Panama City

6 07 2012

Die langweiligste Stadt, die ich wohl auf meiner Reise besucht habe: darf ich vorstellen? Panama City.

Ich hatte die Adresse eines Hostels und den Plan dazu im Lonely Planet. Ich folgte dem Plan bis ich den gesuchten Strassennamen nicht fand, und fing dann an rumzufragen. Keiner wusste etwas, also hielt ich nach Touristen Ausschau. Und schon bald stach eine Gruppe kurz bekleideter Ammi-Frauen ins Aug. Ich „höselte“ zu ihnen und fragte sie nach dem Mamallena  Hostel. Sie meinten, ich solle ihnen folgen. Also „schlich“ ich hinter den molligen, kreischenden Dingern hinterher ^^ Im Hostel angekommen erfuhr ich, dass es komplett ausgebucht war – aber wieder einmal war ich meinem Geschlecht dankbar. Als ich ein komplett zerstörtes Gesicht zum Vorschein brachte, meinte der Receptionist, dass ich ja in einer Hängematte oder auf einem Sofa schlafen könne, wenn ich wolle. Das Angebot nahm ich höchst dankbar an, denn ich war ganz und gar nicht scharf darauf, noch Stunden in dieser mir unbekannten Stadt mit meinen 30kg herumzuzwirbeln. Das Hostel stellte sich als top heraus, es war riesig, hatte Küche, gratis Pancakes und Café am Morgen, reichlich Duschen und eine gemütliche Terrasse mit Ventilator. Als ich dann auch das Zeichen oberhalb dem Küchendurchgang entdeckte, begriff ich, dass ich sogar ein Visitenkärtchen von diesem Hostel mit mir herumtrug. Es gehörte zu einem anderen Hostel, in dem ich schon in Cartagena (Columbien) gewesen war. Ich lernte gleich am ersten Abend eine Drogendealerin kennen, begriff das aber reichlich spät. Erst als sie heulend und hyperventilierend im Zimmer umherrannte und ETWAS suchte und ich sie fragte, um was es sich denn handelte, Pass? Geld? Neiiin, was könnte wichtiger sein, Cocaiiiiin! ^^ Ab da hielt ich meinen Kontakt in Grenzen, denn wie ich bald darauf bemerkte, handelte sie ziemlich offensichtlich und ich hatte keine Lust auf Komplikationen…

Ich lernte noch weitere Israelis kennen: 3 Typen die gerade erst mit dem Flugzeug angekommen hatten und vorhatten 3 Monate gemeinsam Mittelamerika zu bereisen. Ich bin bis heute mit ihnen in Kontakt und schon jetzt haben sie sich halb aufgetrennt. Später lernte ich noch kurz ein israelisches Paar kennen, wobei der Typ eine äusserst interessante Story zu berichten hatte: gerade vor seiner Abreise war er mit dem Militär inm Gazastreifen eingesetzt worden. Er und einige seiner Kollegen wurden in einem Haus direkt vor einem Spital stationiert. Und trotzdem (er erklärte, dass es ein Code war, keine Krankenhäuser, Kinderanstalten, Schulen, etc. zu bombardieren) wurde das Haus bombardiert. Er verlor zwei Freunde, einer seiner Freunde verlor ein Bein und der Chef starb ebenfalls. Einer der 3 anderen Israelis war ebenfalls äusserst interessant: er hatte ein unglaubliches Wissen über Geschichte, Politik und anderes für sein Alter, ABER er war noch nie gereist. Will heissen, sein Wissen basierte ausschliesslich auf Geschriebenem. Wir disskutierten heiss über Krieg und so weit ich mithalten konnte über Politik und ich hoffe, dass ich ihn eines Tages in Israel besuchen kann, gerne würde ich weitere so interessante Disskussionen führen. Es kam mir vor wie eine Diskussion zwischen Weiss und Schwarz: die Schweiz die nie irgendeinen Krieg anfängt, möglichst neutral, etc. Und Israel mit viel Ehre und Wertgefühl.

