Las Lajas – ein religiöser Ort

30 05 2012

Die Reise nach Ipiales war echt hart: erstens wurde ich vermehrt vor den Guerilla auf diesem Wegabschnitt gewarnt, desweiteren war der Weg meistens nicht asphaltiert und höchst löchrig. So wurde ich herumgeschüttelt wie noch nie und bekam kein Auge zu. Ach und das Bus-kriegen war auch noch ein Abenteuer: ich hatte eigentlich eine Reservation gemacht, allerdings fuhr dann dieser Bus einfach nicht, weil es nicht genug Leute gab. Man schickte mich also nach La Cruze, was irgendwo mitten im Nirgendwo lag, dort sollten anscheinden halbstündlich Busse nach Popayan passieren. Nichts da, ich wartete zwei Stunden und als es dunkel wurde, hatte ich keine Chance mehr, die Täfelchen mit den Zielangaben durch die Scheinwerfer hinweg zu lesen! Erst nach 2h kam mir eine Frau zu Hilfe und erklärte schliesslich, dass es 2 La Cruzes gab! Na toll! Und genau in dem Moment fuhr dann auch der richtige Bus an mir vorbei! Ich hatte logischerweise das Schild nicht lesen können und er hatte mich wohl glatt übersehen. Aber die nette Frau rief schnell ihren Sohn an, der am anderen La Cruze arbeitete, um den Bus für mich zu stoppen. Das tat er dann auch und ich wurde schleunigst auf ein Mototaxi verfrachtet (man bedenke: ich war diesmal mit all meinem Gepäck unterwegs!!!). In höchstem Tempo fuhr es mich durch die Nacht bis zum anderen La Cruze, wo der Bus tatsächlich auf mich wartete. Im Bus rief mich nach kurzer Zeit der Chauffeur zu sich nach vorne in die Kabine um zu fragen, ob ich wohl meine Papiere vergessen hätte! Ich fragte wieder und wieder um was für Papiere es sich denn handle, aber er kannte die Antwort nicht. Ich kontrollierte, ob ich alles hochwichtige bei mir hatte, es konnte also nicht von mir sein – Erleichterung. Nun denn, am Ende kam ich in Popayan an und hatte direkt Anschluss nach Ipiales. Ich hoffte auf eine schlafreiche Fahrt, denn ab hier war die Strasse ja wieder gut, aber in diesem Fall waren es die steilen und spitzen Bergkurven die einem keinen Schlaf liessen.

Trotzdem hatte ich in Ipiales schliesslich noch genug Kraft und Motivation, ein Collectivtaxi nach Las Lajas zu nehmen. Ein sagenumwobener Ort: ein kleines Tal, in dem anscheinend schon jenste Wunder geschehen waren. Da immer mehr religiöser Tourismus aufkam, hatte man insgesamt drei Kirchen erbaut, und die letzte war ein wahnsinns Werk: sie war in einem Tal über einem Fluss erbaut, wunderschön und majestätisch. Fotos können auch hier mehr sagen als Worte. Aber: dies ist definitiv einer der Orte, den man selbst besucht haben muss um das wahre Wesen dieses Ortes erfassen zu können! Ich war stumm, gerührt, eingeschüchtert, ruhig und friedlich. Vielleicht ein wahrhaftig heiliger Ort..?



San Agustín – Eco Resort – Parque Arqueologico

30 05 2012

Mein Guide empfahl San Agustín wegen dem archäologischen Park, der gleich 5 Minuten vom Dorf entfernt lag. Chris hatte mir den Ort empfohlen, weil es dort eine Frau gab, die ihr Resort verkaufen wollte – und er hatte es als äusserst grosses Potential und grossartig bezeichnet. So kam ich mit grossen Erwartungen und wieder einmal todmüde in diesem kleinen Ort an. Die 10 Minuten zu Fuss, die Hostelworld als Weg angab, waren schlussendlich über 20: es ging sehr steil einen unwegsamen Erdweg hinauf und dann noch mal etwa 10 Minuten einigermassen geradeaus. Als ich mich schon zu fragen begann, ob ich überhaupt den richtigen Weg eingeschlagen hatte, begegnete mir ein junger Mann, der sich als Besitzer des Resorts outete. Er war der Sohn der Frau, die das Resort errichtet hatte. Er führte mich zum Eingang und zeigte mir auf seine sympatische Weise alles, danach verschwand er und seine Mutter lud mich zum Mittagessen mit ein. Bei ihr sassen auch noch zwei Männer: einer davon dicklich, der andere mager und langhaarig. Wie sich herausstellte, waren alle diese Leute am Tisch etwas verrückt. Bestimmt nicht auf eine schlechte Art, aber doch verrückt genug, um mich etwas unbehaglich zu fühlen. Der magere zum Beispiel meinte, er sei selbst eine Katze und seine drei Katzen seien wohl besser als jede Frau (mit letzterem würde ich vielleicht übereinstimmen…). Die Besitzerin des Resorts führte ein hoch umweltfreundliches Leben und kochte wunderbar vegetarisch (das tönt ja alles ganz nett, aber trotzdem hatte sie bestimmt irgendwo ein paaaaar Schrauben locker…). Wie ich erst später herausfand war ihr Mann eines Tages verschwunden (es war offensichtlich, dass er von Guerillas gekidnappt oder getötet worden war (ein Schweizer) und einer ihrer Söhne hatte sich zu stark in die Politik hineingesteigert und wurde ebenfalls von den Guerillas getötet. So ein Schicksal ist nicht vorstellbar wenn man nicht selbst ähnliches erlebt hat… Auf jeden Fall nahm ich nach dem Essen eine „lauwarme“ (=kühle) Dusche hinter den Bambusstöckchen, danach ging ich ins Dorf, um Essbares einzukaufen und auf dem Rückweg begegnete mir der nächste Verrückte: ein Security bot mir an, mich auf seinem Moto mitzunehmen. Er meinte, mein Hotal liege auf seinem Weg, bevor er überhaupt wusste, wo ich einquartiert war. Schliesslich fuhr er mich hin (ich war müde und dankbar um dieses Angebot), meinte, wir sollte gemeinsam tanzen gehen und gab mir seine Handynummer. Zudem bot er mir an, mir als Guide die Mayaskulpturen zu zeigen. Ich bedankte mich und ging schlafen.

Am nächsten Tag hatte ich eigentlich eine Jeeptour geplant, diese fand aber mangels Touristen nicht statt, also buchte ich kurzfristig einen Ritt. Ich hätte den Ritt günstiger bekommen können, aber die Besitzerin des Resorts legte mir ans Herz, einen teureren Guide zu nehmen, der seinen Pferden besser Acht gab. Tatsächlich waren mein und sein Pferd top: gute Hufe, stark, fit, gut ernährt. Wir begegneten anderen kleinen Gruppen mit Pferden, wobei deren Pferde allesamt vollkommen abgemagert waren! Ich war heilfroh, hatte ich die 10Franken mehr investiert! Aber ein kleiner Einwurf: es machte mich wütend, diese abgemagerten Tiere zu sehen und keiner hat ein Recht, ein Tier gefangen zu halten, wenn er es nicht entsprechend versorgen kann. Aber einer dieser kaltherzigen Guides begegnete mir auf dem Weg und fing an, auf seiner Flöte zu spielen: es schien mir, als würde die Welt in einen Zauber fallen. Er spielte irgendwelchen urtümlichen Lieder, die sagenhaft zu den Mayaskulpturen und zum Landschaftsbild (tiefe Täler mit Flüssen durchzogen, Ackerlandschaft an steilen Berghängen). Ich dachte bei mir: jeder hat immer gute und schlechte Seiten, diesem Mann war wohl kein Tierherz geschenkt, allerdings ein Talent, die Welt mit seinem Flötenspiel zu verzaubern…

