gar nicht wollte) als um das Reisen mit mir und Fabricio. Ich muss sagen, mit diesem Gepräch damals, hat sie eine gehörige Portion meines Respekts verloren. Sie benahm sich sehr kindisch. Das hielt übrigens noch längere Zeit an, aber ich werde es unterlassen, weiter darüber zu lästern…

P1040514

Mauer aus Wal-irgendwas 🙂

P1040490

P1040495

P1040501

P1040505

Natal

Natal

ein Zufall?

ein Zufall?

P1040515

meine Nägel nach dem Haare-tönen!!!

meine Nägel nach dem Haare-tönen!!!



Praia Pipa – Delphinewatching?

20 04 2012

Fabricio und der Australier stressten am letzten Morgen in Recife noch nach Olinda (ich war der alten Städtchen müde – siehe Diamantina), Anna wollte keinen Stress aber trotzdem Olinda sehen. So ergab sich, dass ich und Fabricio allein nach Praia Pipa weiterzogen um uns dann später in Natal wieder mit Anna zu treffen. Fabricio und ich verliebten uns aber in das kleine Dörfchen mit nur einer kleinen Hauptstrasse, und so sollte Anna schon am nächsten Tag nachkommen. Als wir dann aber auf die liebe Anna warteten, tauchte sie einfach nicht auf. Es stellte sich heraus, dass sie mit dem Australier und einer deprimierten Brasilianerin (da langjähriges Internet-Blinddate sich als Fauxpass geoutet hatte) einen Saufmarathon hingelegt hatte. Am nächsten Morgen fand ich eine Nachricht von ihr in meinem Facebookaccount: sie hätte einen schrecklichen Kater und würde erst einen Tag später nachkommen. Mit dem Australier. Ich und Fabricio vermuteten schon schelmisch, dass da etwas gelaufen sei. Diese Wahrheit stellte sich jedoch als unerfreulicher Einflussfaktor auf Annas Miene heraus. Als sie nämlich ankamen, und ich voller Enthusiasmus meine geliebte Nudelpaella präsentierte, murrte sie bloss herum.

Auf jeden Fall genossen ich und Fabricio Praia Pipa sehr, auch wenn wir nur ein einziges Mal an den Strand gingen, und da nicht einmal Delfine zu Gesicht bekamen. Wir bekochten uns gegenseitig und als wir ausgingen überwand ich mich sogar, wieder einmal Pizza zu probieren: kein Erfolg… Die erste Nacht verbrachten wir nach langem Suchen in einem sehr günstigen Miniappartement, in welchem wir völlige Privatheit besassen – soll heissen eigene Küche, eigenes Bad und vier Betten 😀 Am folgenden Tag zogen wir in den jungen Bruder des Hi-Hostels just um die Ecke um. Es war ein neues Backpacker, arbeitete mit dem Hi zusammen und war ontop noch günstiger! Fabricio war zudem begeistert, das der Receptionist ein waschechter Argentinier war – als ob es die in Brasilien nicht wie Sand am Meer gab 😀

Woran ich mich deutlich mehr erfreute: ich sichtete einen weiteren (first one im Artikel Florianopolis) atemberaubenden Uruguayaner! Ich fasste den Entschluss, früher oder später einmal nach Uruguay zu gehen… 🙂 In Praia Pipa fand ich auch das letzte Stück (the bottom) zu meiner Nachahmung des gestohlenen Bikinis. Das Topstück hatte ich schon in Praia Forte wiederentdeckt und zu einem unerhörten Preis ergattert, und nun also die Vervollständigung. Ich war wieder glücklich 😛 Ich hatte mein gestohlenes Bikini zurück! ^^ Ausserdem fand ich zwei neue schöne Kleider und entledigte mich sogleich des jahrealten pink-flower-power-Kleid vom H&M. Eine brandneue Luft umwob mich mit meinen neuen Kleidern, meinem „zurückeroberten“ Bikini und – ach ja, die Schuhe fehlten noch… Man merkts auf jeden Fall: ich begann das Cityleben zu aufleben zu lassen, das Geld rieselte nur so durch meine Finger – BIS ich zum Bankomat ging, mit meiner Postkarte (denn laut meinen Berechnungen war das UBS-Konto bereits alle!), und oh Schreck feststellte, dass ich meinen PIN zu diesem Konto vergessen hatte!!! Naja, ich probierte es dann doch noch mit meiner UBS, und die spuckte nach wie vor – wenn auch überraschend für mich – Geld aus, wie ein braver Goldesel…

P1040402

P1040375

P1040380

P1040394

P1040397

Affen in Smalltown - der neuste Hit: Kabellianen!

Affen in Smalltown - der neuste Hit: Kabellianen!

