Back in Cartagena

15 06 2012

In Cartagena schnitt ich dem Engländer – dessen Namen mir mittlerweilen wieder eingefallen ist: Rob – die Haare. Er hatte schwieriges Haar, aber ich siegte über den Wucher und wieder eine gute Frisur winkte aus dem Spiegel. Er lud mich dafür auf einen teuren Maracuja-Saft ein und erliess mir meinen Schuldenbetrag von 4CHF, das war doch schon mal ein Anfang, nicht? 😉 Die meiste Zeit verbrachte ich mit Schiffsuche und gleich am ersten Tag dieser Aktivität, lernte ich einen Franzosen kennen, eine weitere interessante Geschichte. Ich lud ihn ein, mit uns essen zu kommen, denn wie wir erfuhren schlief er auf der Strasse und hatte somit keine Küche zur Verfügung. Er reiste hitchhikend durch die Gegend, schon einige Länder in Südamerika hatte er nun so bereist. Er lebte die absolute Höchstform von Sparreisen aus, suchte ewig nach den günstigsten Hostels, reiste fast nur per Autostopp, schlief ab und an auch unter Brücken, ass nur das Allernötigste. Ich bewunderte ihn für seinen starken Willen, denn den brauchte man definitiv in grossem Masse, wenn man das durchziehen wollte. Um nun von Columbien auf Panama zu kommen, suchte er nicht etwa ein günstiges Boot wie ich, sondern Arbeit auf einem Boot! Keine schlechte Idee, aber nur für die Suche plante er schon 3 Wochen ein… Ein Opfer, das ich vermutlich nur sehr ungerne bringen würde. Beim Abendessen hatten wir dann auch eine äusserst hitzige Diskussion, wobei es ums Thema Angst ging. Wir hatten zwei sehr verschiedene Ansichten, später kam es auch zu Missverständnissen, als wir uns immer tiefer in Details verstrickten. Am Ende philosophierten wir noch lautstark über Gefahr und kamen schlussendlich damit überein, dass wir einfach nicht übereinkommen würden 🙂 Aber es war ein schöner und spannender und intellektvoller Abend. Da der Franzose sogar schon als Koch – nebst tausend anderen Sachen – gearbeitet hatte, half er mir tüchtig in der Küche; ehrlichgesagt machte er praktisch die ganze Arbeit und ich zauberte bloss die Salatsauce und öffnete eine Dose Tunfisch. Das stand ganz im Gegensatz zu Rob – dem Engländer – der sich als typischer „Mann“ herausstellte, ein verwöhntes Mamasöhnchen, das aus Gewohnheit keinen Finger von selbst rührt. Da ich von dieser Sache ja schon genug mit Fabricio bekommen hatte, machte mich das sehr schnell gereizt und ich giftelte wie ein kleiner Zwerg herum. Aber was soll’s, insgesamt hatte ich auch mit Rob eine gute Zeit. Wir gingen zum Beispiel zusammen an den Strand, wo er von schwarzen Verkäufern mächtig veräppelt wurde: Sie gaben ihm Krabbe zum probieren, und boten ihm immer mehr zum probieren an, bis sie am Ende plötzlich 5CHF forderten. Zudem konnte ich endlich jemanden (ihn) fragen, was denn mit meinem Knie los sei, denn es war ja immer noch geschwollen und tat ab und zu weh. Er hatte sowas wie Sportmedizin studiert und diagnostizierte nach Betasten: ausgelaufene Gelenkflüssigkeit könne es sein.Viel mehr gibt es zu Cartagena nicht zu sagen, ich fand doch ziemlich schnell ein Schiff. Genauer: ein riesen Katamaran mit deutschem Captain und columbianischem Matrose. Dazu war noch seine Schwester (auf Besuch aus Deutschland) mit an Bord und in letzter Sekunde kam noch ein Schweizer hinzu (Lino). Der luxuriöse Katamaran bot allerdings für ganze 16 Gäste Platz, und wir waren gerade mal drei… Also genau das, was ich brauchte – etwas Ruhe, ungestörte Natur (Meer ohne Partygebrüll).



Medellín, Ice und Billiard

13 06 2012

Mitten in der Nacht wurden wir aufgeweckt und mussten den Bus wechseln, um dann die letzten paar Stunden eng aneinander gequätscht weiter zu „schlafen“. Am Terminal von Medellín angekommen lernte ich durch Eigeninitiative zwei Argentinierinnen kennen, die ich später als doch sehr unsympathisch abstempelte. Mit ihnen nahm ich ein Taxi in die City, wobei sie mir zu wenig Geld fürs Taxi in die Hand drückten und ich so naiv war, es nicht zu kontrollieren. Das Hostel öffnete dann für längere Zeit nicht, weil der Nachtportier auf einem Sofa eingenickt war. Aber am Ende durfte ich eintreten und sogar in einer Hängematte schlafen, bis ich das Checkin machen konnte. Als ich auf die Terrasse mit den Hängematten hinaustrat, begrüsste mich in aller Stärke ein Grasgeruch… Das haute mich fast um und ich vermerkte in meinem Kopf, dass der erste Eindruck des Hostels Party und Drogen hiess… Der zweite Vermerk war nicht besser: einer der auch in einer Hängematte geschlafen hatte (allerdings offensichtlich unbeabsichtigt) wachte auf und fing an zu husten was das Zeug hält! Er erbrach sie fast vor lauter Husten und das Beste war, dass als er in sein Zimmer stürmte, ihn dort eine weitere hustende Person begrüsste, die dann sogar aufs Klo rannte, um zu erbrechen! Am Ende machte ich aber doch noch eine gute Hängemattenbekanntschaft: ein Argentinier (wenn ich mich recht erinnere 35), hatte Psychologie studiert, in psychiatrischen Anstalten für Verbrecher gearbeitet, bis es ihm ausgehängt hat und er nach Brasilien auswanderte. Dort hatte er 2 Jahre als Fischer gearbeitet, bis er genug Geld zusammen gehabt hatte, um eine Monatsmiete für ein Hostel zu bezahlen. Der erste Monat brachte ihm so viel Geld ein, dass er das Hostel für weitere 5 Jahre führte. Er wurde einigermassen reich, kaufte sich Land und Haus und Wohnung in Argentinien und überlegte nun, wieder weiter zu reisen und das Hostel dem Eigentümer zu überlassen. Eine spannende Geschichte. Wir hatten intensive Gespräche, auch über Themen wie die heutige Gesellschaft und wie oft Psychologen in den Einsatz kommen… Und natürlich fragte ich auch ihn über die Probleme aus, die bei der Arbeit im Hostel auftauchten.

Nach dem Checkin kochte ich mir zuerst mal eine Suppe, bevor ich dann erschöpft ein paar Stunden vor mich hin döste. Danach lernte ich eine Columbianerin kennen, die ebenfalls eine spannende Geschichte bot, wenn auch ein bisschen naiv: Sie war 19, genau wie ich, und reiste schon seit 2 Jahren in Columbien herum, mit längeren Unterbrüchen, bei denen sie ihre Familie besuchte. Sie suchte überall in Columbien Arbeit und finanzierte so ihre Reise. Und mit Volunteering bekam sie die Unterkunft frei. Ihr Traum war folgender: sie wollte nach Indien und dort eine selbstragende Hilforganisation für arbeitende Frauen mit deren Kindern zu machen. Sie hatte seit einigen wenigen Monaten einen Schwedischen Freund, den sie allerdings kaum sah, und dessen Freunde angeblich ihr Projekt finanziell unterstützen wollte. Sie sprach kein Wort Englisch, hatte keinen Cent für den Flug und schien sich auch sonst noch nie tiefer mit dem Thema Hilfsorganisation beschäftigt zu haben. Aber trotzdem eine sehr liebe und nicht dumme Persönlichkeit. Sie hiess übrigens Leidy. Dazu lernte ich noch zwei Freunde kennen: Ice (ein – wie ich erst viel später begriff – Holländer) und ein Engländer, dessen Namen mir im Moment nicht einfällt. Mit dem Engländer reiste ich dann später auch noch weiter. Auf jeden Fall waren auch diese beiden ein bisschen speziell und hatten Geschichten: Ice (dessen Name ja schon eine Geschichte wert ist), hatte Krankenschwester gelernt, hatte dann aber in einer Irrenanstalt eine Stelle gefunden. Er meinte, dass er seither beim Reisen doch etwas mehr Respekt habe, da diese Leute, die er getroffen hatten, nicht töteten, weil sie böse waren, sondern schlicht und einfach, weil sie unter irgendwelchen Drogen standen. Der Engländer erzählte uns leise, dass sein Vater gerade vor seiner Abreise gestorben war. Und dass er trotzdem losgezogen sei, weil er seinen Alkoholiker-Vater eigentlich kaum kenne. Spannend, spannend…