Am Ende des Rittes stieg ich beim archäologischen Park ab, indem man etwa innert 3 Stunden ein Museum und 4 Maya-Orte besuchen konnte. Wenn es jemanden interessiert, kann er im Wikipedia mehr darüber lesen. Mich langweilte der Park in höchstem Masse, gewiss auch daher, dass ich nicht genug Hintergrundwissen besass. Ich rannte praktisch durch den Park, schoss an jeder Ecke Fotos und floh dann wieder durch das Eingangstor. Dort traf ich tatsächlich auf den Security, der mich letzten Abend auf seinem Moto mitgenommen hatte. Wieder bot er mir einen „ride“ an, und ich nahm an. Schliesslich wollte ich sparen. Auf dem Moto meinte er dann, das Schicksal hätte uns zusammengeführt, sogar schon zum zweiten Mal, etc. Ich betete innerlich, dass die Fahrt schnell vorüberging. Aber ein Typ der bei einem Quad stand, winkte ihm zu, und das führte zu einem Stopp in einer sehr bevölkerten Bar. Ich wollte nichts wie weg. Ca.70% der Gäste bestand aus alten sabbernden Männern, 25% aus mitteljungen sabbernden Männern und da war noch EINE Frau, die mit ihren riesen fast entblösten Brüsten durch die Bar „tanzte“ und ihre Brüste gegen jeden Willigen drückte. Sie war stockbetrunken, und das mit Bier. Als sie mir also hallo sagte, warf mich ihr Mundgeruch schier vom Hocker. Desweiteren wurde ich als Freundin des Security’s vorgestellt, was mir auch nicht besonders gefiel. Aber nun denn, nach etwa 15 Minuten wurde dem Security mein Unbehangen wohl doch endlich bewusst und er fuhr mich bis auf den Hügel. Ich dankte und sagte auf Nimmerwiedersehen. Ich befand San Agustín als eine Ansammlung verrückter Menschen. Das Resort an sich war superschön, es bestand fast nur aus Bambusholz und wurde wirklich SEHR ökologisch gemanaged, überall sprossen wunderbare Blumen und Zierpflanzen, das Abwaschwasser (ohne Seife) wurde gesammelt um die tausend Pflanzen zu giessen. Es wäre bestimmt DAS Paradies schlechthin für jeden Gärtner. Aber für meinen Hostelgeschmack: etwas zu verrückt, zu abgelegen (nur zu Fuss erreichbar, keine ÖV) und zu still (kaum Kundschaft). Trotzdem ein schönes Erlebnis.

Wieder ein Nachtbus, diesmal nach Ipiales, das Grenzdorf zu Ecuador.



Bogotá – Citylife

30 05 2012

Ich kam fast ohne Schlaf um 7 in Bogotá am Terminal an. Wir (einer vom Hostel von San Gil und ich) suchten 2h lang ein Hostel. Wir kannten die Adresse und wir hatten sogar das Taxi genommen, aber wir fanden und fanden es nicht. Irgendwann assen wir eine flache Arepa zum Frühstück und schon gaben wir auf, um nach einem anderen Hostel zu suchen (und nicht nach der Empfehlung von Sam), als wir auf dem Weg dorthin, ebendieses Hostel fanden: Hostal Chocolate. Es war wirklich günstig, mitten im Kuchen (direkt an der Hauptstrasse in la Candelaria, dem historischen Zentrum Bogotás) und hatte Internet 🙂 Mit dem Checkin musste ich warten, weil das Bett noch nicht frisch bezogen war, und so setzte ich mich stundenlang an den Computer, zu etwas Schlauerem sah ich mich zu der Zeit nicht im Stande. Irgendwann fragte ich nach einem Supermarkt, denn ich wollte mir neue Shampoos kaufen (da ich meine allesamt in San Gil liegen lassen hatte – eine weitere unnötige Geldverschwendung!), aber als ich halb schlafwandelnd im Supermarkt ankam, überlegte ich, dass ziemlich sicher jemand von San Gil sehr bald nach Bogotá reisen würde. So wandelte ich den Weg zurück und setzte mich wieder ans Internet um mit Chris zu schreiben (ein USA-ler den ich spannenderweise in Sam’s VIP kennengelernt hatte: er plante bald ein eigenes Hostel aufzumachen, hatte sein Geldanteil bereits zusammen, wünschte sich einen Partner und wie sich bei unserem letzten Gespräch in San Gil herausgestellt hatte, hatten wir unglaublich ähnliche Visionen, Ideen…). Chris versprach mir die Shampoos mit einer Engländerin zu schicken, aber diese vergass meine Shampoos, das wiederum erfuhr ich erst am nächsten Tag (bis dahin hatte ich mich einer Dusche enthalten). Auf jeden Fall war das Bett an jenem Tag irgendwann doch noch fertig und ich kuschelte mich sogleich in die vielen Decken: ach ja: Bogotá ist eiskalt!!! Soll heissen um die 13-20Grad :-S Irgendwann weckte mich noch die Putzfrau und fragte mich fürsorglich, ob mit mir alles okay sei, ob ich krank sei oder was (ich musste ja schrecklich ausgesehen haben: gerötete Augen, fettige Haare, lag mit all meinen Pullovern und Hosen in die Decken gemummelt da). Als ich erst am späteren Abend wieder aufwachte, trank ich zuerst einmal eine heisse Schockolade (im Hostal Chocolate), um dann nach einem mexikanischen Restaurant zu fragen: schon seit Tagen hatte ich von mexikanischem Essen geträumt… Ich fand eins relativ in der Nähe, fand es aber ziemlich unschmackhaft… Die Tortillas hatten einen Durchmesser von 5cm und schmeckten mehr nach Mais als nach Tortilla. Hauptsächlich bestanden meine teuren Fajitas also aus Fleisch! Ich würgte das Essen in dem schön geschmückten Restaurant hinunter und ging dann etwas enttäuscht wieder ins Hostal, wobei ich mir gut zuredete „jetzt hatte ich endlich mein mex-Essen gehabt, jetzt würde ich bestimmt wieder für eine Weile zufrieden sein“ 😉 Am nächsten Tag erkundete ich zu Fuss praktisch alle gratis Sehenswürdigkeiten (suchte zudem vergebens alle Büchereien nach einem Deutsch-Franz.-Dix ab). Bogotá beeindruckte mich einzig mit seinem Taubenplatz! Ein Platz von irgendwelchen „schönen, grossen, teuren“ Gebäuden umringt, VOLL von Tauben, aber ECHT VOLL! Das kann man sich gar nicht vorstellen! Wenn man denkt, dass es schon in der Schweiz viele Tauben gibt, dann liegt man da kompletttttt falsch!!! Auf jedem Quadratmeter dieses riesigen Platzes hockten bestimmt 3 Tauben! Kein Witz! Ich werde das mit einem Foto unter Beweis stellen 😉 An diesem Tag kaufte ich für möglichst wenig Geld Essen ein, um mein Budget etwas zu mindern (durch mein schnelles Kolumbienreisen war es echt strapaziert!), und beim Kochen tauschte ich dann einige Worte mit zwei unsympatischen Schweizerinnen. Ich überwand mich am Ende sie um den Gefallen zu bitten, meine Bücher mit in die Schweiz zu nehmen (sie flogen nach Zürich), um sie von dort an meine Adresse zu schicken. Ich hoffe, sie vergessen es nicht! Schliesslich nahm ich noch in derselben Nacht den direkten Bus bis nach San Agustín (ein keines Kaff, das sowohl mein Guide höchstens empfehlte, als auch Chris, der Amerikaner).



San Gil – Sportdorf hoch 100!

30 05 2012

Ich kam am frühen Vormittag in diesem wundervollen Dorf an, erwischte gleich einen Bus ins Zentrum und der Chauffeur half mir auch noch mit seiner Beurteilung bei der Hostelwahl. Er liess mich einen Block entfernt abhüpfen. Das Hostel hiess Sam’s VIP und es ist das wohl beste Hostel, in dem ich auf meiner ganzen Reise war! Der Standort: mitten im Zentrum, direkt an der Plaza! Der Service: top! Die Receptionisten waren allesamt (es waren drei, inklusive des Inhabers) superfreundlich, hilfsbereit und gut informiert! Das Angebot: Paragliding, Rafting, Canyoning, Hiking, Hydrospeed, Kayaking, ETC.!!! Davon machte ich: gleich am ersten Nachmittag Paragliding, am zweiten Tag Hydrospeeding (das ist ein Bord, an dem man sich festhällt, während man einen wilden Fluss hinunter raftet 😀 ), ich besuchte zudem das koloniale Dörfchen Barichara (was aber ich Vergleich zu Ouro Preto ein Nichts und Wiedernichts war), und am letzten Tag überwand ich mich noch zu Rapelling (oder auch Canyoning). Aber noch kurz zurück zum Hostel: der Besitzer veranstaltete schon an meinem ersten Abend dort ein gratis BBQ in seinem Restaurant, das Fleisch war noch fast blutig aber FABELHAFT! Und das sage ich als NICHT-Fleischmonster… Ich konnte den Besitzer auch über alle Details seines Businesses ausfragen, inklusive Geldfragen! Das Haus bestand aus 4 Stöcken, wobei nur die obersten zwei zum Hostel gehörten. Auf beiden gab es gut augestattete, moderne Küchen, auf dem obersten waren die Dorms stationiert (jedes Dorm mit 6 Betten hatte sein eigenes Badezimmer), es gab eine geräumige Terrasse mit Tischen und Stühlen und hinten eine weitere, die aber hauptsächlich aus einem Swimmingpool und Sauna bestand! Die Badezimmer sind auch noch erwähnenswert: bestimmt ist es nicht das teuerste Material, aber es sieht top aus (schwarz und weiss, ob Plastik oder Stein, keine Ahnung) und dazu immer sauber und einladend! Übrigens HEISS Wasser, was eine absolute Ausnahme auf meiner gesamten Reise ist 😉 Das ganze Hostel hatte sehr viele Fenster und alle Wände waren weiss gestrichen, sodass es überall geräumig, luftig und hell war! So, genug zu dem, der Rest wird euch wohl nicht so brennend wie mich interessieren 😉