P1040376

P1040408



Recife

19 04 2012

Die Ankunft in Recife ist schon nenneswert: ich fragte mich durch Taxifahrer und Polizisten um den richtigen Bus ins richtige Quartier für eine der beiden Adressen zu finden, die ich herausgeschrieben hatte. Mühsam gelangten wir irgendwohin, dort fanden wir ein Touristenbüro, welches uns freundlich erklärte, dass wir vollkommen falsch waren. So nahmen wir einen weiteren Bus von irgendwo nach Quartier so und so. Dort fragten wir 3 Taxifahrer und einige Türsteher, alle hatten keinen Schimmer von keinem der Hostels. So trugen uns unsere Füsse mit letzter Kraft in ein Bonzenhotel (man bedenke unseren letzten drei „Reise-Warte-schlaflos-Toiletten-Trauma-Tage“), wo wir NACH der Anfrage für die Nächtigungspreise (horrend!) nach den günstigen Hostels für uns arme Reisende fragten. Der Receptionist hatte grosses Mitleid mit uns, so printete er uns sogar eine Mapa aus, um uns den Weg um die zwei Blocks zu erklären und aufzuzeichnen 🙂

Im Hostel angekommen wurden wir von den hohen Preisen überrascht, allerdings war das Hostel so sympatisch und wir sooo müde, dass wir es trotzdem nahmen, uns auch sofort schlafen legten.

Fabricio kam einen Tag darauf, er hatte keine Mühe gehabt, das Hostel zu finden… Ich und Anna gingen – als Ausgleich für die horriblen vergangen Tage – ins Kino und machten eine riesen Büchershoppingtour. Ich hatte fast alle fertig gelesen und hatte auch geplant (was ich dann später auch tat), die Bücher von Recife in die Schweiz zu schicken (da Recife-Europa der kürzeste Weg war). Wir verbrachten insgesamt drei Tage in Recife, erkundeten die Stadt auch vorbildlich, allerdings stellte sie sich als ziemlich langweilig und öde heraus. Von Kirchen hatten wir ja reichlich genug gesehen. Allerdings lernten wir einen Australier kennen (netter Kerl), mit dem wir am Mittag auf einem Markt mit ein wenig Bier und Campari auf der Wolke Betrunken schwebten, bevor wir einen Auflug in drei konnektierte Museen unternahmen. Dort begrüssten uns reichlich schweizer Army-knifes, mitteralterliche Musik, kühle Schlossluft, Kunst (hauptsächlich beschäftigt mit nackten Frauen, AUCH ein paar Männer zu meinem Vergnügen :-P), und skurrile Skulpturen, von denen ich heute noch Albträume habe… 😛

Mittags-Campari...

Mittags-Campari...

Putz auf Rollschuhen =)

Putz auf Rollschuhen =)

Extraplatz für Übergewichtige...

Extraplatz für Übergewichtige...

Strassenhändler auf Brücken

Strassenhändler auf Brücken

Transportart Nr.1

Transportart Nr.1

Strassenkunst

Strassenkunst

Nattai und Anna

Nattai und Anna

Alles was man brauchen könnte!

Alles was man brauchen könnte!

Kind wird auf lebhaftem Marktplatz gewaschen

Kind wird auf lebhaftem Marktplatz gewaschen

Eingang zum Museum

Eingang zum Museum

mia

miauuu!

P1040238

P1040310

P1040265

P1040272

P1040275

P1040276

P1040307

P1040350

P1040355

P1040357



Feira de Santana – ein kleiner Horror

19 04 2012

Ein kleiner Artikel, aber doch erwähnenswert: 17h verbrachten wir an diesem tragischen Ort…

Üble Erkältung...

Üble Erkältung...

Wider unseres Erwartens kamen wir dort schon um 5Uhr Morgens an, dann stellten wir uns für 2-3h Wartezeit ein, hielten uns mit Orangensaft, Kaffee und Crackers wach um schliesslich festzustellen, dass wir einen ganzen Tag warten durften, um einen Anschlussbus nach Recife zu kriegen. In Lençois hatte ich extra gefragt, aber wie so oft wurden dämliche Touristen offenbar mit Falschinformationen gefüttert. Wir wollten es uns denn also auf den freundlichen Stühlen bequem machen, um ein paar Stündchen zu schlafen – NICHTS DA! Ein Polizist hatte es sich zu unserer Misgunst zur Aufgabe gemacht, die Leute nicht schlafen zu lassen! Sogar SITZENDE Leute wagte er mit warnendem Gefuchtel aufzuscheuchen! Ich ärgerte mich gehörig über ihn, fand mich aber schliesslich damit ab, da ich als Ausweg Computer mit Internet gesichtet hatte: Ich setzte mich also an die Arbeit, schrieb meinen Blog brav weiter. Ganz wie’s das Schicksal wollte, schrieb ich ungefähr 1.5h vergebens; denn als ich das ganze speichern wollte, war alles verschwunden. Ich wollte mir die Haare ausreissen, als ich begriff, dass ich Internet Explorer als Browser verwendet hatte, und doch schon einige Male festgestellt hatte, dass es dort meine Texte nicht speichern konnte! Mein Fehler! Demotiviert setzte ich mich also zu Anna, die gänzlich am Ende ihrer Kräfte war, denn der Polizist hatte sich gut um sie gekümmert… Unser Bus hatte schliesslich noch 3h Verspätung, was uns fast in den Wahnsinn trieb: 17h an diesem verfluchten Busterminal, ich sage euch, da WIRD man irre!

Als der sehnlichst erwartete Bus dann endlich kam, begrüsste uns ein Schwall von Pisse- und Modergestank. Kein Scherz. Es war der übelste Bus, in dem ich in Brasilien gefahren bin. Die Toilette schrieb Geschichte: der Boden war überschwemmt mit Seife, SCHEISSE und Pisse, vielleicht fand sich da auch noch Kotze und Klopapier. Auf jeden Fall ging ich mit einem Trauma von dannen.

Soviel zu Santana 😀