Der Engländer und Ice unterrichteten mich am Abend noch am Billiardtisch, wobei ich die meiste Zeit eine absolute Witzfigur darstellte, aber Spass hat’s trotzdem gemacht. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, würde ich gerne weiterlernen 🙂 Am nächsten Tag wollten Ice, der Engländer und ich noch einen Wasserpark aufsuchen. Wir waren schon fast dort, als wir herausfanden, dass er jeweils Montags geschlossen war. So kehrten wir nach langem Überlegen und grosser Enttäuschung seitens des Engländers wieder um und verbrachten den Rest des Tages langweilig im Hostel. Ich und der Engländer nahmen in der selben Nacht noch den Bus nach Cartagena. Die Fahrt war komplett überteuert und der Bus kühlte auf ca. 15 eisige Grad herunter. Wir konnten beide kaum schlafen und schlotterten uns den A*** ab.



Back in Colombia

13 06 2012

Ich verliess Ecuador mit dem Gefühl, ein Heim zu verlassen – aber mit der Sicherheit, dass ich eines Tages zurückkehren würde 🙂

Die Busfahrt war lange und erst in Cali entschied ich mich, dass ich direkt weiter bis nach Salento fahren würde. An der Grenze von Ecuador hatte ich einen Columbianer kennen gelernt und der ging ebenfalls direkt bis nach Armenia (selbe Richtung). Und so wartete er ständig auf mich – ich die mit meinem riesen Gepäckbündel ewig lang rumhantierte. Und als wir am Morgen in Cali ankamen, wollte ich natürlich umbedingt noch frühstücken, bevor wir weiter nach Armeni fuhren. So setzte er sich zu mir, und schaute mir beim Essen zu 😀 Im kleinen Bus setzte ich mich dann nach vorne, damit ich bei wachem Zustand die Gegend beglubschen konnte. Die erste Stunde war ich wach und bewunderte die Umgebung von Cali. Wir fuhren Richtung Zona Cafetera und die Landschaft war herrlich: ewige Weiten von grünem Gras und Schilf, ab und zu Ansammlungen von niedrigen Baumkronen und am Horizont tronten Bergketten. Wie wichtig mir doch Landschaften sind. Wie wichtig die Sonne, das Klima… Auf jeden Fall schlief ich dann doch bald ein, die Brise Haar streichelte mich in den Schlaf. Als ich wieder aufwachte tippte mir der Junge auf die Schulter und schenkte mir ein glibbriges Essen: Gelatine, Gummibärli, wie auch immer. Er erklärte, dass sie hier in den Dörfern selbst Gelatine herstellten. Und so sah das aus: aussenrum lächelte einem eine feine Schicht Puderzucker an, aber wenn man rein biss entdeckte man die gummig-schlabbrige Masse, die wie ein ungebackener bräunlicher Teig aussah. Ich erklärte, dass es mir zu süss sei und dass er doch den Rest nehmen sollte, danach würgte ich mein Stückchen herunter und versuchte mich ab und zu wieder an einem Lächeln…^^

In Armenia verabschiedeten wir uns, ich nahm einen kleinen Bus nach Salento. Dort angekommen setzte ich mich gleich als erstes ins Internetcafe, denn ich hatte ganz vergessen, mir ein Hostel herauszusuchen. Aber diesmal versagte Hostelworld gründlich. Und so ging ich entmutigt aus dem Internetcafe, nachdem ich dem Besitzer das WC gründlich verstunken hatte. Aber ich fand gleich zwei Blocks von der Plaza entfernt ein sehr sympathisches Hostel: Tralala. Salento hatte ich mir als einen superüberfüllten Touristenort vorgestellt, allerdings erschien es mir zu Anfang doch eher sehr ruhig und leer. Im Hostel zog ich mich dann am ersten Tag auch völlig zurück, tat so, als könnte ich nur Spanisch sprechen, damit mich jah keine Touristen ansprachen. Am nächsten Tag lernte ich dann aber eine Deutsch und drei Kanadier kennen, mit denen ich dann mehr oder weniger meine restlichen Tage in Salento verbrachte. Mit der Deutschen verstand ich mich äusserst gut, auch wenn ab und an das in meiner Sicht „typisch deutsche“ hervorkam, Züge, die ich grob gesagt verabscheue. Aber das war absolut oke, denn insgesamt war sie eine tolle Person. Naïma – so hiess sie – fragte mich irgendwann, ob ich zufällig Haare schneiden könne. Natürlich, war so ungefähr meine Antwort. Sie fand mich anscheinden absolut vertrauenswürdig und liess mich bald an die Arbeit gehen. Stolz entliess ich sie nach meinem ersten LANGhaar-Schnitt vor den Spiegel. Es hatte sich einiges schwieriger herausgestellt, als erwartet, und langsam verstand ich, warum so viele Coiffeurs „schludderten“; es brauchte ziemlich viel Geduld, lange Haare gleichmässig zu schneiden. Dazu musste man noch x-mal korrigieren, damit sie entweder auf beiden Seiten gleich lang waren, nach oben hin stimmten, nach vorne schön aussahen und bei trockenem Zustand schön fielen… Als sie vom Spiegel zurückkam meinte sie: also so gut hätte sie das überhaupt nicht verlangt! Da kam die Idee auf (bei einem späteren gemeinsamen Gespräch über Geld), dass ich auf meiner zukünftigen Reise Haareschneiden „verkaufen“ könnte, um mein Budget zu retten… Das Witzige an ihr war, dass sie am Schluss noch ihre „langen Fransen“ selbst schneiden wollte und den Haarschnitt total verhunzte! Sie schrie auf einmal aus der Toilette heraus und kam rausgerannt: „Ich hab viel zu kurz abgeschnitten, ich hab gar nicht nachgedacht und einfach reingeschnitten!“ Sie regte sich noch einige Minuten über sich selbst auf und meinte, sie hätte es mich tun lassen sollen, aber bald schon fand sie sich auf eine coole Weise damit ab 🙂 Ab da kochten wir immer zusammen und hockten oft für lange Frauengespräche zusammen in die Hängematten.

Die Kanadier waren insgesamt weniger spannend, kamen mir nicht besonders schlau im Köpfchen vor, nur der einte weckte mein Interesse: er war ursprünglich Chinese, sprach auch Chinesisch, war aber in Kanada aufgewachsen. Er war relativ gross und ziemlich muskelbepackt. Er beschränkte sein Essen auf eine Diät möglichst ohne Kohlenhydrate und hyperviel Gemüse. Den Fettmangel ersetzte er durch Nüsse und den Zucker durch Früchte. Ich fand das eine ziemlich gute Idee und beschloss, mich bei der nächsten Langeweile-Gelegenheit genauer über Ernährungspyramiden, Vitamine und Mineralstoffe zu informieren. Tatsächlich tat ich das dann auch schon vor meiner nächsten langen Busfahrt.