Das Paragliding war toll und ich nahm mir vor, es eines Tages zu lernen, wenn ich mal zu viel Geld hätte und keine höhere Priorität zur Stelle 🙂 Die Loopings in die Tiefe liessen das Adrenalin in mein Gehirn schiessen, besser als eine Achterbahn 😉 Das Hydrospeed fand ich ebenfalls so toll, dass ich mir vornahm, es ebenfalls anzubieten, falls ich eines Tages meine Ranch in Nähe eines wilden Flusses hatte 😀 Man schlug sich dabei zwar ab und zu heftig die Beine an, aber das war’s wert! Einmal nahm mich ein Strudel so fest in seine Fänge, dass ich für bestimmt 20 Sekunden keine Luft mehr bekam und die oben-unten-Orientierung komplett verlor! Aber nein – es war überhaupt nicht gefährlich, denn danach spuckte ich Wasser und alles war wider gut! Was ich dann aber als gar nicht ungefährlich einstufte war das Rapelling oder Canyoning genannt: anfangs waren wir eine Gruppe zu dritt (die erste übrigens an diesem Tag, sodass ich die ganze Installation der Seile mitansah), dann meldete sich der ältere englischsprechende Herr ab, er hatte zu viel Angst. Dann erklärte und der Instruktor kurz, wie alles funktionierte (man wurde an einem Seil „befestigt“, an dem man sich dann mit gegen die Wasserfallwand gespreizten Beinen hinunterlassen konnte), danach ging unser Guide mit der älteren Frau voraus. Mich liess man allein! So viel ich sagen kann, produzierte diese Aktion kein Adrenalin, nur einerlei: Angst! Tiefe, grosse, riesige Angst! Ich machte fast in die Hosen! Es waren 70 Meter die gerade hinunter führten, direkt neben einem ziemlich starken Wasserfall. Am Anfang fand ich es noch ziemlich einfach, dann aber fluchte ich immer mehr vor mich hin, denn das Seil ribschte mir die Hände wund und je weiter man nach unten kam, desto leichter rutschte einem das Seil durch die Hände, und somit rutschte man selbst hinunter! Die ganze Zeit hatte ich eine finstere Wolke über dem Kopf und flucht und fluchte und murrte und murmelte mörderische, bzw. selbstmörderische Dinge. Etwa bei 30 Metern über dem Boden kam ich (da ich keine Hilfe hatte) böse unter den Wasserfall und das tat höllisch weh! Es pretschte auf meine Schultern und Beine, der Kopf war zum Glück durch einen Helm geschützt. Naja, wie auch immer, ich kam unten mehr oder weniger heil an und entschied, das definitiv nicht als neues Hobby mitzuzählen!!! Kein Adrenalin, kein Kick, nur Angst und Schmerz und Angst… Never again: Rapelling!

Am Abend an dem ich abreisen würde, trommelte ich alle Leute vom Hostel zusammen, sodass wir gemeinsam in Sam’s Restaurant essen gingen. Dabei lud ich auch noch einen Paragliding-Chief ein, der mir später auf meiner Reise offerierte, mir das Paragliden beizubringen 🙂 Mal schauen 😉



Cartagena & ein Wiedersehen

30 05 2012

Auf dem Weg nach Cartagena hatte ich einen unverständlichen Anruf erhalten; verständlich genug aber um zu verstehen, dass es um das Hostal Media Luna ging. Ich hatte Fabricio meine Nummer mit eben diesem Hostal-Vorschlag per Facebook geschickt, und so nahm ich an, dass er es gewesen war. Ich suchte also zu Fuss das Hostal und wurde auch bald fündig. Die Dormitorios waren gemischt, also steckten sie mich gleich ins selbe Zimmer mit Fabricio 🙂 Schon unser hallo war temperamentvoll! Unser erster Tag des Wiedersehens war eine Ansammlung aus hitzigen Diskussionen, kleinen Umarmungen und schweigenden Erkundungstouren durch die Stadt. Wir besichtigten das historische Zentrum, das auf einer Art Halbinseln hinter Mauern lag: es war wunderschön. Kutschen verkörperten den Verkehr und überall waberte es nur so vor mittelalterlicher Romanze und Charme. Man konnte auch auf einen Teil der Mauer, wo es ein Restaurant und ein DJ-Pult gab, man hatte Aussicht auf das ganze weite Meer und gerade ging die Sonne unter. Cartagena erinnerte mich stark an spanische Altstädte, ich war verzaubert! Am nächsten Tag hatte sich Fabricios und mein Temperament etwas gelegt und wir gingen uns aus dem Weg, sobald es wieder hervorgügselte. So hatten wir einen wundervollen letzten gemeinsamen Tag, denn am nächsten Morgen früh reiste er ab auf Iselferien. Und ich verbrachte noch den Tag im Hostel, bevor ich einen Bus nach San Gil nahm. Es kam mir sehr teuer vor, und ich hatte schon so das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden, aber als ich dann mit dem Busfahrer darüber sprach, gab der mir einen 10CHF billigeren Preis an. Ich reklamierte beim Ticketverkäufer, aber der rückte nichts heraus, und ich bezweifle, dass er mir das Geld zurückerstattet hätte, hätte ich ihm mein Ticket zurückgegeben. So stieg ich also hässig in den Bus.

 



Santa Marta & Parque Nacional Tayrona

26 05 2012

In Santa Marta nahm ich ein Taxi zum Hihostel, das mich beeindruckte. Es lief auf hochtouren und die Receptionisten waren hoch freundlich, aufmerksam und waren in ihrem Job gut! Es war eine Art Viereck und im Innenhof befand sich ein Swimmingpool, Küche und Aufenthaltsraum. Der Rest bestand aus Badezimmer, Duschen und Zimmer. Die Dorms waren alle mit Ländern benannt, ich schlief im India 🙂 Zu Santa Marta gibt’s nicht wahnsinnig viel zu erzählen, die Stadt erkundete ich in etwa 2h und sie war mehr oder weniger langweilig. Die meiste Zeit verbrachte ich im Parque Tayrona oder im Hostel. Ich kochte ausführlich für mich (versuchte mich an einer venezuelanischen Spezialität: Plattgedrückte Kochbanen anstelle von Brot als Sandwich). Ich traf drei Schweizer! Einer davon war höchst interessant, und wenn er nicht noch in der selben Stunde hätte gehen müssen, dann hätte ich ihn liebendgerne ausgequetscht. Was ich in der kurzen Zeit über ihn erfuhr: er hatte sein (Informatik?) Studium abgeschlossen, hatte aber seither noch nie recht gearbeitet, soll heissen nicht nach dem Studium. Er hatte während dem Studium gearbeitet und zwar so, dass er seither unterwegs war und auch während dem Studium schon jenste Kontinente bereist hatte. Dann belauschte ich noch einge Deutsche, die ich allesamt als dämlich und arrogant und am-falschen-Platz einstufte! Sie lästerten konstant über Südamerika und berichteten in kleinlichem und übertreibendem Stil über ihre lächerlichen „Reisen“. Ich war terrified!

