Brazil upstream ;)

7 05 2012

Die Fahrt aus Brasilien heraus war ein kleines Abenteuer für sich: die Landschaft hielt meinen Blick (als die Sonne aufging) für bestimmt eine volle Stunde gefangen. Weite Wiesen, halb Sumpf und ab und zu ganze Palmenhaine. Das weisse Sonnenlicht liess bloss ihre majestätischen Silhouetten erkennen und die Wasseransammlungen glitzerten einem wunderschön in die Augen.

Irgendwo gab es mitten in der Nacht einen Stop, die blendenden Lichter zerstörten die wohlige Dunkelheit in einem Sekundenbruchteil. Eine Horde Militärs tampelte die Treppe hoch und verlangte nach den Identitäten. Ich kramte als einzige keinen CPF (Brasilianische ID) aus der Tasche. Alles wurde mitgenommen und ich stellte mich schon auf ein sehr langes Warten ein, als ich nach etwa 10Minuten zwei Militärs zum Bus springen sah, der vordere hielt meinen leuchtend roten Pass in der Hand… Ich dachte schon: jetzt kommt’s, ich muss aus irgend einem Grund aussteigen und werde grosse Probleme mit dem ausreisen haben. Nichts da, mein Pass war bloss der oberste und ich war die einzige Person, der er den Pass ohne nach dem Namen zu rufen zurück gab 🙂

In Boa Vista trafen wir mit Verspätung ein, so hastete ich zum Ticketschalter, der als einziger Busse zur Grenze von Venezuela anbot. Ich wartete eine Ewigkeit bis ich an die Reihe kam. Da sagte mir die Frau, dass der Bus gerade jetzt abfahre, ich solle es mit Rennen noch versuchen. Das tat ich. Ich erkannte meine Busbegleiter wieder (die Angestellten die beim Buschauffeur sitzen, Tickets kontrollieren und Gepäck ein und ausladen). Sie liessen mich einsteigen und (nachdem sie mich auch wieder nach meinem Zivilstand gefragt hatten; ledig) liessen mich sogar einen Kaffee und Kuchen holen, damit ich nicht verhungerte 🙂 Als ich einsteigen wollte, scherzten sie, welchen von ihnen ich denn nun heiraten wolle xD Ach zur Information: ja, ich habe angefangen, Kaffee zu trinken. Schwarz und mit viel Zucker, ganz brasilianisch 😉

Nun, ich möchte diesen letzten Artikel über Brasilien dem Andenken widmen: Was waren meine schönsten Erinnerungen? Welche meine spannendsten oder schönsten Bekanntschaften? Welche Orte werden in Zukunft eine Skala für weitere Reisen darstellen? Was sind die schönsten Eigenarten dieses riesigen Landes?

Fangen wir von vorne an: mein Aufenthalt in Sao Paulo war durch die Freundlichkeit der Receptionisten gekennzeichnet, ich lernte diese grosse Millionenstadt für ihre simple und unschmucke Erscheinung zu schätzen. Ich lernte, dass Brasilien weitaus moderner und fortgeschrittener ist, als erwartet und dass die Leute ein einziger Multikulti sind. Die Menschen sind fast immer hilfsbereit sobald man es mit Portugiesisch angeht und es nicht gerade ums Einsteigen in Busse geht. Brasilianer haben eine merkwürdige Logik, eine Logik, die sich stark an Regeln klammert. Ich habe die Vermutung, dass dies geschichtliche Gründe hat: Brasilien hat sich in der Vergangenheit immer sprunghaft fortentwickelt und vielleicht hatten die vielen Regeln zum letzten Vorwärtsprung geholfen, die Regeln, welche jetzt die Entwicklung und das freie Denken merklich behinderten. Dennoch, ein bewundernswertes Land!

Assis, das genial einfache Leben von Marina! Ich danke ihr für diese kostbare Einfachheit, die sie mir gezeigt hat. Ich danke ihr auch für die geleistete Hilfe, sei es durch SMS-Information oder durch natürliche Heilkunde… Ich bin sehr dankbar, sie an meiner Seite gehabt zu haben und ich hoffe auf eine gemeinsame Reise, vielleicht durch Afrika? =)

Nova Friburgo: das Hi-Hostel und deren Eigentümer, das alte liebliche Ehepaar. Das tolle Essen jeden Tag, die erste Nacht auf der Couch und das darauf folgende Fruchtsalat-Frühstück… Dieser Platz wir in all meinen Brasilientipp der erste und herzlichste sein, es war ein Ort von atmosphärischer Liebe, Wärme und Geborgenheit.