Unternehmungen die ich von Salento aus unternahm: ich machte eine „Coffeetour“, das heisst ich wanderte mit Naïma und den drei Kanadier einenhalb Stunden zu einer abgelegenen ökologisch-betriebenen Kaffeefarm um dort für 2.50CHF eine Tour durch die Farm zu bekommen. Es war für mich ein absolutes Neugebiet, ich hatte ja keine Ahnung von Kaffee, weder von der Herstellung noch vom Trinken 😉 Ich lernte, dass Kaffee ein sehr spezifisches Klima benötigte, um prächtig gedeihen zu können, hinzu kam noch, dass er viel Schatten brauchte. Ich spielte Übersetzerin: Es gibt zwei Sorten die sie hier anpflanzen, aber am Ende mischt er die getrockneten Kaffeebohnen und verarbeitet sie gemeinsam. Eine Kaffeepflanze hat ca. acht Lebensjahre und erst nach 2 Jahren kann man das erste mal ernten. Danach soll sie alle 2 Jahre gestuzt werden, damit sie wieder Kaffeebohnen produziert. Nach acht Jahren muss man die Pflanze komplett ausrupfen und eine neue anpflanzen. (Ich hoffe ich nenne hier die richtigen Zahlen…) Wenn die Bohnen reif sind, sehen sie rot, bzw. gelb aus und sie müssen dann alle einzeln von Hand gepflückt werden. Danach werden sie durch eine Art Mühlmaschine gelassen, damit das Fruchtfleisch entfernt wird. Und schliesslich werden die Bohnen für ca. zwei Wochen zum Trocknen in die Sonne gelegt. Danach muss man sie nochmals schälen (es gibt eine härtere Schale um die Bohne herum), und dann gewaschen und wieder getrocknet, etc. Dieser Waschprozess muss 3 Mal wiederholt werden und erst dann kann man die Bohnen unter konstantem Umrühren rösten, ca. 1 Stunde lang. Am Ende werden die geröstete Bohnen dann noch gemahlen, und Fertig ist Kaffeepulver. Auf dieser Farm lief alles höchst ökologisch ab und er verkaufte seinen Kaffee ausschliesslich an Touristen. Ich war hoch erstaunt, dass er davon genug Profit machte… Aber noch zurück zum benötigten Schatten: Den Schatten stellte er durch Bananenbäume bereit, die überall zwischen den Kaffeeplantagen gepflanzt waren. So ein Bananenbaum hielt nur ein Jahr, bzw. gab nur ein einziges Mal Bananen, danach musste er gefällt werden und ein neuer Bananenbaum gepflanzt. Den abgeholzten Bananenbaum zerhackte er und liess ihn liegen, als „Dünger“ für die Erde. Die Bananen verkaufte er. Ich fand es ungeheuerlich, wie viel Arbeit im Kaffee steckte, und als ich fragte, wie viel er denn für ein Kilo Kaffee bekam, fiel mir glatt die Kinnlade herunter. Diese Kaffeefamilie arbeitete praktisch gratis! Danach spornte ich alle an, umbedingt ein Pack Kaffee von ihm zu kaufen, denn das sei eine einmalige Gelegenheit und natürlich wäre es auch ein super Geschenk…

Am Tag meiner nächtlichen Abreise, machte ich noch einen kurzen Ausflug ins Valle de Cocora, das mir alle als Mustsee empfohlen hatten. Ich hatte zwar überhaupt keine Lust, und meine Knie waren immer  noch etwas geschwollen und sehr anfällig auf Schmerzen, aber ich überwand mich schliesslich zu einer kleinen zweistündigen Wanderung. Ich lernte noch einen sympathischen Amerikaner kennen (er war 29 und frisch verheiratet). Wir hatten sehr interessante Gespräche, sowohl er als auch seine Frau arbeiteten für NGO’s und er besuchte in Columbien gerade seine Schwester, die gerade eine Yoga-Farm nähe Pereira aufbaute. Aber als er mich dann bei einem Wasserfall fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm eine ruhigere Stelle aufzusuchen, um nackt zu baden, dankte ich ab und verabschiedete mich. Ich wanderte das erklommene Stück schnellsten zurück, begegnete tausend Columbianern, die mich alle nach irgendeinem Haus fragten, bis es mir am Schluss den Nuggi verjagte und ich erzürnt meinte: ich hätte keine Ahnug, von WELCHEM Haus sie denn alle sprächen! Bei einigen geprenkelten wunderschönen Kühen fand ich dann wieder zur Ruhe und stand einfach dort, um sie zu betrachte. Kurz bevor ich nach Pereira abreiste (um von dort den Bus nach Medellín zu nehmen), tauchte der Amerikaner schnaufend auf und teilte mit, seine Kamera sei gestohlen worde. Tatsächlich hatte er die Kamera bei eben jenem Nacktschwumm ans Ufer gelegt, sie dann vergessen und als er zurückging ward sie verschwunden 😀 Ich fragte mich ob das wohl nur gerecht war…

Als ich noch etwas Zeit hatte, bevor ich zum Bus musste, fragte ich noch den Besitzer, einen Holländer, über sein Hostel aus. Im Unterschied zum Columbianer in San Gil: er antwortete auf meine Fragen schon fast aggressiv ud äusserte sich sehr negativ über: die Arbeit im Hostel (die sei so anstrengend und mache überhaupt keinen Spass), die Leute die versuchten, mit diesem Hostel zu arbeiten (so wie Touranbieter, die er als geldgierig bezeichnete und meinte, jeder Mensch denke nur noch an Geld und wolle keine Qualität mehr) und über meine Einstellung (er meinte ich sei absolut naiv, ein Hostel aufmachen zu wollen, es sei ja so hart und unschön, den Gedanken solle ich mir gleich aus dem Kopf schlagen). Ich war im ersten Moment doch etwas baff, fand aber gut, dass ich auch mal mit so einem negativen Menschen gesprochen hatte. Das war schliesslich auch eine Seite der Hostelwelt! Und so verliess ich nach Sonnenuntergang Naïma, das Holländerhostel und den Diätchinesen 🙂



Las Lajas – ein religiöser Ort

30 05 2012

Die Reise nach Ipiales war echt hart: erstens wurde ich vermehrt vor den Guerilla auf diesem Wegabschnitt gewarnt, desweiteren war der Weg meistens nicht asphaltiert und höchst löchrig. So wurde ich herumgeschüttelt wie noch nie und bekam kein Auge zu. Ach und das Bus-kriegen war auch noch ein Abenteuer: ich hatte eigentlich eine Reservation gemacht, allerdings fuhr dann dieser Bus einfach nicht, weil es nicht genug Leute gab. Man schickte mich also nach La Cruze, was irgendwo mitten im Nirgendwo lag, dort sollten anscheinden halbstündlich Busse nach Popayan passieren. Nichts da, ich wartete zwei Stunden und als es dunkel wurde, hatte ich keine Chance mehr, die Täfelchen mit den Zielangaben durch die Scheinwerfer hinweg zu lesen! Erst nach 2h kam mir eine Frau zu Hilfe und erklärte schliesslich, dass es 2 La Cruzes gab! Na toll! Und genau in dem Moment fuhr dann auch der richtige Bus an mir vorbei! Ich hatte logischerweise das Schild nicht lesen können und er hatte mich wohl glatt übersehen. Aber die nette Frau rief schnell ihren Sohn an, der am anderen La Cruze arbeitete, um den Bus für mich zu stoppen. Das tat er dann auch und ich wurde schleunigst auf ein Mototaxi verfrachtet (man bedenke: ich war diesmal mit all meinem Gepäck unterwegs!!!). In höchstem Tempo fuhr es mich durch die Nacht bis zum anderen La Cruze, wo der Bus tatsächlich auf mich wartete. Im Bus rief mich nach kurzer Zeit der Chauffeur zu sich nach vorne in die Kabine um zu fragen, ob ich wohl meine Papiere vergessen hätte! Ich fragte wieder und wieder um was für Papiere es sich denn handle, aber er kannte die Antwort nicht. Ich kontrollierte, ob ich alles hochwichtige bei mir hatte, es konnte also nicht von mir sein – Erleichterung. Nun denn, am Ende kam ich in Popayan an und hatte direkt Anschluss nach Ipiales. Ich hoffte auf eine schlafreiche Fahrt, denn ab hier war die Strasse ja wieder gut, aber in diesem Fall waren es die steilen und spitzen Bergkurven die einem keinen Schlaf liessen.