An meinem ersten Abend trat ich mit Fabricio in Kontakt, und wir entdeckten, dass wir praktisch am selben Ort waren. Er wollte aber schon in 3 Tagen weiterreisen (nach Panama) und so entschloss ich, meinen Santa-Marta-Aufenthalt kurz zu halten (ich sollte mich ja sowieso mit meiner Reise beeilen!). So ging ich schon am Morgen nach meiner Anreise früh los, um den Nationalpark Tayrona zu sehen, der in meinem Guide hoch angepriesen wurde. Seine Strände waren hochberühmt! Mit dem Bus fuhr ich bis zum Eingang des Parks, wo ich zuerst einmal fast 20CHF Eintritt bezahlen musste, was ich eine absolute Frechheit fand! Und darauf war ich definitiv nicht vorbereitet gewesen: ich hatte mich 5CHF gerechnet. Auf jeden Fall packte mich dort eine Wut, die mich schnurstraks loslaufen liess. Ich rannte zum Teil sogar, und doch kam ich erst nach 1h bei einer Tafel an, die angab, dass es bis zum Stran – zu dem es ein 45min-Weg sein sollte – noch 50min waren! Okay, also rannte ich weiter! Der Weg wich nun von der Strasse ab und wurde wunderschön. Ich MUSSTE denn nun doch anhalten um ein paar Fotos zu schiessen: der Weg wand sich über Stege, unter Lianen und Bambusdächern hindurch, erklomm steinerne Treppchen und bot fantastische Aussichten. Ein Stück führte durch unbeschatteten grauen Sand, sogar mit meinen Flipflops verbrannte ich mir fast die Flossen! Am Strand angekommen hatte ich kein Wasser mehr, aber zum Glück fand ich einen Kiosk – zwar überteuert, aber ich MUSSTE trinken! Ich legte mich für ca. 2 Stunden in die Sonne, las, warf mich – wenn der Baywatch nicht gerade hinschaute – kurz in die Wellen oder rückte meinen brasilianischen Tanga zurecht 🙂 An diesem Strand waren schon 100te umgekommen, wie es hiess…

Auf dem Rückweg überholte ich sogar Pferde (ich ging diesmal den Pferdeweg, der einiges breiter und unschöner (durch die vielen Pferdeäpfel) war. Es begegnete mir eine Horde von Touristen aber auch eine freie aber vollbepackte Herde von Eseln, die wohl Futter und Getränke zu den wenigen Häusern schleppten. Sie taten mir irgendwie Leid, aber andererseit waren sie einigermassen frei, sie hätten durch den Park flüchten können, wenn sie gewollt hätten… Ich weiss aber logischerweise nicht genug über diese These… Als ich bei der Tafel (50min) ankam, erfuhr ich, dass es eigentlich einen Bus gab, der von hier bis zum Ausgang fuhr. So wartete ich und lernte noch eine junge Frau aus Tschechien kennen. Auch wieder spannende Gespräche, ich lasse das aber mal weg. Am Tag darauf nahm ich den Bus nach Cartagena.

Im Bus wurde ich böse belehrt: es war nur ein 4h-Tripp, aber ich musste mich trotzdem „massiv“ erleichtern, und so ging ich auf die Toilette. Als ich wieder herauskam und mich setzte, vermutete ich schon, dass ich etwas falsch gemacht hatte. Aber dann kam doch tatsächlich der Bustickettyp und meinte leise, ich solle doch das nächste mal bitte vorne anklopfen und um einen Stopp bitten, wenn es so dringend sei… WOW! Das war mal peinlich! Ich schämte mich zwar keines wegs, nein ich ärgerte mich viel mehr darüber, dass man hier über etwas STINKNORMALES so ein Theater eröffnete, denn: der halbe Bus hielt sich die Nase zu oder murrte etwas Unfreundliches in meine Richtung. Sogar meine Sitznachbarin verkniff sich ihren Kommentar nicht! Ich muss hier klarstellen: es stank überhaupt nicht (oder zumindest nicht bis in die Mitte des Busses oder so, dass man sich die Nase zuhalten musste)! Ich fühlte mich sogleich nicht mehr so zu Hause in Kolumbien. Ich danke hier Brasilien, dass man die Natur des Menschens als gegeben nimmt… 🙁



Riohacha & los Wayúu

26 05 2012

Nach einer Busfahrt von der Grenzstadt Maicao aus, kam ich schliesslich noch am selben Tag im kolumbianischen Riohacha an. Als erstes nahm ich ein Taxi zur Touri-Info, wo ich als erstes durch die gute Ausstattung überrascht wurde! Sie hatten jenste Pläne von ganz Kolumbien, dem Staat und der Halbinsel. Dazu auch fotoreiches Touristenprogramme und ein Büchlein mit allen möglichen Adressen. So ging ich bald los, um mir zuerst eine kolumbianische Simcard zu kaufen und zur Bank zu gehen. Das neue Geld verwirrte mich zutiefst. Kaum hatte ich mich einigermassen ans venezuelanische Gelddenken gewöhnt, tauchte ich schon in die nächste Währung ein… Das mit der Simcard kostete mich den ganzen Nachmittag, schliesslich suchte ich erschöpft ein günstiges Hotel. Das war in Riohacha nicht so einfach, denn es gab kein einziges Hostel. Aber schliesslich fand ich eines für ca. 15CHF.  Meine Pläne, die Stadt noch am selben Tag zu erkunden, waren fast zunichte, aber ich ging trotzdem nach dem einquartieren gleich wieder raus, um noch die letzten Sonnenstrahlen auszukosten. Als erstes kaufte ich Kaffee (ich brauchte ihn!), danach wanderte ich an einer der 3 „Hauptstrassen“ hinutern – wobei mir meine Sinne wahnsinnig überlastet erschienen!), suchte Bücherläden (ich war auf der Suche nach einem Deutsch-Franz-Diccionair), kaufte eine Milch, dass ich endlich meine mitgebrachten Kellogs aufessen konnte (wobei ich die Hälfte der Milch gleich vor dem Laden trank) und geriet schliesslich noch in einen religiösen Umzug. Ich glaube es hatte irgendwas mit la Virgen zu tun, denn die Männer des Klans trugen eine Maria auf ihren Schultern. Ich wanderte noch am Strand herum und schliesslich fand ich einer anderen der „Hauptstrassen“ noch ein Internetcafe. Dort drückte ich versehentlich während des Bloggens auf eine Taste, die meinen Bildschirm fast komplett weiss erscheinen liess. Ich fragte den Internettyp um Hilfe und dieser Schloss zu meinem grauen einfach den Browser! Mein ganzer Blogartikel war verloren! Grrr! Danach schleppte ich mich mit letzer Kraft zurück ins Hotel, wo ich noch eine Begegnung mit einer Mamikatze und ihrem Baby hatte 🙂 Ich schaltete den Ventilator ein, legte mich nackt ins grosse Bett und schaute fern. Danaben las ich noch ein wenig in meinem Kolumbien-Guide und in meinem englischen Buch (1984).

Abfall heisst einem in Kolumbien in Massen willkommen...

Minikätzchen 😀

Eine Dusche nahm ich erst am nächsten Morgen, danach packte ich meinen kleinen Rucksack für einen kleinen Tagesausflug, liess meinen grossen im Hotel und machte mich schliesslich auf den Weg zum Collectivtaxistand. Dort fand ich bald eines, das mich für 7CHF nach Manaure brachte. In meinem Guide und im Touristenprospekt hatte ich von Salzseen, bzw. Bergen gelesen, die dort abgebaut werden sollten. Als ich allerdings dort ankam, war das eine reine Enttäuschung. Es war nur noch eine weissliche, halb überschwemmte Wüste zu sehen, man hatte die Berge schon vor x Jahren abgebaut und nun geschlossen. So beurteilte ich das Touristenoffice als doch nicht so toll. Ich nahm also nach meinem Cyclotaxi-Trip das Collectivtaxi zurück nach Riohacha. Zum Cyclotaxi noch: der Kerl wollte mich bös verarschen, obwohl ich ihn zuvor auf eine Malta (hiesisches Getränk) eingeladen hatte, das sollte nicht das einzige mal sein, dass ich in Kolumbien über den Tisch gezogen wurde. Auf jeden Fall lernte ich im Taxi zwei Wayúu Frauen kennen. Die Wayúu sind das „Indianervolk“ der Halbinsel, auf der ich mich befand. Sie haben ihre eigene Kleidung, Sprache und ihre eigenen Bräuche. Dazu später mehr. Eine der Frauen hatte eine fürchterliche Stimme, die mir fast die Trommelfelle verjagten, aber sie war es auch, die mich rau zu ihrem Stamm einlud! Als ich ihr erklärt hatte, dass ich nicht eine geführte Tour zu den Wayúu gemacht hatte, da es mir zu teuer gewesen wäre, meinte sie spontan, ich solle doch zu ihnen kommen. Sie leben ausserhalb von Riohacha, mitten in der Pampa, aber ich könne am nächsten Tag mit ihr mit nach Riohacha fahren. Und sie würden nichts von mir verlangen. Wieder einmal nahm ich ein grosses Angebot an. Ich fühlte mich schon fast wie ein Parasit…