Meine Begegnung mit Valerie, der Deutschen, die ich in Ouro Preto kennengelernt hatte. Für mich war es seit langem wieder mal ein Gefühl von Freundschaft, das ich wahrnahm. Unsere Wellenlängen stimmten wohl überein 🙂

Der aufbrausende Argentinier, der mir ein Bild von meinem Ich vor einigen Jahren lieferte und mich lehrte, was es hiess, mich selbst zu ertragen… Zudem war er ein Mensch, der mich auf Händen trug, der sehr vieles für mich tat und getan hätte. Ich konnte ihm so viel Zuneigung schenken wie ich wollte und er mir, und es fühlte sich richtig an!

Dann war da noch die Bekanntschaft mit dem 72jährigen Engländer, ein unglaublich spannender Mensch, lange bereichernde Gespräche, vielleicht eine Persönlichkeit, die meine zukünftige Widerspiegelt, und definitiv eine, welche ich bewundere! Ich gedenke ihn eines Tages  in England zu besuchen.

Stella Maris mit David, ein Ort wo ich das Leben in Bahia kennelernte, ein Ort an dem ich mich sehr wohl gefühlt hatte, David ein wunderbarer Gastgeber und eine liebe Seele. Daneben natürlich das Essen, eigentlich in ganz Brasilien (ich vermisse schon die obligatorische Feijao bei jedem Gericht), aber Salvador hatte natürlich den Toptitel mit seinen Acarajes und Moquecas de Camarao 😉

Jericoacara mit seiner umwerfenden Landschaft aus Dünen, Lagunen, und Stränden. Mein erstes Reitpferd in Brasilien, Coca Cola genannt, das mir zeigte, dass es immer ohne Gewalt ging, auch wenn sein ganzes Leben vermutlich aus Gewalt und Überarbeitung bestand… Ich hätte Coca Cola am liebsten gekauft um dieses gute Tier aus diesen rauen klauen zu befreien, aber auf meinem Reiseplan stand der Amazonas und man kann nicht jedem und allem helfen… Aber auch Coca Cola wird einen Platz in meinem Herzen behalten, für immer.

Belem, meine Kinostadt, vielleicht sogar meine Lieblingsstadt in Brasilien mit all den rauen Märkten und den vielen Essensmöglichkeiten. Das günstige Hostel mit der top Receptionistin (Hostel Amazonas).

Alter do Chao als Oase der Ruhe und mentalen Komplettentspannung. Dazu noch die „schicksalhafte“ Begegnung mit dem spanischen Uruguay-Veterinär…

…Und zu guter Letzt natürlich Anna, die mich oft scharf kritisierte. Auch wenn meist nicht konstruktiv und nicht umbedingt wahrheitsgetreu, regten mich ihre kleinen Ausbrüche immer zu ausführlicher Selbstreflexion an. Sie ist eine zum Teil sehr weise Frau, ich habe bestimmt so einiges von ihr gelernt und auf den Weg mitgenommen. Sie hat eine bewundernswerte Karriere (von Wissensschafts-Bacholer zu Public-Health-Master und einer einjährigen Arbeitszeit in der Mongolei) und hat ein – wie ich glaube – fast schon unheimlich REINES Herz (considering ihr Alter). Sie ist zudem in einer perfekten körperlichen Verfassung, wohl ist kein Gramm Fett an ihr zu finden und sie ist 1000mal fitter als das 19jährige Grossmütterchen namens Celinchen… Anna wird mit ihrem analystischen Denken und ihrem starken Herzen bestimmt Grosses erreichen, daran habe ich keine Zweifel.