Trotzdem hatte ich in Ipiales schliesslich noch genug Kraft und Motivation, ein Collectivtaxi nach Las Lajas zu nehmen. Ein sagenumwobener Ort: ein kleines Tal, in dem anscheinend schon jenste Wunder geschehen waren. Da immer mehr religiöser Tourismus aufkam, hatte man insgesamt drei Kirchen erbaut, und die letzte war ein wahnsinns Werk: sie war in einem Tal über einem Fluss erbaut, wunderschön und majestätisch. Fotos können auch hier mehr sagen als Worte. Aber: dies ist definitiv einer der Orte, den man selbst besucht haben muss um das wahre Wesen dieses Ortes erfassen zu können! Ich war stumm, gerührt, eingeschüchtert, ruhig und friedlich. Vielleicht ein wahrhaftig heiliger Ort..?



San Agustín – Eco Resort – Parque Arqueologico

30 05 2012

Mein Guide empfahl San Agustín wegen dem archäologischen Park, der gleich 5 Minuten vom Dorf entfernt lag. Chris hatte mir den Ort empfohlen, weil es dort eine Frau gab, die ihr Resort verkaufen wollte – und er hatte es als äusserst grosses Potential und grossartig bezeichnet. So kam ich mit grossen Erwartungen und wieder einmal todmüde in diesem kleinen Ort an. Die 10 Minuten zu Fuss, die Hostelworld als Weg angab, waren schlussendlich über 20: es ging sehr steil einen unwegsamen Erdweg hinauf und dann noch mal etwa 10 Minuten einigermassen geradeaus. Als ich mich schon zu fragen begann, ob ich überhaupt den richtigen Weg eingeschlagen hatte, begegnete mir ein junger Mann, der sich als Besitzer des Resorts outete. Er war der Sohn der Frau, die das Resort errichtet hatte. Er führte mich zum Eingang und zeigte mir auf seine sympatische Weise alles, danach verschwand er und seine Mutter lud mich zum Mittagessen mit ein. Bei ihr sassen auch noch zwei Männer: einer davon dicklich, der andere mager und langhaarig. Wie sich herausstellte, waren alle diese Leute am Tisch etwas verrückt. Bestimmt nicht auf eine schlechte Art, aber doch verrückt genug, um mich etwas unbehaglich zu fühlen. Der magere zum Beispiel meinte, er sei selbst eine Katze und seine drei Katzen seien wohl besser als jede Frau (mit letzterem würde ich vielleicht übereinstimmen…). Die Besitzerin des Resorts führte ein hoch umweltfreundliches Leben und kochte wunderbar vegetarisch (das tönt ja alles ganz nett, aber trotzdem hatte sie bestimmt irgendwo ein paaaaar Schrauben locker…). Wie ich erst später herausfand war ihr Mann eines Tages verschwunden (es war offensichtlich, dass er von Guerillas gekidnappt oder getötet worden war (ein Schweizer) und einer ihrer Söhne hatte sich zu stark in die Politik hineingesteigert und wurde ebenfalls von den Guerillas getötet. So ein Schicksal ist nicht vorstellbar wenn man nicht selbst ähnliches erlebt hat… Auf jeden Fall nahm ich nach dem Essen eine „lauwarme“ (=kühle) Dusche hinter den Bambusstöckchen, danach ging ich ins Dorf, um Essbares einzukaufen und auf dem Rückweg begegnete mir der nächste Verrückte: ein Security bot mir an, mich auf seinem Moto mitzunehmen. Er meinte, mein Hotal liege auf seinem Weg, bevor er überhaupt wusste, wo ich einquartiert war. Schliesslich fuhr er mich hin (ich war müde und dankbar um dieses Angebot), meinte, wir sollte gemeinsam tanzen gehen und gab mir seine Handynummer. Zudem bot er mir an, mir als Guide die Mayaskulpturen zu zeigen. Ich bedankte mich und ging schlafen.

Am nächsten Tag hatte ich eigentlich eine Jeeptour geplant, diese fand aber mangels Touristen nicht statt, also buchte ich kurzfristig einen Ritt. Ich hätte den Ritt günstiger bekommen können, aber die Besitzerin des Resorts legte mir ans Herz, einen teureren Guide zu nehmen, der seinen Pferden besser Acht gab. Tatsächlich waren mein und sein Pferd top: gute Hufe, stark, fit, gut ernährt. Wir begegneten anderen kleinen Gruppen mit Pferden, wobei deren Pferde allesamt vollkommen abgemagert waren! Ich war heilfroh, hatte ich die 10Franken mehr investiert! Aber ein kleiner Einwurf: es machte mich wütend, diese abgemagerten Tiere zu sehen und keiner hat ein Recht, ein Tier gefangen zu halten, wenn er es nicht entsprechend versorgen kann. Aber einer dieser kaltherzigen Guides begegnete mir auf dem Weg und fing an, auf seiner Flöte zu spielen: es schien mir, als würde die Welt in einen Zauber fallen. Er spielte irgendwelchen urtümlichen Lieder, die sagenhaft zu den Mayaskulpturen und zum Landschaftsbild (tiefe Täler mit Flüssen durchzogen, Ackerlandschaft an steilen Berghängen). Ich dachte bei mir: jeder hat immer gute und schlechte Seiten, diesem Mann war wohl kein Tierherz geschenkt, allerdings ein Talent, die Welt mit seinem Flötenspiel zu verzaubern…

Am Ende des Rittes stieg ich beim archäologischen Park ab, indem man etwa innert 3 Stunden ein Museum und 4 Maya-Orte besuchen konnte. Wenn es jemanden interessiert, kann er im Wikipedia mehr darüber lesen. Mich langweilte der Park in höchstem Masse, gewiss auch daher, dass ich nicht genug Hintergrundwissen besass. Ich rannte praktisch durch den Park, schoss an jeder Ecke Fotos und floh dann wieder durch das Eingangstor. Dort traf ich tatsächlich auf den Security, der mich letzten Abend auf seinem Moto mitgenommen hatte. Wieder bot er mir einen „ride“ an, und ich nahm an. Schliesslich wollte ich sparen. Auf dem Moto meinte er dann, das Schicksal hätte uns zusammengeführt, sogar schon zum zweiten Mal, etc. Ich betete innerlich, dass die Fahrt schnell vorüberging. Aber ein Typ der bei einem Quad stand, winkte ihm zu, und das führte zu einem Stopp in einer sehr bevölkerten Bar. Ich wollte nichts wie weg. Ca.70% der Gäste bestand aus alten sabbernden Männern, 25% aus mitteljungen sabbernden Männern und da war noch EINE Frau, die mit ihren riesen fast entblösten Brüsten durch die Bar „tanzte“ und ihre Brüste gegen jeden Willigen drückte. Sie war stockbetrunken, und das mit Bier. Als sie mir also hallo sagte, warf mich ihr Mundgeruch schier vom Hocker. Desweiteren wurde ich als Freundin des Security’s vorgestellt, was mir auch nicht besonders gefiel. Aber nun denn, nach etwa 15 Minuten wurde dem Security mein Unbehangen wohl doch endlich bewusst und er fuhr mich bis auf den Hügel. Ich dankte und sagte auf Nimmerwiedersehen. Ich befand San Agustín als eine Ansammlung verrückter Menschen. Das Resort an sich war superschön, es bestand fast nur aus Bambusholz und wurde wirklich SEHR ökologisch gemanaged, überall sprossen wunderbare Blumen und Zierpflanzen, das Abwaschwasser (ohne Seife) wurde gesammelt um die tausend Pflanzen zu giessen. Es wäre bestimmt DAS Paradies schlechthin für jeden Gärtner. Aber für meinen Hostelgeschmack: etwas zu verrückt, zu abgelegen (nur zu Fuss erreichbar, keine ÖV) und zu still (kaum Kundschaft). Trotzdem ein schönes Erlebnis.