Wir stiegen an einer Kreuzung mitten in der Pampa aus und die Frau, die mich eingeladen hatte, packte mich am Arm, um mich mit Kraft über die Strasse zu führen. Es war eine ziemlich unangenehme Sache für mich, sie drückte mir fast das Blut ab und riss mich herum (sie wog einiges mehr als ich). Ich fühlte mich wie ein armes Hundeding, das am Halsband herumgeschleickt wurde… Auf jeden Fall nahmen wir dann bald den Weg durch die Pampa auf, nur ein winziger Weg, der wohl keinem Touristen aufgefallen wäre, führte zu den verschiedenen Wayúu-Behausungen. Dort angekommen war ich zuerst mal von der Originalität überrascht. Es war wirklich so, wie man es sich vorstellte: Lehmhütten mit Strohdächern, keine Betten, nur Hängematten, keine Klos, keine Duschen. Als erstes wurde ich allen vorgestellt, es sassen alle Frauen beieinander, teils in Hängematten, teils auf Stühlen unter einem Strohdach. Sie boten mir sogleich Mittagessen an, ich hatte zwar keinen Hunger, aber da ich nichts zu essen dabei hatte, schlug ich lieber dann zu, wenn es etwas gab – später war ich dann sehr froh darüber… Ich fühlte mich ganz am Anfang etwas nervös, denn ich wusste ja nicht WIE verschieden unsere Kulturen waren, aber bald schon lauschte ich zufrieden und interessiert ihren Alltagsgesprächen. Ich lernte, dass die Männer und Frauen grundsätzlich getrennt die Zeit verbrachten. Das wurde nicht als strikte Regel angesehen (ab und zu setzten sich Männer für eine Weile zu uns), aber grundsätzlich diskutierten und schliefen sie an verschiedenen Plätzen. Die Wayúu hatten ihre eigene Sprache, genannt Wayunaiky. Das System funktionierte matriarch, das heisst, die Frau gab den Familiennamen, aber Töchter wurden an andere Familien „verkauft“, daher waren sie sehr wertvoll. Männer und Frauen arbeiteten beide, allerdings meinte eine junge Wayúu – namens Yanina – bei einem privateren Gespräch, dass Frauen deutlich mehr arbeiteten: sie „höckelten“ nicht nur die Kunsttaschen in verschiedenen Farben, sondern sie kümmerten sich auch noch um den ganzen Haushalt und um die Kinder! Wenn eine Tochter in die Pupertät kam, bzw. die Menstruation einsetzte, so war es Brauch, ihr alle Haare abzurasieren und sie für 1-3 Jahre in eine Lehmhütte ohne Fenster zu setzen. Dort wurde sie von einer Frau weiter unterrichtet und auch aufgeklärt. Sie blieb so lange in dieser dunklen Lehmhütte, bis ein Mann um ihre Hand anhielt, was er bei der Mutter machte. Der junge oder alte Mann, musste dann den entsprechenden Preis in Kühen, Schafen, Wertsache und ähnlichem begleichen. Danach gehörte die Tochter zur Familie des Mannes. Ich packte die Gelegenheit beim Schopf, als mich Yanina fragte, ob ich mit ihr zu einem kleinen See gehen wolle. Ich fragte sie vorsichtig über ihre Geschichte aus: ihre Mutter war nicht ganz so strikt gewesen und sie hatte die Haar nicht abrasieren müssen. Und sie hatte eine Beziehung mit einem Jungen angefangen (also hatte sie ihn gemocht), und erst als die Mutter davon erfuhr, musste er den Preis bezahlen und sie heiraten. Sie hatten ein Kind. Yanina war aber bald in ihre Familie zurückgekehrt, da sie sich mit dem Jungen nicht mehr vertragen hatte. Yanina’s Kind war 1 Jahr alt und sie selbst war so alt wie ich. Nachdem sie von ihrem Freund/Mann geschwängert worden war, hatte ihr Vater aufgehört für ihre Ausbildung und Ernährung zu bezahlen. So lebten Yanina, ihre Tochter und ihre Mutter immer auf bankrott. Yanina bezauberte mich, sie war so natürlich wie sie war wunderhübsch, ihr Lachen war die Sonne und ihre Art war so locker und ungezwungen (sie erinnerte mich auch ziemlich stark an meine Tante Irma aus der dominikanischen Republik). Sie schien mit allem klar zu kommen, auch in dieser Familie wurde die jüngste Frau herumkommandiert wie ein Dienstmädchen.

Wayúu-Kunst

natürliche Gartenhäge: Kaktushecken!

 

Cyclotaxi in Manaure

grösster Kaktus in der Gegend - stunning!

mein leckeres Mittagessen!

Ich lernte zudem Chicha kennen, ein Getränk das aus gemühltem Mais und Zucker besteht. Das gab es zum Nachtessen – also genau gesagt eine Tasse davon… Dann lernte ich noch eine saure rote kleine Frucht namens Cereza kennen, ich werde sie vermissen. Zum Dessert nach dem Mittagessen gab es Keke, eine dunkelbraune Masse die aus Mehl, Kokosnuss und Rohrzucker besteht. Die Tracht der Wayúu nennt sich Manta und ich kaufte mir am nächsten Tag gleich zwei davon. Sie gefielen mir enorm in ihrer Eleganz und Simpelheit. In der Nacht lernte ich die unangenehmere Seite des familiären Zusammenlebens kennen. Ich hatte mich überreden lassen, mit den anderen Frauen in der Hütte zu schlafen, allerdings wachte ich nach etwa 2h vor Hitze auf. Ich musste dringend aufs Klo, aber als ich raus wollte, wies mich die Frau rau an, ich solle drinnen bleiben und einfach in das kleine Töpfchen pinkeln. Okay, zur Info: es gab keine Elektrizität, also war es stockdunkel, nur eine Kerzenflamme flackerte irgendwo schwach; es waren vielleicht 12 Quadratmeter auf denen 4 Frauen und ein Baby schliefen und die Luft war so schon geeignet um zu ersticken. Ich wiedersprach, aber die Frau wurde lauter. Also zog ich die Hosen runter und pinkelte ungekonnt in dieses Töpfchen. Dank einem riesen Blasendruck sprinkelte es überall hin und ich fühlte mich so schon super unwohl. Naja, danach legte ich mich wieder in die Hängematte und bat darum, dass die Nacht schnell vorbei gehen möge, ohne dass ich nochmals wasserlassen musste. Ich hatte Glück und wachte erst wieder bei hellem Herumgewusel auf. Kurzfristig entschied ich mich nach dem Arepa-Frühstück um, nicht mit der Frau direkt nach Riohacha zu fahren, sondern einen Ausflug nach Maicao zu machen, wo ich mit Yanina noch ein wenig mehr plaudern konnte und meine Mantas kaufen 🙂

Yanina's Tochter

 

kleine Pferdeherde bei den Wayúus

Kaktus"blüten". So ein Stachel steckte mir nach dem Foto im grossen Zeh!

Wayúu Garderobe 😉

andere Wayúu-Familie, die Yanina und ich besuchten

 

Yanina und ihre kleine Tochter =)

 

me in manta

manta and sheep

Arepas zum Frühstück

 

Mit 4 Jahren arbeiten diese Jungs schon als Hirten!



Venezuela upstream ;)

25 05 2012

Helikopter vom Militär, fragt mich nicht zu welchem Zweck der dort stand!

Brücke bei Ciudade Guayana

Autopanne, bereits der zweite explodierte Reifen...