Brasilien nennt Stracciatella nicht Stracciatella sondern Flocos, Brasilien nennt Hot Dog Hotschidodschi und hat auch sonst fast alles neu benennt. Brasilien ist ein ganz eigenes Land, Rio de Janeiro als Wahrzeichen ist jedoch niemals alles, was es zu bieten hat. Für fast jeden Geschmack lässt sich etwas Tolles finden. Brasilien ist gross, es ist das grösste Land in dem ich je war (damit meine ich nicht die Fläche, sondern viel mehr die Vielfältigkeit, sei es der Landschaft, der Menschen, und so weiter). Brasilien ist super geeignet zum reisen, es ist einfach mit ÖV zu bewältigen, es ist relativ sauber, kann auch europäischen Komfort bieten und man ist bestimmt nie alleine 😉

Und so geht meine Reise weiter nach Venezuela 🙂



Manaus – die Amazonasstadt

7 05 2012

Manaus, eine Stadt mitten im Amazonas, die den Titel Stadt mit Würde trägt. Der Hafen und der Flughafen sind die einzigen Zugänge weit und breit. Die Menschen sind ganz eigen, Beispiele dafür: eines Tages verbrachte ich viel Zeit in einer Drogerie, um meine Bestände an Hygienemitteln aufzustocken. Ein Mann hatte schon ne ganze Weile seinen Blick auf mich geheftet. Als ich fast schon fluchtartig das Geschäft verliess, hielt er mir die Tür auf und fragte mich gerade heraus: „Wie heisst du? Woher bist du? Bist du verheiratet?“ Als ich auf die letzte Frage mit nein antwortete: „Wollen wir uns kennelernen? Ich kann dich zum Mittagessen einladen..?“ Madremia! Das war eine beängstigende Begegnung, gleich an meinem ersten Tag in der Amazonasstadt… Zweimal geschah Folgendes: „Darf ich eine Banane/Maracuja haben?“ Gegenfrage des Verkäufers: „Ein Kilo?“ – „Nein, nur ein Stück, bitte.“ Stutzen seiten des Verkäufers, dann ein ausbrechendes Lachen und die Antwort: „Kannst du gratis haben, da nimm!“ Natürlich habe ich jedes mal trotzdem ein Münzstück in die Hand gedrückt, dennoch fand ich das äusserst aussergewöhnlich: einem reichen Touristen Produkte zu VERSCHENKEN… Ein weiterer Gag in Manaus: Anna trat ins Zimmer und meinte mit breitem Grinsen: „Hey Celine, Fabricio is also here!“ … Fabricio reiste dann allerdings noch in derselben Nacht direkt nach Boa Vista, von wo er ohne Halt nach Venezuela fahren wollte. Desweiteren wollte ich einst bei einem Stand etwas bestellen, ich fragte was sie anbieten, die Antwort „Otschidodschi“ verwirrte mich zutiefst! Irgendwann übersetzte sie es in Englisch und ich verstand: Hot Dog. Ein ander Mal wunderte ich mich gerade darüber, dass ich in Manaus zum ersten Mal so richtig als Tourist aufzufallen schien, als mich Männer tortz komplett schmuddeliger Erscheinung und laut trompetendem schneuzen (Geräusche von riesen Rotzklumpen) anpfiffen… Es war also des Öfteren eine doch recht lustige Begegnung mit der Stadt 🙂

Ich verbrachte sehr sehr viel Zeit im Internetcafe um meinen Blog auf Vordermann zu bringen, dazu schwitzte ich insgesamt 4Stunden im Fitness, irrte in der Gegend herum um was auch immer zu finden, oder war am essen. Am Samstag Abend wollte Anna umbedingt in die Oper, ich wollte sie bei günstigem Preis begleiten (noch nie war ich in einer Oper gewesen, zudem war das hiesige Teatro Amazonas ein sehr berühmtes architektonisches Wunderwerk). Dort angekommen versuchten wir an die günstigen Tickets zu kommen, aber es gab nur noch welche, die für meinen Geschmack zu teuer waren – und Anna wollte nicht alleine gehen. Als wir schon drauf und dran waren, etwas niedergeschlagen weg zu watscheln, tauchte eine Frau in der Eingangstür auf und zischte uns zu. Sie erklärte, dass ihr Mann hier arbeite und dass sie daher einige Gratistickets zu verschenken hätte. Ganz offensichtlich wollte irgendetwas, dass wir heute gemeinsam in diese Oper gingen. Es war eine gute Erfahrung, allerdings hält sich meine Faszination für diese Art von Gesang und Schauspiel in Grenzen… Ich bevorzuge Tanja’s Musical mit Abstand 🙂 Mitunter ein Grund weshalb ich dem aufgetragene Stück mit Misstrauen begegnete, war, dass es – um es auf den Punkt zu bringen – eine Art nicht-nackiger Porno für reiches und pickiertes Publikum war. Ja, ganz recht! In jeder Szene bestand mindestens 40% aus Gestöhne, gespielt leidenschaftlichen Küssen oder sonstigen flirtischen Akten… Ich hoffe, dass nur dieses spezifische Stück namens Lulu so geschmacklos pervers und substanzlos ist…