Wieder ein Nachtbus, diesmal nach Ipiales, das Grenzdorf zu Ecuador.



Bogotá – Citylife

30 05 2012

Ich kam fast ohne Schlaf um 7 in Bogotá am Terminal an. Wir (einer vom Hostel von San Gil und ich) suchten 2h lang ein Hostel. Wir kannten die Adresse und wir hatten sogar das Taxi genommen, aber wir fanden und fanden es nicht. Irgendwann assen wir eine flache Arepa zum Frühstück und schon gaben wir auf, um nach einem anderen Hostel zu suchen (und nicht nach der Empfehlung von Sam), als wir auf dem Weg dorthin, ebendieses Hostel fanden: Hostal Chocolate. Es war wirklich günstig, mitten im Kuchen (direkt an der Hauptstrasse in la Candelaria, dem historischen Zentrum Bogotás) und hatte Internet 🙂 Mit dem Checkin musste ich warten, weil das Bett noch nicht frisch bezogen war, und so setzte ich mich stundenlang an den Computer, zu etwas Schlauerem sah ich mich zu der Zeit nicht im Stande. Irgendwann fragte ich nach einem Supermarkt, denn ich wollte mir neue Shampoos kaufen (da ich meine allesamt in San Gil liegen lassen hatte – eine weitere unnötige Geldverschwendung!), aber als ich halb schlafwandelnd im Supermarkt ankam, überlegte ich, dass ziemlich sicher jemand von San Gil sehr bald nach Bogotá reisen würde. So wandelte ich den Weg zurück und setzte mich wieder ans Internet um mit Chris zu schreiben (ein USA-ler den ich spannenderweise in Sam’s VIP kennengelernt hatte: er plante bald ein eigenes Hostel aufzumachen, hatte sein Geldanteil bereits zusammen, wünschte sich einen Partner und wie sich bei unserem letzten Gespräch in San Gil herausgestellt hatte, hatten wir unglaublich ähnliche Visionen, Ideen…). Chris versprach mir die Shampoos mit einer Engländerin zu schicken, aber diese vergass meine Shampoos, das wiederum erfuhr ich erst am nächsten Tag (bis dahin hatte ich mich einer Dusche enthalten). Auf jeden Fall war das Bett an jenem Tag irgendwann doch noch fertig und ich kuschelte mich sogleich in die vielen Decken: ach ja: Bogotá ist eiskalt!!! Soll heissen um die 13-20Grad :-S Irgendwann weckte mich noch die Putzfrau und fragte mich fürsorglich, ob mit mir alles okay sei, ob ich krank sei oder was (ich musste ja schrecklich ausgesehen haben: gerötete Augen, fettige Haare, lag mit all meinen Pullovern und Hosen in die Decken gemummelt da). Als ich erst am späteren Abend wieder aufwachte, trank ich zuerst einmal eine heisse Schockolade (im Hostal Chocolate), um dann nach einem mexikanischen Restaurant zu fragen: schon seit Tagen hatte ich von mexikanischem Essen geträumt… Ich fand eins relativ in der Nähe, fand es aber ziemlich unschmackhaft… Die Tortillas hatten einen Durchmesser von 5cm und schmeckten mehr nach Mais als nach Tortilla. Hauptsächlich bestanden meine teuren Fajitas also aus Fleisch! Ich würgte das Essen in dem schön geschmückten Restaurant hinunter und ging dann etwas enttäuscht wieder ins Hostal, wobei ich mir gut zuredete „jetzt hatte ich endlich mein mex-Essen gehabt, jetzt würde ich bestimmt wieder für eine Weile zufrieden sein“ 😉 Am nächsten Tag erkundete ich zu Fuss praktisch alle gratis Sehenswürdigkeiten (suchte zudem vergebens alle Büchereien nach einem Deutsch-Franz.-Dix ab). Bogotá beeindruckte mich einzig mit seinem Taubenplatz! Ein Platz von irgendwelchen „schönen, grossen, teuren“ Gebäuden umringt, VOLL von Tauben, aber ECHT VOLL! Das kann man sich gar nicht vorstellen! Wenn man denkt, dass es schon in der Schweiz viele Tauben gibt, dann liegt man da kompletttttt falsch!!! Auf jedem Quadratmeter dieses riesigen Platzes hockten bestimmt 3 Tauben! Kein Witz! Ich werde das mit einem Foto unter Beweis stellen 😉 An diesem Tag kaufte ich für möglichst wenig Geld Essen ein, um mein Budget etwas zu mindern (durch mein schnelles Kolumbienreisen war es echt strapaziert!), und beim Kochen tauschte ich dann einige Worte mit zwei unsympatischen Schweizerinnen. Ich überwand mich am Ende sie um den Gefallen zu bitten, meine Bücher mit in die Schweiz zu nehmen (sie flogen nach Zürich), um sie von dort an meine Adresse zu schicken. Ich hoffe, sie vergessen es nicht! Schliesslich nahm ich noch in derselben Nacht den direkten Bus bis nach San Agustín (ein keines Kaff, das sowohl mein Guide höchstens empfehlte, als auch Chris, der Amerikaner).



San Gil – Sportdorf hoch 100!

30 05 2012

Ich kam am frühen Vormittag in diesem wundervollen Dorf an, erwischte gleich einen Bus ins Zentrum und der Chauffeur half mir auch noch mit seiner Beurteilung bei der Hostelwahl. Er liess mich einen Block entfernt abhüpfen. Das Hostel hiess Sam’s VIP und es ist das wohl beste Hostel, in dem ich auf meiner ganzen Reise war! Der Standort: mitten im Zentrum, direkt an der Plaza! Der Service: top! Die Receptionisten waren allesamt (es waren drei, inklusive des Inhabers) superfreundlich, hilfsbereit und gut informiert! Das Angebot: Paragliding, Rafting, Canyoning, Hiking, Hydrospeed, Kayaking, ETC.!!! Davon machte ich: gleich am ersten Nachmittag Paragliding, am zweiten Tag Hydrospeeding (das ist ein Bord, an dem man sich festhällt, während man einen wilden Fluss hinunter raftet 😀 ), ich besuchte zudem das koloniale Dörfchen Barichara (was aber ich Vergleich zu Ouro Preto ein Nichts und Wiedernichts war), und am letzten Tag überwand ich mich noch zu Rapelling (oder auch Canyoning). Aber noch kurz zurück zum Hostel: der Besitzer veranstaltete schon an meinem ersten Abend dort ein gratis BBQ in seinem Restaurant, das Fleisch war noch fast blutig aber FABELHAFT! Und das sage ich als NICHT-Fleischmonster… Ich konnte den Besitzer auch über alle Details seines Businesses ausfragen, inklusive Geldfragen! Das Haus bestand aus 4 Stöcken, wobei nur die obersten zwei zum Hostel gehörten. Auf beiden gab es gut augestattete, moderne Küchen, auf dem obersten waren die Dorms stationiert (jedes Dorm mit 6 Betten hatte sein eigenes Badezimmer), es gab eine geräumige Terrasse mit Tischen und Stühlen und hinten eine weitere, die aber hauptsächlich aus einem Swimmingpool und Sauna bestand! Die Badezimmer sind auch noch erwähnenswert: bestimmt ist es nicht das teuerste Material, aber es sieht top aus (schwarz und weiss, ob Plastik oder Stein, keine Ahnung) und dazu immer sauber und einladend! Übrigens HEISS Wasser, was eine absolute Ausnahme auf meiner gesamten Reise ist 😉 Das ganze Hostel hatte sehr viele Fenster und alle Wände waren weiss gestrichen, sodass es überall geräumig, luftig und hell war! So, genug zu dem, der Rest wird euch wohl nicht so brennend wie mich interessieren 😉