Der Grenzübertritt war ein Desaster, danach fühlte ich die Abneigung gegen Venezuela, die wohl viele Menschen empfanden. Ich musste ein Collectivtaxi nehmen, da angeblich keine Buse fuhren. Und da wir 4 Passagiere so viel Gepäck hatten, mussten sie den Kofferraum mit Schnur zubinden, ziemlich umständlich. Das war dann einer der Gründe, weshalb wir abgezockt wurden. Ein weiterer Grund war, dass eine unserer Passagiere keinen gültigen Pass besass! Und der dritte und ärgerlichste Grund: wir vermuteten alle, dass wir von unsererm Fahrer verarscht wurden, denn er hielt bei jeder Militärkontrolle von selbst, ohne dass sie ihn stoppten… Bei der Grenze verlor ich dann die Nerven, wir mussten zusätzlich zu all der Abzockerei noch Impuesto bezahlen, also Geld, damit man aus dem Land austreten durfte! Soviel ich wusste, mussten das gewisse Länder Europas nicht bezahlen (Schweiz inklusive), da sie irgend ein abkommen hatten. Aber die Militärs bestanden darauf, und so kostete mich diese Reise von nur 3h 50Dollars, was unerhört ist… Ich legte mich dann auch noch mit dem Chauffeur an, bis er mich einfach in der Pampa absetzen wollte, danach hielt ich den Mund und fluchte einfach dunkel vor mich hin. Als wir die Grenze überquerten, fiel mir als erstes auf, dass sich hier an den Strassenrändern viel mehr Abfall sammelte, ehrlichgesagt erinnerte es mich stark an Ecuador, so wie ich es in Erinnerung gehabt hatte. Und ich fühlte mich ein bisschen wie zu Hause 🙂 Kinder sah man mit dem Abfall spielen und Tiere suchten dort nach Essbarem. Aber noch zum Abschluss über Venezuela meine Beobachtungen, Feststellungen, Lieblingserinnerungen und Ähnliches:

-Am Anfang meines Venezuelaaufenthaltes versuchte ich die Ansprache „mi Amor“ an mich gerichtet zu zählen, ich gab bald auf, da es sich nach einiger Zeit als ganz normal herausstellte. Das Witzigste fand ich jedoch, wenn das Militärs oder Polizisten zu einem sagten… Weitere Ansprachen: cariño, gringa, hermosa

-Hupen: hier hatte das Hupen eine zentrale Bedeutung, ich leidete schon in Venezuela unter dem Lärm, aber wie ich später herausfand, sollte es in Columbien noch viel viel übler sein. In Venezuela hupte man wenn: man einen Fussgänger warnen wollte, einen Fussgänger überqueren lassen wollte, überholen wollte, sich aufregte, jemanden überholen lassen wollte (oder manchmal auch nicht!), wenn man an der Ampel stand oder im Stau steckte.

-In Venezuela gab es nach meinem Auge zu urteilen viel mehr hübsche „Mannsgöggel“ 😀 als in Brasilien

-Auch in Venezuela bekam man überall und immer wieder verschiedene Angaben, aber wenigstens waren all irgendwie richtig… 😉

-Die Strassen und Autobahnen werden in Venezuela nicht beleuchtet, daher fahren alle mit Fernlicht und das hat zu Folge, dass es immer höchst gefährlich wird, wenn man Autos kreuzt, weil man dann nur noch Schwarz sieht und dazu noch geblendet wird… Ich hatte manchmal echt ein bisschen Schiss!

-Überall hörte man in der Nacht Salsamusik aus den Bars tönen, gefiel mir wahnsinnig 🙂

-Venezuela erschien mir ENORM religiös, in jedem Auto hing irgend ein Kreuz, die Leute kreuzten sich die Stirn, wenn sie eine Kirche passierten oder auch nur eine kleine Reise mit dem Bus unternahmen. Ich vermied das Thema daher eigentlich immer.

-Hier erschienen mir die Leute deutlich mehr Respekt vor Tieren zu haben, die Pferde waren meist besser gefüttert (vielleicht lag es auch daran, dass das Land nicht komplett als Ackerland diente, und daher mehr Nährstoffe in den Weiden zu finden sind..?), dazu hielt man hier viel mehr Hunde und ab und zu sah man sogar Hauskatzen. Als ich aber mehrmals Strassenhunde fütterte, oder mit ihnen mein Mittagessen teilte, sahen mich die Leute merkwürdig an… ^^

-Die Menschen erschienen mir noch hilfsbereiter als in Brasilien, in nur 3 Wochen Aufenthalt in Venezuela, wurde ich für insgesamt 6 Nächte in lokale Familien und deren Häuser aufgenommen! Wenn das mal nicht was heissen will! Klar hatte ich Glück, und mit dem Spanisch viel mir die Kommunikation deutlich leichter, aber trotzdem. Ich fand die Venezuelaner allesamt super!

-Als Orte werden mir Mérida und der Roraima in guter Erinnerung bleiben: Mérida mit seiner top Touristen-Infrastruktur und seinem tollen Klima (dazu superschöne Häuser) und Roraima, vielleicht hauptsächlich weil es ein so harter Treck war, aber sicher auch, weil es wie alle Guides richtig behaupten, eine Welt für sich war!

-Und natürlich war das Highlight mein Besuch in der Familie Diaz, die mir allesamt ans Herz gewachsen sind! Wenn ich je wieder in der Nähe von Maracaibo landen sollte, dann würde ich sie – keine Frage – besuchen! =)

Das War mein Teil zu Venezuela, nun viel Spass beim weiterlesen über Columbien 😉

Minibüsis wuseln um verschundene Füsse =)

 

Top-Pic: Hund auf Lastwagenware AUFGEBUNDEN!!!

 

der hübesche Uruguayaner war mein Model 😉 jump-into-amazone

mis Yasmina-Gottimeiteli 😉

P.S. an Grossi: han no es anders Bild vo de Yasmina gmalt, aber vo dem hani leider keis Foti vorem zerstörende Roraima-Trek gmacht! 🙁



In der Familie Diaz

20 05 2012

Den Anfang dieses tollen Erlebnisses hatte ich ja schon erzählt. Wie es weiter ging, das folgt nun hier. Zurück im Haus lernte ich meine Gastgeber besser kennen: da war Mafer, die ältere Tochter, liebt das kochen und studiert Politikwissenschaften. Die Mutter Maria Los Angeles, sie ist Ärztin und wie sie mir immer und immer wieder erzählte, war sie seit 2 Jahren von ihrem Mann getrennt, er hatte sie für eine andere Frau verlassen, aber sie waren offiziell immer noch verheiratet, und Maria litt ganz offensichtlich immer noch stark unter der Trennung. Dann war da Enzo, der liebenswürdige Freund von Mafer, sie waren schon seit 4 Jahren unzertrennlich und gaben ein echt harmonisches Paar ab. Beide liebten das kochen, Enzo war die Ruhe in Person und liess sich in dieser Familie vieles gefallen, während Mafer ganz nach ihrer Mutter gerne den Ton angab. Und zu guter letzt, die jüngere Tochter Maria Angelina (ich werde im Text das Kürzel MA verwenden). Sie war ein schulisch hochmotivierte intelligente 17jährige. Ich konnte mich stark mit ihre indentifizieren – vielleicht nicht mit meinem jetztigen Ich, aber bestimmt mit einem früheren. Sie strotzte nur so vor Motivation um neue Dinge zu lernen, sie wollte raus um die Welt zu erkunden, sie lernte auf eigenen Wunsch Sprachen (Französisch, Englisch und Deutsch) und sie war gut! Sie fragte mich über die Sprache Deutsch und über Europa aus. Ich erklärte ihr, dass Deutsch bestimmt nicht besonders nützlich ist, wenn man nicht gerade in DE oder der CH leben und arbeiten möchte, ich nannte ihr die positiven Aspekte des Lebens in Europa oder hauptsächlich der Schweiz aber warnte sie, dass es immer auch eine Schattenseite gab! Sie träumte davon, eines Tages nach DE reisen zu können und als ich ihr von den Schweizer Löhnen erzählte, wollte sie auch gerne in die CH kommen, um der Familie Geld nach Hause schicken zu können. Sie kam in meinen Augen mehr nach dem Vater, sie war weltoffen und dachte nicht in nationalen Grenzen. Ich habe diese ganze Familie ins Herz geschlossen, jeden einzelnen von ihnen, ich hatte ein grossartiges Erlebnis, eine kleine Belehrung auf meinem Lebensweg. Wie das alte Paar aus Nova Friburgo werde ich auch sie niemals vergessen. Mit MA bin ich immer noch in Kontakt und hoffe auch, es zu bleiben. Ich korrigiere ihr Deutsch, und sie mein Spanisch und ich würde sie gerne irgendwann mal in der Schweiz begrüssen können, oder vielleicht eine Reise durch DE machen.