Einen Tag verwendete ich darauf, in der ganzen Stadt umherzuwandern. Stunden lief ich und wurde immer gelangweilter. Nur mit dem Essen war ich höchst zufrieden: günstige Chinesenrestaurants an allen Ecken 🙂 Den Rest der Zeit faulenzte ich hauptsächlich, aktualisierte meinen Blog, chattete, schaute Filme oder ass. An einem Abend fragte mich ein Argentinier, ob ich indisch Essen wolle. Für 3 Dollar gäbe es eine Spezialität von Indien (irgendeinen Namen hatte es) plus Maracuja-Saft. Ich war begeistert und meldete mich beim Essen an. Da ich die ganze Zeit mit hungrigen Geräuschen in der Küche umhertigerte, gab mir der Argentinier eine halbe Portion gratis. Es stellte sich heraus, dass es keineswegs indisch war, sondern mexikanisch und einfallslos. Trotzdem sehr schmackhaft und dazu gesund: selbstgemachte Tortilla mit Bohnenmus und Guacamole. Die Idee dieses argentinischen Reisegrüppchen fand ich allerdings absolut GENIAL! In Hostels Essen anzubieten, simpel und profitabel, dazu sehr sozial! Ich nahm mir vor, das auch mal auszuprobieren 😉 Ich würde dann extraordinäre SCHWEIZERKÜCHE ohne Käse anbieten 😀

Wenn ich nicht gerade mit Elektronik am Faulenzen war, las ich in der Hängematte. Ich hatte zwei Bücher im Buchexchange entdeckt: ein riesen Franz-Dix (den ich ja bisher in keiner Bücherei gefunden hatte) und ein altes Buch über Hunde, verfasst von einem Tierarzt. Am Anfang quälte ich mich noch mit meiner Französischen Literatur ab, aber bald fesselte mich das Hundebuch. Es sollte „alles“ behandeln: Ernährung, Wachstum, Training, Krankheiten, Rassen, blablabla. Tatsächlich bisher ist es ziemlich weit gefasst, allerdings merkt man, dass das Buch schon einige Jahre auf dem Buckel hat und die neusten Erkenntnisse in der Medizing fehlen. Wie auch immer, das einzig Sinnvolle was ich bei meinem Aufenthalt in Panama City sonst noch tat, war Linsen einzukaufen. Also Kontaktlinsen 🙂 Endlich waren sie wieder günstig, sogar ein paar Franken günstiger als in der Schweiz! Ein Wunder, nicht? 🙂

Schliesslich nahm ich den Bus nach San José, Costa Rica. Es war der 2. schlimmste Grenzübergang in meinem Leben. Das Busteam wollte mich sitzen lassen, weil ich nicht schnell genug war und kaum einwilligen wollte, ein teures Rückfahrtsticket aus Costa Rica heraus nach Panama zu kaufen, nur damit ich eintreten durfte. Ich musste am Ende 20 Dollar bezahlen. Später beruhigte ich mich damit, dass ich es als Visa ansehen konnte. Wie auch immer, die Frau an der Grenze liess NICHT mit sich reden und schien eine Furie. Nicht nur gegen mich. Ein Deutscher, der auch im Bus war, hatte ihr sein Flugticket vorweisen müssen, damit er wieder einreisen durfte. Allerdings hatte sie ihm anschliessend nur 20 Tage anstatt 90 Tage in den Pass gestempfelt und es ebenso ins System eingegeben. Grund: Er hätte ihr ein falsches Datum angegeben. Allerdings hatte er ihr ja das Ticket mit dem Abflugsdatum GEZEIGT und sich im Monat zu irren, das war schonmal ihr Fehler. So eine dämliche verdammte Sch*****!!! Er fragte mich um Hilfe, aber ich hatte sie sowieso schon fast angeschrien und war den Tränen nahe, weil der Busbegleiter hinter mir sagte, er würde mein Gepäck rausschmeissen und mich hier lassen. So versuchte ich es mit netten Worten und sagte, es gäbe doch kein Problem, diese 20 Tage jetzt einfach in 90 zu ändern. Ihre Antwort: Es ist schon im System! So entschuldigte ich mich beim Deutschen und kümmerte mich um meinen Grenzübergang. Ich schaffte es schliesslich aber mit einer traumatisierenden Erinnerung im Gedächtnis. Ab sofort hasste ich Grenzen 😀 Der Deutsche ging schliesslich ohne seine 90 Tage, und hoffte darauf, dass es keine Probleme gäbe. Ich verfluchte dieses Busteam und Costa Rica war mir bereits jetzt komplett unsympathisch :-S