Das Paragliding war toll und ich nahm mir vor, es eines Tages zu lernen, wenn ich mal zu viel Geld hätte und keine höhere Priorität zur Stelle 🙂 Die Loopings in die Tiefe liessen das Adrenalin in mein Gehirn schiessen, besser als eine Achterbahn 😉 Das Hydrospeed fand ich ebenfalls so toll, dass ich mir vornahm, es ebenfalls anzubieten, falls ich eines Tages meine Ranch in Nähe eines wilden Flusses hatte 😀 Man schlug sich dabei zwar ab und zu heftig die Beine an, aber das war’s wert! Einmal nahm mich ein Strudel so fest in seine Fänge, dass ich für bestimmt 20 Sekunden keine Luft mehr bekam und die oben-unten-Orientierung komplett verlor! Aber nein – es war überhaupt nicht gefährlich, denn danach spuckte ich Wasser und alles war wider gut! Was ich dann aber als gar nicht ungefährlich einstufte war das Rapelling oder Canyoning genannt: anfangs waren wir eine Gruppe zu dritt (die erste übrigens an diesem Tag, sodass ich die ganze Installation der Seile mitansah), dann meldete sich der ältere englischsprechende Herr ab, er hatte zu viel Angst. Dann erklärte und der Instruktor kurz, wie alles funktionierte (man wurde an einem Seil „befestigt“, an dem man sich dann mit gegen die Wasserfallwand gespreizten Beinen hinunterlassen konnte), danach ging unser Guide mit der älteren Frau voraus. Mich liess man allein! So viel ich sagen kann, produzierte diese Aktion kein Adrenalin, nur einerlei: Angst! Tiefe, grosse, riesige Angst! Ich machte fast in die Hosen! Es waren 70 Meter die gerade hinunter führten, direkt neben einem ziemlich starken Wasserfall. Am Anfang fand ich es noch ziemlich einfach, dann aber fluchte ich immer mehr vor mich hin, denn das Seil ribschte mir die Hände wund und je weiter man nach unten kam, desto leichter rutschte einem das Seil durch die Hände, und somit rutschte man selbst hinunter! Die ganze Zeit hatte ich eine finstere Wolke über dem Kopf und flucht und fluchte und murrte und murmelte mörderische, bzw. selbstmörderische Dinge. Etwa bei 30 Metern über dem Boden kam ich (da ich keine Hilfe hatte) böse unter den Wasserfall und das tat höllisch weh! Es pretschte auf meine Schultern und Beine, der Kopf war zum Glück durch einen Helm geschützt. Naja, wie auch immer, ich kam unten mehr oder weniger heil an und entschied, das definitiv nicht als neues Hobby mitzuzählen!!! Kein Adrenalin, kein Kick, nur Angst und Schmerz und Angst… Never again: Rapelling!

Am Abend an dem ich abreisen würde, trommelte ich alle Leute vom Hostel zusammen, sodass wir gemeinsam in Sam’s Restaurant essen gingen. Dabei lud ich auch noch einen Paragliding-Chief ein, der mir später auf meiner Reise offerierte, mir das Paragliden beizubringen 🙂 Mal schauen 😉



Cartagena & ein Wiedersehen

30 05 2012

Auf dem Weg nach Cartagena hatte ich einen unverständlichen Anruf erhalten; verständlich genug aber um zu verstehen, dass es um das Hostal Media Luna ging. Ich hatte Fabricio meine Nummer mit eben diesem Hostal-Vorschlag per Facebook geschickt, und so nahm ich an, dass er es gewesen war. Ich suchte also zu Fuss das Hostal und wurde auch bald fündig. Die Dormitorios waren gemischt, also steckten sie mich gleich ins selbe Zimmer mit Fabricio 🙂 Schon unser hallo war temperamentvoll! Unser erster Tag des Wiedersehens war eine Ansammlung aus hitzigen Diskussionen, kleinen Umarmungen und schweigenden Erkundungstouren durch die Stadt. Wir besichtigten das historische Zentrum, das auf einer Art Halbinseln hinter Mauern lag: es war wunderschön. Kutschen verkörperten den Verkehr und überall waberte es nur so vor mittelalterlicher Romanze und Charme. Man konnte auch auf einen Teil der Mauer, wo es ein Restaurant und ein DJ-Pult gab, man hatte Aussicht auf das ganze weite Meer und gerade ging die Sonne unter. Cartagena erinnerte mich stark an spanische Altstädte, ich war verzaubert! Am nächsten Tag hatte sich Fabricios und mein Temperament etwas gelegt und wir gingen uns aus dem Weg, sobald es wieder hervorgügselte. So hatten wir einen wundervollen letzten gemeinsamen Tag, denn am nächsten Morgen früh reiste er ab auf Iselferien. Und ich verbrachte noch den Tag im Hostel, bevor ich einen Bus nach San Gil nahm. Es kam mir sehr teuer vor, und ich hatte schon so das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden, aber als ich dann mit dem Busfahrer darüber sprach, gab der mir einen 10CHF billigeren Preis an. Ich reklamierte beim Ticketverkäufer, aber der rückte nichts heraus, und ich bezweifle, dass er mir das Geld zurückerstattet hätte, hätte ich ihm mein Ticket zurückgegeben. So stieg ich also hässig in den Bus.

 



Santa Marta & Parque Nacional Tayrona

26 05 2012

In Santa Marta nahm ich ein Taxi zum Hihostel, das mich beeindruckte. Es lief auf hochtouren und die Receptionisten waren hoch freundlich, aufmerksam und waren in ihrem Job gut! Es war eine Art Viereck und im Innenhof befand sich ein Swimmingpool, Küche und Aufenthaltsraum. Der Rest bestand aus Badezimmer, Duschen und Zimmer. Die Dorms waren alle mit Ländern benannt, ich schlief im India 🙂 Zu Santa Marta gibt’s nicht wahnsinnig viel zu erzählen, die Stadt erkundete ich in etwa 2h und sie war mehr oder weniger langweilig. Die meiste Zeit verbrachte ich im Parque Tayrona oder im Hostel. Ich kochte ausführlich für mich (versuchte mich an einer venezuelanischen Spezialität: Plattgedrückte Kochbanen anstelle von Brot als Sandwich). Ich traf drei Schweizer! Einer davon war höchst interessant, und wenn er nicht noch in der selben Stunde hätte gehen müssen, dann hätte ich ihn liebendgerne ausgequetscht. Was ich in der kurzen Zeit über ihn erfuhr: er hatte sein (Informatik?) Studium abgeschlossen, hatte aber seither noch nie recht gearbeitet, soll heissen nicht nach dem Studium. Er hatte während dem Studium gearbeitet und zwar so, dass er seither unterwegs war und auch während dem Studium schon jenste Kontinente bereist hatte. Dann belauschte ich noch einge Deutsche, die ich allesamt als dämlich und arrogant und am-falschen-Platz einstufte! Sie lästerten konstant über Südamerika und berichteten in kleinlichem und übertreibendem Stil über ihre lächerlichen „Reisen“. Ich war terrified!