Weitere Ereignisse während meines langen Aufenthalts in Manaus: ich lernte einen Kerl aus Israel kennen, der sowas von den selben Humor hatte wie ich. Wir scherzten in – kein Witz – jedem Satz, den wir austauschten – rau, dunkel, sarkastisch. Wir verstanden uns auf Anhieb unheimlich gut! Leider habe ich das Papier mit seinem Namen und seinen Kontaktdaten bei einem heftigen Regen verloren. Was auch meine Zeit in Anspruch nahm war das viele Eis-Essen und die Recherchen über Uruguay (bezüglich Klima, Universität, oberflächliche Landeszahlen). Ausserdem belauschte ich einst ein Gespräch einer Gruppe von Holländern mit einem Receptionisten des Hi-Hostels in dem ich war: der Receptionist war noch NIE in seinem ganzen Leben ausserhalb des States Amazonas gewesen. Er erzählte aber stolz von seiner einstigen Reise mit dem Schiff zum Nachbarort Santarem und dass er immerhin eine Stunde ausserhalb des Zentrums der Stadt wohne… Wow, erstens hätte ich das nie im Leben von einem arbeitenden Städter vermutet, zweitens schockte mich das irgendwie emotional: man vergleiche ihn mit mir…

Der Grund übrigens weshalb ich so lange in Manaus verbrachte: ich hatte Probleme mit all meinen Banken: meine Kreditkarte war ja schon ganz am Anfang meiner Reise in Brasilien ohne jeglichen Grund gesperrt worden. Um sie wieder entsperren zu lassen, musste man bezahlen, und das, bevor man den neuen Cod zugeschickt bekommen würde. Das wiederum musste natürlich Tanja (meine Geldsekretärin) für mich erledigen, und die hat natürlich ihr eigenes Leben so ganz nebenbei zu führen… Also war nur schon das ein Ghetto. Dann funktionierte meine bisher tüchtige Mastercard auch nicht mehr, der Kontostand war im Eimer. Also wies ich Tanja an, mir Geld vom anderen Konto auf dieses zu überweisen. Allerdings hatte sie von dem anderen Konto kein I-Banking, was die Sache weiter verkomplizierte und zeitlich verlängerte. Auch der Post (bei der das andere Konto sitzt) rief ich mit Skype an, um mich nach dem dortigen Versagen zu erkundigen. Die hilfsbereite Frau am Telefon meinte, es sollte eigentlich funktionieren, wenn ich meinen PIN noch wisse. Ich war mir sicher, dass ich mich mittlerweilen wieder an diesen erinnerte, aber kein brasilianischer oder amerikanischer oder spanischer Bankomat wollte auf Postkartens Geheiss Geld ausspucken. So sass ich also mit meinen letzten 200Reais (100CHF) in Manaus fest. Der Punkt, weshalb ich nicht einfach weiterzog, war folgender: in meinem brandneuen Venezuela-Reiseführer (Auflage 2011) hiess es, die Banken und Bankomaten in Venezuela seine sozusagen zu nichts zu gebrauchen. Wie sich später herausstellte, lag mein Reiseführer vollkommen richtig und mein langes nervenauftreibendes Warten hatte sich gelohnt. Die Erklärung in meinem Guide lautete so: „Die Banken tauschen nicht, nur in dem für einen Urlauber doch eher unwahrscheinlichen Fall, in Venezuela ein Konto zu haben. Man kann es an den Bankschaltern aber mit der Kreditkarte und dem Reisepass versuchen – die Bearbeitungsgebühren sind allerdings horrend und die Wartezeiten meist sehr lang.“ Das alleine tönt ja an sich nicht schrecklich, aber ich hatte auch schon vom Gemurmel über die varierenden Wechselkurse gehört. Später informierte mich Fabricio per Facebook, dass der offizielle Wechselkurs eine komplette Verarschung war und ich umbedingt den inoffiziellen Weg nehmen sollte! Es handelte sich um die Differenz von 100%, soll heissen, der inoffizielle Wechsel war doppelt so hoch wie der offizielle!!!