Portobelo

30 06 2012

Von Puerto Lindo aus, dem Hafen wo wir mit dem Catamaran eingetroffen waren, fuhr uns unser Captain noch bis nach Portobelo. Dort wollte ich noch eine Nacht bleiben, um das Grundstück von Dominique anzuschauen, welches dort in der Nähe lag. Ich schaffte es zwar, diese Besichtigung auf die Kürze zu arrangieren, da Dominique mit seinem Freund in Portobelo telefonieren konnte. Allerdings regnete es am nächsten Morgen in solchem Masse, dass ich mich entschied, die Rutschpartie auszulassen, und musste so absagen. Der Schweizer vom Catamaran (Lino) blieb ebenfalls, und so fanden wir eine günstige Unterkunft und kochten dort gemütlich Tunfischsauce mit Spaghetti. Es war ein gemütlicher Ort und eine gemütliche Begleitung. Wir wanderten noch im Dorf umher und betrachteten die Ruinen der Festungen am Meer und den Affen, der angekettet mitten im Dorf vor sich hinlebte. Meine Kamera hatte wieder einmal ein so beschlagenes Visir (oder wie auch immer das heisst), dass ich nur noch sehr neblige Fotos aufnehmen konnte. Beim Eindunkeln setzten sich Lino und ich auf den schmalen Balkon, unterhielten uns und lauschten dem strömenden Regen. Wir erzählten uns aus unseren Leben, philosophierten über unsere Zukünfte und redeten über schweizerische Eigenheiten und gutes Essen. Am nächsten Morgen wachte ich komplett unausgeschlafen auf, hörte immer noch den Regen, zog mir mein Bikini an und setzte mich draussen auf die Strasse. Wenn ein Auto vorbeikam sprang ich auf und huschte hinter das Haus. Der Regen hatte mich auf dem Meer geholt und liess mich nicht mehr los. Er schien mich immer zu rufen. Es ist wunderschön, sich einfach in den Regen zu stellen. Man fühlt siche wie selten mit der Natur verbunden. Und zwar nicht nur im mentalen Sinne, sondern im physischen. Ich denke, das ist eine „Übung“, die jeder so viel wie möglich in seinem Leben unternehmen sollte. Es fühlt sich so richtig und wundervoll an, so bereinigend 🙂

Nun denn, da ich ja nicht mehr zum Grundstück von Dominique ging, fuhren Lino und ich schon um die Mittagszeit mit einem Bus nach Colón. Im Bus freundete sich der gesprächige Lino mit allen Schülern an, während ich eher den schweigenden, beobachtenden Part übernahm. Ein wunderschönes schwarzes Mädchen sass vor mir und liess freudige Musik aus kleinen Boxen laufen. In Colón angekommen liessen wir unser Grossgepäck kurz bei einem Wachhäuschen bei der Zugstation und gingen was essen. Für einen Dollar etwas ass ich Reis mit Linsen und Poulet. Wie lecker und günstig! Danach nahmen ich und Lino den touristisch hochvermarkteten Zug nach Panama City. Es war eine Fahrt, die sich auf keine Weise lohnte. Lino regte sich gehörig über die mitfahrenden Touristen (eine kleischende Gruppe von deutschen Frauen und eine riesen Gruppe stinkreicher Ami-Rentnern) auf, während ich vom Panama-Kanal hoch enttäuscht wurde. Ich hatte etwas Spektakulares erwartet, da ich immer so ein sagenumwobenes Bild von ihm vor Augen gehabt hatte. Aber es war ein stinknormaler Fluss, künstlich oder auch nicht, auf jeden Fall höchst uninteressant. Ich hätte vermutlich mehr davon gehabt, Wikipedia zu lesen. Für die Fahrt bezahlten wir je 25US-Dollars, der Zug war ausser dem Touristenwagon – wie wir nach dem Aussteigen bemerkten – komplett leer gefahren. Eine Stunde Fahrzeit. So erklärten wir uns dann auch den horrenden Preis und fanden es unerhört, dass sie die anderen Wagons nicht abgehängt hatten… Umweltverschmutzung für nichts und wieder nichts. Am Endbahnhoft erfuhren wir, dass es keinen Bus von dort gab und wir ein Taxi nehmen mussten, um in die Stadt Panama zu gelangen. Wir hatten aber Glück und ein Car stoppte und nahm uns für 20Cents mit zum grossen Terminal. Von dort aus trennten wir uns auf. Lino nahm direkt einen Bus nach Costa Rica, während ich einen Bus ins Stadtzentrum nahm, um dort ein Hostel zu suchen.