An meinem ersten Abend trat ich mit Fabricio in Kontakt, und wir entdeckten, dass wir praktisch am selben Ort waren. Er wollte aber schon in 3 Tagen weiterreisen (nach Panama) und so entschloss ich, meinen Santa-Marta-Aufenthalt kurz zu halten (ich sollte mich ja sowieso mit meiner Reise beeilen!). So ging ich schon am Morgen nach meiner Anreise früh los, um den Nationalpark Tayrona zu sehen, der in meinem Guide hoch angepriesen wurde. Seine Strände waren hochberühmt! Mit dem Bus fuhr ich bis zum Eingang des Parks, wo ich zuerst einmal fast 20CHF Eintritt bezahlen musste, was ich eine absolute Frechheit fand! Und darauf war ich definitiv nicht vorbereitet gewesen: ich hatte mich 5CHF gerechnet. Auf jeden Fall packte mich dort eine Wut, die mich schnurstraks loslaufen liess. Ich rannte zum Teil sogar, und doch kam ich erst nach 1h bei einer Tafel an, die angab, dass es bis zum Stran – zu dem es ein 45min-Weg sein sollte – noch 50min waren! Okay, also rannte ich weiter! Der Weg wich nun von der Strasse ab und wurde wunderschön. Ich MUSSTE denn nun doch anhalten um ein paar Fotos zu schiessen: der Weg wand sich über Stege, unter Lianen und Bambusdächern hindurch, erklomm steinerne Treppchen und bot fantastische Aussichten. Ein Stück führte durch unbeschatteten grauen Sand, sogar mit meinen Flipflops verbrannte ich mir fast die Flossen! Am Strand angekommen hatte ich kein Wasser mehr, aber zum Glück fand ich einen Kiosk – zwar überteuert, aber ich MUSSTE trinken! Ich legte mich für ca. 2 Stunden in die Sonne, las, warf mich – wenn der Baywatch nicht gerade hinschaute – kurz in die Wellen oder rückte meinen brasilianischen Tanga zurecht 🙂 An diesem Strand waren schon 100te umgekommen, wie es hiess…

Auf dem Rückweg überholte ich sogar Pferde (ich ging diesmal den Pferdeweg, der einiges breiter und unschöner (durch die vielen Pferdeäpfel) war. Es begegnete mir eine Horde von Touristen aber auch eine freie aber vollbepackte Herde von Eseln, die wohl Futter und Getränke zu den wenigen Häusern schleppten. Sie taten mir irgendwie Leid, aber andererseit waren sie einigermassen frei, sie hätten durch den Park flüchten können, wenn sie gewollt hätten… Ich weiss aber logischerweise nicht genug über diese These… Als ich bei der Tafel (50min) ankam, erfuhr ich, dass es eigentlich einen Bus gab, der von hier bis zum Ausgang fuhr. So wartete ich und lernte noch eine junge Frau aus Tschechien kennen. Auch wieder spannende Gespräche, ich lasse das aber mal weg. Am Tag darauf nahm ich den Bus nach Cartagena.

Im Bus wurde ich böse belehrt: es war nur ein 4h-Tripp, aber ich musste mich trotzdem „massiv“ erleichtern, und so ging ich auf die Toilette. Als ich wieder herauskam und mich setzte, vermutete ich schon, dass ich etwas falsch gemacht hatte. Aber dann kam doch tatsächlich der Bustickettyp und meinte leise, ich solle doch das nächste mal bitte vorne anklopfen und um einen Stopp bitten, wenn es so dringend sei… WOW! Das war mal peinlich! Ich schämte mich zwar keines wegs, nein ich ärgerte mich viel mehr darüber, dass man hier über etwas STINKNORMALES so ein Theater eröffnete, denn: der halbe Bus hielt sich die Nase zu oder murrte etwas Unfreundliches in meine Richtung. Sogar meine Sitznachbarin verkniff sich ihren Kommentar nicht! Ich muss hier klarstellen: es stank überhaupt nicht (oder zumindest nicht bis in die Mitte des Busses oder so, dass man sich die Nase zuhalten musste)! Ich fühlte mich sogleich nicht mehr so zu Hause in Kolumbien. Ich danke hier Brasilien, dass man die Natur des Menschens als gegeben nimmt… 🙁



Riohacha & los Wayúu

26 05 2012

Nach einer Busfahrt von der Grenzstadt Maicao aus, kam ich schliesslich noch am selben Tag im kolumbianischen Riohacha an. Als erstes nahm ich ein Taxi zur Touri-Info, wo ich als erstes durch die gute Ausstattung überrascht wurde! Sie hatten jenste Pläne von ganz Kolumbien, dem Staat und der Halbinsel. Dazu auch fotoreiches Touristenprogramme und ein Büchlein mit allen möglichen Adressen. So ging ich bald los, um mir zuerst eine kolumbianische Simcard zu kaufen und zur Bank zu gehen. Das neue Geld verwirrte mich zutiefst. Kaum hatte ich mich einigermassen ans venezuelanische Gelddenken gewöhnt, tauchte ich schon in die nächste Währung ein… Das mit der Simcard kostete mich den ganzen Nachmittag, schliesslich suchte ich erschöpft ein günstiges Hotel. Das war in Riohacha nicht so einfach, denn es gab kein einziges Hostel. Aber schliesslich fand ich eines für ca. 15CHF.  Meine Pläne, die Stadt noch am selben Tag zu erkunden, waren fast zunichte, aber ich ging trotzdem nach dem einquartieren gleich wieder raus, um noch die letzten Sonnenstrahlen auszukosten. Als erstes kaufte ich Kaffee (ich brauchte ihn!), danach wanderte ich an einer der 3 „Hauptstrassen“ hinutern – wobei mir meine Sinne wahnsinnig überlastet erschienen!), suchte Bücherläden (ich war auf der Suche nach einem Deutsch-Franz-Diccionair), kaufte eine Milch, dass ich endlich meine mitgebrachten Kellogs aufessen konnte (wobei ich die Hälfte der Milch gleich vor dem Laden trank) und geriet schliesslich noch in einen religiösen Umzug. Ich glaube es hatte irgendwas mit la Virgen zu tun, denn die Männer des Klans trugen eine Maria auf ihren Schultern. Ich wanderte noch am Strand herum und schliesslich fand ich einer anderen der „Hauptstrassen“ noch ein Internetcafe. Dort drückte ich versehentlich während des Bloggens auf eine Taste, die meinen Bildschirm fast komplett weiss erscheinen liess. Ich fragte den Internettyp um Hilfe und dieser Schloss zu meinem grauen einfach den Browser! Mein ganzer Blogartikel war verloren! Grrr! Danach schleppte ich mich mit letzer Kraft zurück ins Hotel, wo ich noch eine Begegnung mit einer Mamikatze und ihrem Baby hatte 🙂 Ich schaltete den Ventilator ein, legte mich nackt ins grosse Bett und schaute fern. Danaben las ich noch ein wenig in meinem Kolumbien-Guide und in meinem englischen Buch (1984).

Abfall heisst einem in Kolumbien in Massen willkommen...

Minikätzchen 😀

Eine Dusche nahm ich erst am nächsten Morgen, danach packte ich meinen kleinen Rucksack für einen kleinen Tagesausflug, liess meinen grossen im Hotel und machte mich schliesslich auf den Weg zum Collectivtaxistand. Dort fand ich bald eines, das mich für 7CHF nach Manaure brachte. In meinem Guide und im Touristenprospekt hatte ich von Salzseen, bzw. Bergen gelesen, die dort abgebaut werden sollten. Als ich allerdings dort ankam, war das eine reine Enttäuschung. Es war nur noch eine weissliche, halb überschwemmte Wüste zu sehen, man hatte die Berge schon vor x Jahren abgebaut und nun geschlossen. So beurteilte ich das Touristenoffice als doch nicht so toll. Ich nahm also nach meinem Cyclotaxi-Trip das Collectivtaxi zurück nach Riohacha. Zum Cyclotaxi noch: der Kerl wollte mich bös verarschen, obwohl ich ihn zuvor auf eine Malta (hiesisches Getränk) eingeladen hatte, das sollte nicht das einzige mal sein, dass ich in Kolumbien über den Tisch gezogen wurde. Auf jeden Fall lernte ich im Taxi zwei Wayúu Frauen kennen. Die Wayúu sind das „Indianervolk“ der Halbinsel, auf der ich mich befand. Sie haben ihre eigene Kleidung, Sprache und ihre eigenen Bräuche. Dazu später mehr. Eine der Frauen hatte eine fürchterliche Stimme, die mir fast die Trommelfelle verjagten, aber sie war es auch, die mich rau zu ihrem Stamm einlud! Als ich ihr erklärt hatte, dass ich nicht eine geführte Tour zu den Wayúu gemacht hatte, da es mir zu teuer gewesen wäre, meinte sie spontan, ich solle doch zu ihnen kommen. Sie leben ausserhalb von Riohacha, mitten in der Pampa, aber ich könne am nächsten Tag mit ihr mit nach Riohacha fahren. Und sie würden nichts von mir verlangen. Wieder einmal nahm ich ein grosses Angebot an. Ich fühlte mich schon fast wie ein Parasit…