Aber nun zurück zum Geschehen: ich habe die Ereignisse leider nicht mehr in der Reihe im Kopf, aber ich kann so ungefähr zusammenfassen, was ich alles sah und lernte. Venezuelaner mögen kein Gemüse, und Früchte auch eher weniger. Als ich meinen Salat machte, und ihnen anbot, schauten sie mich nur lächelnd an und dankten ab. Allerdings probierte Enzo mutig und meinte, er sollte mehr Gemüse essen 🙂 Ich stimmte schon am ersten Abend einem Arepa mit Schinken zu, verstiess also gegen mein „ich-werde-kein-Essen-annehmen“… Mafer war schlechthin die Köchin im Haus, während MA immer das Geschirr machen musste. Ich lernte Cocosettes kennen, das sind Cookies mit Kokosnuss, echtes Suchtpotential 😉 Mit MA teilte ich in der zweiten Nacht das Bett und wir schauten einen Film auf Deutsch. Maria Los Angeles nahm mich mit Mafer auch noch zum teuersten Luxushotel in Maracaibo mit, sie wollte, dass ich eine Vorstellung davon bekäme. Ich fühlte mich schlicht nach Europa versetzt und die Preise waren keineswegs waghalsig, sie waren für europäische Portmonees sogar recht preiswert! Aber das Flair der Oberklasse ekelte mich geradezu an; erstens war ich es nicht mehr gewohnt und erschienen mir alle dort herumstolzierenden Leute hochnäsig und herabschauend… Ich fühlte mich nach einer Weile auch gezwungen zu erklären, dass mich ein Luxushotel nicht besonders beeindruckte, und dass dies praktisch Normal-Ferien eines Europäers seien. Mafer und Maria schienen von diesem Hotel zu träumen…

Am Muttertag machten wir einen Ausflug nach Santa Rosa de Agua, das war ganz alleine für mich, aber die ganze Familie kam mit. Es endete leider weniger schön: alle stritten sich und Maria rastete komplett aus. Mafer erklärte mir, dass es wegen der Hitze sei, aber mir kam es eigentlich sowieso mittlerweilen so vor, als sei diese Familie wie ein einziger blubbernder Kochtopf und jede platzende Blase war eine „laute Diskussion“. Nach vier Tagen fühlte ich mich etwas unwohl, ich beteiligte mich natürlich nie an irgend einer Diskussion, aber ab und zu hätte ich meine Meinung gern dazu abgegeben. In Venezuela – so lernte ich – war es das absolut Normalste, Kinder als so etwas wie Sklaven zu behandeln. Ich nehme stark an, dass jeder Venezuelaner das verneinen oder auf jeden Fall anderst formulieren würde, aber unter Europäern würde ich das so beschreiben. Die Eltern oder auch einfach die Älteren kommandieren die Jüngeren herum, als seien sie Diener. Mach dies, mach das, hol mir einen Bleistift und zwar schleunigst, renn und hol mir ein Glas Wasser, ich habe Durst, aber wird’s bald?! Mir gegenüber geschah so was nie, aber vorallem MA kam unter die Räder. Ich hätte es als Tochter niemals in diesem Haus ausgehalten, ich wäre vermutlich mit 12 ausgerissen! Und trotzdem konnte man ganz leicht sehen, dass es doch irgendwie gerecht und mit guter Absicht geschah: die Mutter brachte das Geld nach Hause, damit ihre Töchter Essen und Bildung erhielten. Und die Töchter konnten das nun mal nicht in Geld zurückbezahlen, also arbeiteten sie dafür. Zudem war das Angeschreie vermutlich als strenge Erziehung gedacht. Mafer und MA waren durchaus gut erzogen, aber das Geschreie würde vermutlich über die Generationen hinweg weitergetragen, und das war in meinen Augen oft unnötig mentaler Stress. Santa Rosa de Agua war eine Art Dorf auf Pfahlen am Rande von Maracaibo. Es gab sowohl touristische Restaurants (in einem davon musste ich als Schweizerin nach einem Toilettenbesuch eine Unterschrift mit Spruch an weisser Wand hinterlassen) als auch Wohnpfahlbauten. Es war sehr speziell das zu sehen, aber der Dreck im Wasser machte mich halb krank. Fotos folgen irgendwann.

Am Muttertag kaufte Maria für sich selbst und die Familie und Gäste Fleisch für 300 Bolivar ein, was ein echtes Vermögen darstellt (ca. 38CHF). Nach dem ganzen Gestreite im Auto wegen Paranoia vor allemmöglichen (Dieben, platten Reifen, Umfall, etc.) war die Situation so gespannt, dass ich mich sofort ins Zimmer zurück zog. Als ich wieder heraus kam, war sogar Enzo verreist, er hatte sich so stark mit Maria gestritten (es war um irgend ein Detail in der Küche gegangen). Die Paranoia war es übrigens mitsamt dem ganzen Geschrei, die mich nach 4 Tagen abreisen liess. Es erinnerte mich stark an meinen Vater, der ja auch dieser Krankheit verfallen ist. Zudem begann ich, Paranoia als eine weltweite ernstzunehmende Krankheit zu sehen anstatt als Überreaktion… In der Nacht vor Muttertag (oder danach?) backte Mafer eine riesen Torte, dazu benutzte sie einen Eimer, mit dem man 3 Pferde hätte füttern können. Die Torte schmeckte dann sehr gut, war mir aber viel zu buttrig und fettig…

Dann bleibt da noch der Hund Zeus zu erwähnen: er war der jüngste unter 5 komplett unterschiedlichen Hunden. Er hatte sich schon am ersten Abend in mich verliebt – wie mich Enzo unterrichtete. Zeus war ein Geschenk von Enzo an die Familie gewesen. Maria schlug den Hund am liebsten, denn er hatte null Manieren und beachtete auch nicht all das Geschrei 🙂 Allerdings ging mir seine Verliebtheit nach einer  Weile auch ein bisschen auf die Nerven: er hüpfte immerzu an mir hoch und warf mich fast um. Dann biss er mich immer sanft in die Sehne, wenn ich versuchte, wegzulaufen oder ihm auszuweichen, schleckte immer wenn es irgendwie möglich war meine Hände ab oder schnupperte mir zwischen den Beinen herum… Aber ich mochte ihn natürlich sehr, er war ein Tier, und ich fühle mich einfach am richtigen Platz, bei Tieren. 🙂

die Namen hab ich schon wider vergessen, sowas wie Tim und Nieva?

Zeus, der sich in eine Sterbliche verliebte... 😉

An einem Tag kochte Maria einen Eintopf mit Shrimps, dazu gab es Yuca und Brot. Ich liebte dieses würzige Mal und genoss das Essen in allen Zügen. Dabei kamen auch noch der Fahrer (der überigens Fernando heisst), also der Ex von Maria und eine alte Freundin von Maria. Aber Maria zerstörte wieder einmal die Atmosphäre, indem sie hoch direkte Anspielungen über „ihren Ehemann“ fallen liess. Nun ja, ich bin ja selbst ein bisschen verbittert, also kann ich sie irgendwo gut verstehen. Aber es IMMER SO hochzuspielen war irgendwie etwas unnötig… Zudem erfuhr ich, dass diese alte Freundin früher die Töchter gebabisittet hatte und nun immer wieder vorbei kam, um von Maria etwas Geld abzuknöpfen, weil sie keines hatte. Ebenso kam deren Tochter eines Abends vorbei und fragte indirekt nach Geld, meinte, sie hätte kein Geld mehr, um das Heimtaxi mit ihrem Sohn zu bezahlen. Aiaiai, ich seh da nicht tief genug, aber mir schien das alles sehr abzockerisch… Und dies sollte nicht das letzte mal sein, dass ich Venezuelaner für Abzockerei beschuldigte…