Mit dem Katamaran auf San Blas

16 06 2012

Da ich keinen langweiligen Text schreiben möchte (Aufzählung von Malzeiten, und dann, und dann, und dann), werde ich hier bloss Fotos präsentieren und kurze beschreibende Worte hinzufügen. Viel Spass beim eifersüchtig-sein 😀

Cartagena Skyline

 

Lino Skyline 😛

Sonnenuntergang mit Panorama-Meer-Horizont

Bevor wir die Reise angetreten hatten, war mir kurz vor borden noch RICHTIG übel geworden, sodass ich einen heftigen Schweissausbruch und Durchfall bekam… Wie auch immer, auf dem Schiff mussten wir mit dem Wasser sparsam umgehen und so freute ich mich über eine entschweissende Naturdusche nach gruusigen zwei Tagen 😀 Ich rannte in den peitschenden Regen wie ein Kind, kicherte und schrie herum, jubelte und hüpfte so gut es ging auf dem wackligen Katamaran herum. Dann juckte ich wieder zurück in die Kabine, holte mein Shampoo und machte mich an die Arbeit 😉

Shampoo bereit!

"wooow ist das nass und toll!"

Captain Jack Lino?

Wasser von oben, Wasser von unten...

Wolkige San Blas Begrüssung

Kuna Yala MIT Hund! ^^

---

Neon-Fischli!!!

Meerlandschaft

Da wir nur zwei Gäste auf dem Boot waren, hatten wir das Kanu ganz für uns alleine. So durften wir den ganzen Tag mit dem Kanu durch die San Blas Inseln reisen, ganz allein auf dem grossen Meer. Ein Stück schwadderte ich hinter dem Kanu her und machte diese Fotos.

Kanuboden und Meerlandschaft

Jump on San Blas

Auf einer Insel parkten wir unser Kanu und schwadderten gemeinsam los. Es war abenteuerlich – ich denke um so mehr, weil wir beide Meer-lose Schweizer waren und uns das Meer beängstigte und zugleich imponierte…

JA ich war FAST-nacktschwimmen 😀

Begegnung mit Unikum

Lino unter Wasser

Leuchtblau- und Streifenfisch = meine Fachkenntnisse ;-P

Tatsächlich bekamen wir einen Hai zu sehen! Zu diesem Zeitpunkt waren wir uns da aber noch nicht so sicher, weshalb wir noch zu ihm HINSCHWAMMEN um gute Fotos von dem „grossen Fisch“ zu machen… WOW ^^

Hai-Baby!

Beweisfoto: Lino mit Hai-Baby

nochmal Hai-Baby

Languste = baldiges Nachtessen 🙁

 

Schwester des Captain mit Kuna Yala Verkäuferin

Die Kuna Yala die auf unseren Katamaran kamen, um ihre Kunstwerke zu verkaufen fand ich überraschenderweise ziemlich unsymphatisch! Sie verlangten horrende Preise und liessen sich von unserem Captain bedienen wie Könige. Am Ende nahmen sie noch Früchte aus dem Früchtekorb mit… Mir erschienen sie geiziger als jede andere Kultur, die ich bisher kennengelernt hatte. Aber nun denn, es war nur ein sehr kurzer Eindruck den ich bekam.

...inspiriert von Feli 😉

Yasmina (Papier von Wasser zerstört)

"Arbeitsplatz" im Katamaran 😛

Seestern

Model Matrose Luis 🙂

Linoblick 😀

Languste-Znacht 🙁 würg

Ich probierte die Languste, am Anfang überzeugt, sie müsse herrlich schmecken, denn ALLE schwärmen immer so vom Langustenfleisch. Aber ich fands nicht gerade toll, würgte ein kleines Stück herunter und schaufelte den Rest auf Lino’s Teller.

Luis mit meinem Billigwein ^^

San Blas Hauptinsel mit Migration 😀

Katamaran Santana Mast

Meine San Blas Erfahrung hätte meiner Ansicht nach nicht besser sein können! Ich hatte Delphine zu Gesicht bekommen, wieder einmal schnorchelnd einem Hai begegnet. Wir hatten ein Luxusschiff mit Luxusküche zu einem super Preis erwischt. Ich wurde zwar ein wenig seekrank aber die Inseln machten das mit Nichten wieder gut! Ich fühlte mich auf dem Meer sprituell erleuchtet – oder sowas in der Art, genoss, nicht auf einem überlaufenen Ami-Partyboot zu sein sondern Stille und weites wildes tiefes Meerwasser um mich zu haben. Mit Lino hatte ich so tiefgründigen Spass wie ich es wohl kaum mit einem anderen Menschen hätte haben können. Diese Katamaranreise wird in meinem Gedächtnis lauter zauberhafte, fröhliche und übermutige Momente ausmalen. Besser hätte es nicht sein können!