Mein Pech von Florianópolis verfolgte mich auch noch auf dem Weg, denn mein Bus entpuppte sich als absoluter Pendler! Die Reise dauerte so 19h anstatt vielleicht 12h… Und eine Entzündung in meinem Hals wurde immer schlimmer dank der genialen Klimaanlage. Mitten in der Nacht mussten wir den Bus wechseln, aber schliesslich in Foz angelangt, nahm ich schlichtweg das Taxi, ich fühlte mich echt kränklich. Im Hostel wurde mir von sehr nicht-hilfsbereitem Receptionist mitgeteilt, dass ich bis 12.30 mit dem Check-In warten müsse (ich kam früh morgens in Foz an)… So ging ich also verschwitzt und total erschöpft in den nächsten Supermarkt und kaufte mir alle möglichen Gemüse für eine heilende Suppe… Ich konnte nämlich kaum noch essen, so schmerzhaft war dieses Ding im Hals.
In Foz ernährte ich mich grundsätzlich vegetarisch, leicht und gesund (Jogurts, Salat, Suppe, Pasta-Gemüse-Soya-Versuch…). Bei meinen Aufenthalten in der Küche lernte ich viele Leute kennen: eine gruppe von Israelis, die zwei Israelis aus Curitiba traf ich auch wieder, einen uralten Engländer (71) der allein schon fast die gesamte Welt bereist hatte (die meiste Zeit nach der Pensionierung). Er war ein wahrhaft interessanter und gebildeter Mensch, ihm fehlten nur noch 70 Länder von (ich glaub?) 360 Ländern..? Unglaublich! Er war allerdings alleinstehend, soweit ich das weiss, hat er auch keine Kinder und ist somit ein eher einsamer Mensch. Wir führten während der Abendessen und des Frühstücks viele wahnsinnig spannende Diskussionen, auch über Dinge, bei denen wir vielleicht nicht einer Meinung waren 🙂 Wir verabschiedeten uns nach 2 Tagen mit der Vereinbarung, dass ich ihm eine Email schreibe, falls ich meine verrückten Reisepläne erfüllen würde 😉
In meinem Zimmer hausten zwei Chileninnen, natürlich war ich gleich Feuer und Flamme 🙂 Mit ihnen verbracht ich fast den gesamten Rest meiner Zeit: sie erzählten mir von ihrem Leben, von den Problemen in Chile und von ihren Reiseerfahrungen im eigenen Land. Das ganze fand ich super aufschlussreich und ich erkannte, dass es noch unheimlich viel zu lernen gäbe, wenn ich wirklich auswandern will! Ein kleines Beispiel: es gibt Erdbeben, auch heftige, die ganze Städte zerstören… Daran hab ich bestimmt nicht gedacht, als ich ans auswandern nach Chile dachte. Und auch politische Probleme seien sehr present, wie unter anderem das Monopol Spaniens über die Energie in Chile!
Diese zwei Chileninnen arbeiteten beide in der Universität von Conception im Sekretaria. Die eine hatte zum Beispiel auch die Aufgabe, die Ausländer beim Eintritt in die Universität zu geleiten. Gestern sind wir dann auch gemeinsam ausgegangen, in die erste Disco (für mich) in Brasilien. Dort erkannte ich die Nationalmusik an folgendem: Jegliche Musikarten wie Rock, Pop oder Salsa wurden in eine Art Samba abgewandelt. Es gab extrem viele hübsche Leute, hochgestilt als würden sie gleich auf dem roten Teppich von hunderten Fotographen belichtet. Ich ging denn eine Stunde früher als die Chileninnen nach Hause (wegen meines Halses) und am nächsten Morgen verblieben wir bei der Verabschiedung so, dass ich sie besuchen würde, wenn ich nach Chile käme, und dass sie mit der Universität in Valdivia Kontakt aufnehmen würden, um für mich zu fragen, was man alles benötigte, wann wie wo was… Echt genial. Zudem traf ich eine Familie, die eben aus Valdivia stammte, auch der Vater bot sich an, mir zu helfen und wenn ich nach Valdivia ginge, könnte ich bei seiner Familie wohnen =) Sind das nicht echt tolle Menschen???
Die eigentliche Attraktion von Foz (die Wasserfälle), besuchte ich am 3. Tag (am 2. musste ich die Tour absagen weil ich mir vor Schmerzen nur ständig an den Hals fasste). Ich lernte dabei 2 Holländer, einen unsympathischen Engländer und ein super niedliches und cooles Paar aus Deutschland kennen. Dazu gäbe es noch viele weitere Geschichten, aber ich werde mich nun mal kurz dem Wesentlichen widtmen: Die Wasserfälle beeindruckten mich zwar wirklich sehr, extrem sogar im Vergleich zu den Niagarafällen in Kanada, trotzdem fehlte bei mir der Natur-Rausch, da es für meinen Geschmack absolute Unberührtheit und keine Touristencrowds brauchte, um eine Faszination bei mir auszulösen. Zudem verging mir die Lust nach etwa 2h (insgesamt verbrachten wir den gesamten Tag bei 47°Grad herumwatschelnd und trinkend in diesem Iguaçupark), man fotographierte einfach 1000 mal dieselben Wasserfälle… Trotzdem ist es etwas, das ich zu den Dingen zähle, die absolut sehenswert sind!
Im Hostel lernte ich schliesslich noch ein anderes deutsches Paar kennen (beide Vegetarier, find ich cool), die arbeiteten beide auf dem Gebiet erneuerbarer Energien, sehr interessant! Sie berichteten mir auch von Bonito, dass man dort (wo ich eigentlich als nächstes hatte hingehen wollen) für alles extra bezahlen müsse (soll heissen: man kann keinen einzigen Trip allein unternehmen sondern muss für jede Exkursion einen Guide bezahlen und es sei auch recht teuer…). So entschied ich mich einen Tag vor meiner Reise spontan um und kaufte ein Busticket nach Campo Grande. Erst im Nachhinein fand ich heraus, dass es dort weder ein Hi-hostel noch ein Che Lagarto hat. So suchte ich mir das nächste Hi-hostel raus, welchen mitten im nirgendwo nördlich von Campo Grande liegt. In 1h nehme ich den Bus dorthin. Das Hostel soll gleich in der Nähe eines Nationalparkes mit vielen Tieren liegen 🙂
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