Wir stiegen an einer Kreuzung mitten in der Pampa aus und die Frau, die mich eingeladen hatte, packte mich am Arm, um mich mit Kraft über die Strasse zu führen. Es war eine ziemlich unangenehme Sache für mich, sie drückte mir fast das Blut ab und riss mich herum (sie wog einiges mehr als ich). Ich fühlte mich wie ein armes Hundeding, das am Halsband herumgeschleickt wurde… Auf jeden Fall nahmen wir dann bald den Weg durch die Pampa auf, nur ein winziger Weg, der wohl keinem Touristen aufgefallen wäre, führte zu den verschiedenen Wayúu-Behausungen. Dort angekommen war ich zuerst mal von der Originalität überrascht. Es war wirklich so, wie man es sich vorstellte: Lehmhütten mit Strohdächern, keine Betten, nur Hängematten, keine Klos, keine Duschen. Als erstes wurde ich allen vorgestellt, es sassen alle Frauen beieinander, teils in Hängematten, teils auf Stühlen unter einem Strohdach. Sie boten mir sogleich Mittagessen an, ich hatte zwar keinen Hunger, aber da ich nichts zu essen dabei hatte, schlug ich lieber dann zu, wenn es etwas gab – später war ich dann sehr froh darüber… Ich fühlte mich ganz am Anfang etwas nervös, denn ich wusste ja nicht WIE verschieden unsere Kulturen waren, aber bald schon lauschte ich zufrieden und interessiert ihren Alltagsgesprächen. Ich lernte, dass die Männer und Frauen grundsätzlich getrennt die Zeit verbrachten. Das wurde nicht als strikte Regel angesehen (ab und zu setzten sich Männer für eine Weile zu uns), aber grundsätzlich diskutierten und schliefen sie an verschiedenen Plätzen. Die Wayúu hatten ihre eigene Sprache, genannt Wayunaiky. Das System funktionierte matriarch, das heisst, die Frau gab den Familiennamen, aber Töchter wurden an andere Familien „verkauft“, daher waren sie sehr wertvoll. Männer und Frauen arbeiteten beide, allerdings meinte eine junge Wayúu – namens Yanina – bei einem privateren Gespräch, dass Frauen deutlich mehr arbeiteten: sie „höckelten“ nicht nur die Kunsttaschen in verschiedenen Farben, sondern sie kümmerten sich auch noch um den ganzen Haushalt und um die Kinder! Wenn eine Tochter in die Pupertät kam, bzw. die Menstruation einsetzte, so war es Brauch, ihr alle Haare abzurasieren und sie für 1-3 Jahre in eine Lehmhütte ohne Fenster zu setzen. Dort wurde sie von einer Frau weiter unterrichtet und auch aufgeklärt. Sie blieb so lange in dieser dunklen Lehmhütte, bis ein Mann um ihre Hand anhielt, was er bei der Mutter machte. Der junge oder alte Mann, musste dann den entsprechenden Preis in Kühen, Schafen, Wertsache und ähnlichem begleichen. Danach gehörte die Tochter zur Familie des Mannes. Ich packte die Gelegenheit beim Schopf, als mich Yanina fragte, ob ich mit ihr zu einem kleinen See gehen wolle. Ich fragte sie vorsichtig über ihre Geschichte aus: ihre Mutter war nicht ganz so strikt gewesen und sie hatte die Haar nicht abrasieren müssen. Und sie hatte eine Beziehung mit einem Jungen angefangen (also hatte sie ihn gemocht), und erst als die Mutter davon erfuhr, musste er den Preis bezahlen und sie heiraten. Sie hatten ein Kind. Yanina war aber bald in ihre Familie zurückgekehrt, da sie sich mit dem Jungen nicht mehr vertragen hatte. Yanina’s Kind war 1 Jahr alt und sie selbst war so alt wie ich. Nachdem sie von ihrem Freund/Mann geschwängert worden war, hatte ihr Vater aufgehört für ihre Ausbildung und Ernährung zu bezahlen. So lebten Yanina, ihre Tochter und ihre Mutter immer auf bankrott. Yanina bezauberte mich, sie war so natürlich wie sie war wunderhübsch, ihr Lachen war die Sonne und ihre Art war so locker und ungezwungen (sie erinnerte mich auch ziemlich stark an meine Tante Irma aus der dominikanischen Republik). Sie schien mit allem klar zu kommen, auch in dieser Familie wurde die jüngste Frau herumkommandiert wie ein Dienstmädchen.

Wayúu-Kunst

natürliche Gartenhäge: Kaktushecken!

 

Cyclotaxi in Manaure

grösster Kaktus in der Gegend - stunning!

mein leckeres Mittagessen!

Ich lernte zudem Chicha kennen, ein Getränk das aus gemühltem Mais und Zucker besteht. Das gab es zum Nachtessen – also genau gesagt eine Tasse davon… Dann lernte ich noch eine saure rote kleine Frucht namens Cereza kennen, ich werde sie vermissen. Zum Dessert nach dem Mittagessen gab es Keke, eine dunkelbraune Masse die aus Mehl, Kokosnuss und Rohrzucker besteht. Die Tracht der Wayúu nennt sich Manta und ich kaufte mir am nächsten Tag gleich zwei davon. Sie gefielen mir enorm in ihrer Eleganz und Simpelheit. In der Nacht lernte ich die unangenehmere Seite des familiären Zusammenlebens kennen. Ich hatte mich überreden lassen, mit den anderen Frauen in der Hütte zu schlafen, allerdings wachte ich nach etwa 2h vor Hitze auf. Ich musste dringend aufs Klo, aber als ich raus wollte, wies mich die Frau rau an, ich solle drinnen bleiben und einfach in das kleine Töpfchen pinkeln. Okay, zur Info: es gab keine Elektrizität, also war es stockdunkel, nur eine Kerzenflamme flackerte irgendwo schwach; es waren vielleicht 12 Quadratmeter auf denen 4 Frauen und ein Baby schliefen und die Luft war so schon geeignet um zu ersticken. Ich wiedersprach, aber die Frau wurde lauter. Also zog ich die Hosen runter und pinkelte ungekonnt in dieses Töpfchen. Dank einem riesen Blasendruck sprinkelte es überall hin und ich fühlte mich so schon super unwohl. Naja, danach legte ich mich wieder in die Hängematte und bat darum, dass die Nacht schnell vorbei gehen möge, ohne dass ich nochmals wasserlassen musste. Ich hatte Glück und wachte erst wieder bei hellem Herumgewusel auf. Kurzfristig entschied ich mich nach dem Arepa-Frühstück um, nicht mit der Frau direkt nach Riohacha zu fahren, sondern einen Ausflug nach Maicao zu machen, wo ich mit Yanina noch ein wenig mehr plaudern konnte und meine Mantas kaufen 🙂

Yanina's Tochter

 

kleine Pferdeherde bei den Wayúus

Kaktus"blüten". So ein Stachel steckte mir nach dem Foto im grossen Zeh!

Wayúu Garderobe 😉

andere Wayúu-Familie, die Yanina und ich besuchten

 

Yanina und ihre kleine Tochter =)

 

me in manta

manta and sheep

Arepas zum Frühstück

 

Mit 4 Jahren arbeiten diese Jungs schon als Hirten!