So, nun aber zurück in die Gegenwart – Manaus. Wie man sich vorstellen kann war ich ziemlich aufgepeitscht durch die ganzen Bankangelegenheiten, und als ich dann am letzten Tag vor meiner Abreise auch noch meinen Schlossschlüssel verlor, und bei meinem Fitnessaufenthalt (da extra bereitgelegte Socken vergessen, barfuss joggend) noch weitere Blatern (unten an meinen Zehen) zusätzlich zu den blutigen, die ich zuvor von meinen neu erstandenen Highheels (zum ersten mal seit über 3 Monaten Absatzschuhe) bekommen hatte, bekam, war es mit meiner in Schach-gehaltenen Persönlichkeit aus und vorbei. Ich schnaubte nur noch wild durch die Gegend und ärgerte mich gründlich. Zu meinem Glück hatte ich mir im Internetcafe Freunde gemacht: der Besitzer liess mich zum Beispiel gratis mit meinen Banken telefonieren (was mindestens ein paar Stunden dauerte), solche Liebheiten wahrte mich vor dem kompletten Austicken. Und dann begann ich auch eine Konversation mit meiner Zimmergenossin (eine unauffällige Brasilianerin aus einem kleinen Ort Mitten im Amazonas). Wir entdeckten, dass wir sehr viele gemeinsame Interessen und sehr ähnliche „geschichtliche“ Ereignisse hatten, und so verbrachten wir die folgenden zwei Nächte und Tage fast ganzzeitlich gemeinsam: wir redeten, wir schauten Serien oder neu rausgekommene Filme, gingen in Restaurants oder ich lehrte sie zu kochen. Sie rettete meine Tage durch ihre blosse Anwesenheit 🙂 Ilana ist ihr Name (den ich übrigens wunderschön find!).

Anna kam kurz vor meiner Abreise zurück von ihrer teuren Amazonastour (welche sich ziemlich enttäuschend anhörte). Sie begleitete mich zur Busstation, wo ich einen Bus zum Rodoviaria nehmen sollte. Es war eine ziemlich komische Szene: genau die Dinge, die ich an Brasilien nicht schätzte, wiederholten sich alle noch vor meiner Abreise: die Busstation schien unauffindbar, bzw. wusste niemand so recht, WELCHE Busstation es nun sein sollte. Auch bei der Busnummer behauptete jeder strickt etwas anderes. Mit meinem Gepäck passte ich wieder einmal nicht durch die Drehtür des Buses und ich fand am Rodoviaria alle schlauen Essensstände geschlossen vor, Feierabend. Auch die Verabschiedung von Anna war irgendwie komisch: ich hatte mich sehr gewundert, dass sie mich begleiten wollte. Sie schenkte mir auch noch ein eher teures Paar von Ohrringen (ich hatte ihr schon vor ihrem Amazonastripp eine neue Tasche und ein dazupassendes Schmuckset zusammengestellt und geschenkt). Irgendwie denke ich, wir waren dem Gegenüber gleichsam müde, wir waren uns gegenseitig auf die Nerven gegangen und waren nun froh, dass sich unsere Wege trennten. Dennoch – hier kann ich nur für mich sprechen – hatte ich ihre spannenden und bewundernswerten Seiten sehr geschätzt, hatte ihre Gegenwart insgesamt genossen. Und irgendwo hoffte ich, sie eines Tages wieder zu sehen, vielleicht wenn ich etwas älter war und sie etwas zufriedener mit ihrem Leben. Vielleicht eine gemeinsame Reise 🙂 Bye Anna! Bye Brazil!