Am Morgen meiner Abreise bereitete ich mir einen Multi-Fruchtsaft mit allen möglichen Früchten, die ich hier in Maracaibo gefunden hatte (dazu gehörten auch Ciruellas, keine Ahnung wie das auf Deutsch heisst). Maria bekam fast die Krise, als ich meinte, ich wisse nicht so genau, wo ich in Columbien als erstes hinwolle. Sie meinte, es sei viel gefährlicher als Venezuela, alle wollen dich ausrauben und es gibt natürlich kein richtiges Essen, keine Milch und alles war teurer…  Sie wollte mich über die Gefahren des Reisens aufklären, was mir an jenem Morgen doch gehörig auf die Nerven ging. Ich war schliesslich mit meinen 19Jahren etwa 1000mal so viel gereist wie sie… Naja, ich wusste ja, dass es nur gut gemeint war… Dann erfuhr ich auch, dass man in Venezuela anscheinend nicht mal im Heim leicht bekleidet herumlaufen kann. Als ich mir aber eine Hose anziehen gehen wollte, meinte sie, es sei schon okay. Erst bei jener Bemerkung fiel mir auf, dass ich in Venezuela nur Prostituierte in aufreizender Aufmache gesehen hatte, nie aber sonstige Frauen, nicht mal im Ausgang! Ich vermutete, dass, wenn sich eine Frau freizügig kleiden würde, die Männer jeglichen Respekt verlieren würden… Es war ja schon vermummt unmöglich, nicht angemacht zu werden… MA war an jenem Morgen schon um 6 aus dem Haus gegangen, Maria ging um 8 und ich konnte nur noch Mafer richtig Ciao sagen. So liess ich einen Briefumschlag mit einem kleinen monetären Dankeschön und einem persönlichen Brief für jeden unter dem Kopfkissen. MA schrieb mir später, dass sie grosse Freude daran gehabt hatte, dass ihr Brief auf Deutsch geschrieben war 🙂 Das war mein Aufenthalt in der Diaz Familie 🙂

Enzo, Mafer und Maria Angelina 🙂

 

unser letzter gemeinsamer Abend =)



Maracaibo, die heisse Stadt!

20 05 2012

Im Collectivtaxi fragte ich den Fahrer, ob er günstige Hostels in Maracaibo kenne. Als er dies mit nein beantwortete, fragte ich, ob er mich beim Hotel so und so lassen könne. Nach Diskussion willigte er ein. Aber dann informierte er mich über den Preis, und ich fiel fast vom Hocker! Das Hotel war von Lonely Planet als günstig angeprangert worden (meine bisherige Erfahrung sagte, dass Lonely Planet für Übernachtungsmöglichkeiten der beste Guide war)… Nachdem ich meinem Frust über die Kosten dieses Tages Platz gemacht hatte, warf der Chauffeur auf einmal ein, er könne ja mal seine Töchter fragen, die wohnten nämlich in Maracaibo. Gegen meine Gewohnheit willigte ich sofort ein und dankte ihm. Er smselte 2h hin und her, bis er mir positiven Bescheid gab. Ich fragte, ob deren Wohnort denn weit vom Zentrum sei, und er beantwortete mit „ja schon“. Ich fragte mich, ob das schlau war, denn so musste ich vielleicht horrende Transportkosten bezahlen. Aber als wir erst um 1 oder 2 Uhr nachts (ich erinnere mich nicht mer genau) ankamen, war ich höllenfroh, nicht mehr ein Hotel suchen zu müssen. Ich wurde ganz merkwürdig begrüsst, fühlte mich am Anfang deutlich unwohl und diebisch. Es war ein Haus, das der Exfrau des Fahrers gehörte. Sie wohnte dort mit deren zwei Töchter und dem Freund der Tochter. Der Freund war am Anfang der einzige, der mir ein nicht-beklemmendes Gefühl gab. Aber an diesem Abend spielte das sowieso kaum noch eine Rolle, ich war sooo müde vom ganzen Tag, dass mir das irgendwie alles ein bisschen egal war. Ich wusste nicht, wie man sich in Venezuela in fremden Häuser benahm, schon gar nicht, wenn man die Leute nicht kannte. So war ich einfach froh um jedes Angebot, das sie mir machten (wie zum Beispiel eine Dusche zu nehmen, mein Essen im Kühlschrank zu lagern oder gleich ins Bett zu gehen), ich nahm alles dankend an. So entdeckte ich schon am ersten Abend, dass das Haus kaum Wasser spuckte, ich „duschte“ unter einem Wasserfaden…

Der nächste Morgen verlief folgendermassen: ich ass mein restliches mitgebrachtes Essen aus Apartaderos (Fladenbrot, ein Stück Schockolade, ein Mandarinchen und ein paar Cornflakes), dann fragte ich, ob ich mein Gepäck hier lassen könne, bis ich ein Hotel gefunden hätte. Klar, kein Problem! Wie ich erfuhr, war Mafer (die ältere Tochter) extra nicht zur Schule gegangen, damit ich nicht um 6 Uhr aus dem Haus geworfen wurde… :-S Auf jeden Fall erklärte mir Mafer, wie ich ins Zentrum kam (ich musste wieder eins dieser Collectivtaxis nehmen), ich watschelte zur „Station“ und wartete mehr als eine Stunde. Langsam begann ich zu bejahen, dass Maracaibo die heisseste Stadt ganz Venezuelas war (vielleicht sogar heisser als jede Stadt, in der ich in Brasilien gewesen war)… Es war vielleicht 9 Uhr morgens, aber die Sonne pretschte auf die Strasse, sogar im Schatten schwitzte ich schon Bäche! Kurz bevor ich ein Taxi erwischte, erwischte mich Mafer: sie kam die Strasse hinauf gerannt und meinte, ihre Mutter hätte gerade angerufen und gesagt, ich könne noch ein Weilchen bleiben, wenn ich wolle! Ich war heilfroh, mein Budget war von Venezuela bereits überstrapaziert (bzw. noch von Brasilien) und ich war froh um jeden Penny, den ich irgendwo sparen konnte (solang es nicht ums Essen ging 😉 ). Ich bin sonst wirklich nicht so die Natur, die jedes Angebot annimmt, aber auch hier machte ich eine Ausnahme. Aber ich sagte zu Mafer, dass ich zuerst trotzdem in die Stadt fahren wolle, um Maracaibo kennenzulernen und Essen einzukaufen (ich nahm mir fest vor, kein Essen von ihnen anzunehmen – das schlug bald fehl 🙂 ).

Das Sightseeing stellte sich für mich als eher langweilig heraus und ich war auch immer noch erschöpft vom vorigen Tag. Wie immer gab es da die Kirchen, wobei diese hier in gewisser Weise schon speziell waren, denn sie waren allesamt hochmodern! Die eine sah aus wie aus Walt Disney entsprungen, sie war in einem mitteldunklen Blau gefärbt und hatte aber rein gar keine Schnörkel! Maracaibo war mir trotz Langeweile recht sympatisch, es herrschte reges Getreibe auf fast allen Strassen, an der ganzen Küstenpromenade wurde gehandelt und geshoppt, ich sah wunderschöne weisse Baumwollkleider (günstig) und kaufte einen monton de frutas (einen Berg von Früchten)! Danach hockte ich für 2h an einem CD-Stand fest: ich durfte alle CD´s ausprobieren und so hörte ich mich einfach durch alle Salsa-CD´s durch, die mich irgendwie anlachten. Das Witzige dabei war, dass dabei alle rundherum mithören mussten 🙂 Und das Beste war, als ich ein paar mal anscheinend in Venezuela geläufige Lieder abspielen liess und die ganzen alten Männer rund herum begannen mitzusingen 😀 Das war ein tolles und fröhliches Erlebnis! Danach lief ich noch ein ganzes Stück zu einem Gemüsemarkt, wo ich weitere Taschen voll einkaufte. Salat, Tomaten, Atuna, Karrotten, Mais, Frühlingszwiebeln, das war hier zu meinem Lieblings-Gesundheits-Menu geworden 🙂 Hier rannten Kinder durch die Strassen und versuchten mir Handtaschen in die Hand zu drücken. Ich fand das recht unangenehm, denn man hörte viel von Diebkindern und andererseits waren diese vielleicht nur hier, um ihr Leben zu erhalten… Auf jeden Fall ging ich danach gleich zurück zu Collectivtaxihaltestelle (die ich kaum fand, keiner wusste so recht, wo die war) und fuhr zurück nach Manzanillo – das Heimquartier von meiner „Gastfamilie“.