Ouro Preto – Schwarzes Gold

4 03 2012

Der Weg nach Ouro Preto gestaltete sich komplizierter und viel länger als gedacht: anstatt geplanten Stunden kostete mich der Weg zwei volle Tage. Eine Übernachtung musste ich spontan in einem Hotel gleich neben einem Rodoviaria verbringen, da keine Busse mehr fuhren. Zudem wollte ich auf keinen Fall über Rio de Janeiro (Umweg und viel teurer!), und so fuhr ich spannenderweise durch das Nichts von Brasilien: Abgeschnitten von der Welt, einige Bauernhöfe oder Häuseransiedlungen, null Touristen weit und breit. Es war echt mal spannend das auch zu sehen. Juiz de Fora, wo ich eben diese ungeplante Nacht verbrachte, war eine hässliche Stadt. So hässlich, dass ich mich sogleich in meine Hotel verkroch und vor meiner Abfahrt am nächsten Morgen nicht mehr rauskam!

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Der Weg von Juiz nach Ouro Preto war echt schön, hier gefiel mir auch die Landschaft sehr gut, vielleicht etwas ZU hügelig, aber sie hatte wirklich Charme. Das Barrockstädtchen bestand hauptsächlich aus Kirchen, die mir persönlich bald vergingen. Es sind glaube ich 22 Kirchen in diesem Kaff, in dem man am Sonntag sogar Mühe hat, Essen aufzutreiben. Ich lernte am zweiten Tag eine Deutsche kennen, mit der ich die nächsten zwei Tage verbrachte: sie stellte mein gesammtes Vorurteil über die Deutschen auf den Kopf (sie hatte denn auch Wurzeln in Russland). Wenn wir im selben Land wohnen würden – ich glaube sie würde eine meiner wahren Freundinnen werden. Ich mochte die Zeit mit ihr, ich liebte die Gespräche die wir führten, ich fand das Zusammensein passend und einfach, nie kompliziert, nie anstrengend. Wir hatten Diferenzen, aber die teilten wir uns neutral mit und beliessen es dabei! Eine echt tolle Person!

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An unserem gemeinsamen ersten Tag gingen wir zuerst zu einer Miene IN Ouro Preto selbst (cool wenn Attraktionen so nah sind), danach machten wir uns auf den Weg zu einem Wasserfall, den wir von einem brasilianischen Pärchen (mit denen ich am Abend zu vor ein arabischen Nachtessen eingenommen hatte) empfohlen bekommen hatten. Der Fussweg dauerte ich schätze mehr als eine Stunde. Ab und zu stoppten wir irgendwo um tolle Fotos zu machen, dabei wurden wir von einem schwarzen Brasilianer geführt. Wir waren beide durchaus misstrauisch, aber da es ab und zu wieder Leute auf dem Weg gab, dachten wir uns nichts mehr dabei und folgtem ihm wie Hunde. An einer Stelle verabschiedeten wir uns dann klar von ihm und gingen unseren eigenen Weg, bis er uns wieder eingeholt hatte. Ohne ihn hätten wir den Wasserfall kaum gefunden, allerdings hatte es auch noch seine eklige Seite – zu der komm ich noch. Wir mussten richtig klettern um den Hang aus Stein runterzukommen und dann noch zwischen den Steinen hindurch, bis zum unterirdischen Wasserfall. Es war faszinieren. Faszinierender als Foz do Iguaçu! Es war ein relativ kleiner Wasserfall, aber er war rot, wurde nur von einigen Spalten in der Decke beleuchtet und verzauberte die Grotte in einen magischen Ort!

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Der Schwarze wollte uns noch weiter nach unten führen, mir war das dann aber doch zu gefährlich (mit meiner Höhenangst die meine Beine doch des öfteren zittern liess, und auch trauten wir ihm nicht so ganz). Aber er folgte uns auf Schritt und Tritt und als ich mich bei anderen Leuten nach einer Fazenda erkundigte, meinte er, er kenne sie und würde uns dahin bringen. Also zottelten wir wieder hinter ihm her, doch nah heisst auf Brasilianisch nicht immer nah. So liefen wir bestimmt noch mal eine Stunde, bis uns dann ein Kumpel des Schwarzen aufgabelte und zu einem weit entfernten Ort fuhr. Dort fragte der Schwarze nach der Fazenda, und wir zwei Mädels begriffen, dass er keine Ahnung hatte, und einfach die Zeit mit uns Touristen verbringen wollte. Wir stiegen aus dem Auto aus und guckten uns um: wir sahen einen Hund mit abgeschnittenem Schädel! Ein kleiner Hund lag am Strassenrand, lebendig, nach Fliegen schnappend, ein Loch von etwa 15cm Durchmesser klaffte an seinem Schädel: Haut und Knochen weg, das Gehirn war zu sehen, und auch dieses war aufgeschnitten! Frag mich nicht, wie dieses Wesen noch am Leben sein konnte, ich konnte es selber kaum glauben. Mir wurde echt echt übel, und ich wurde stinksauer, weil diese verdammten Leute einfach nichts taten, sie sassen einfach vor ihrem Haus und guckten den Hund ab und zu an. Ich fragte zuerst, ob es einen Tierarzt in der Stadt gab, ob wir ihn mitnehmen könnten, darauf bekam ich einfach keine Antwort! Also hakte ich energisch weiter, ob sie denn bitte einen Tierarzt rufen könnten, ich würde auch bezahlen! Deren Antwort: Der gehört nicht uns, geht uns nichts an! Mein Bild von Brasilien sackte in diesem Moment wahrhaftig nach unten, diese Leute widerten mich an, ich hätte sie am liebsten angekotzt! Wir bekamen von dem Mann eine Führung durch sein Anwesen (eine Fazenda ohne Pferde und Tiere), allerdings wunderschön, danach war der Hund verschwunden. Ich und die Deutsche hielten auf dem Rückweg noch nach ihm Ausschau, aber keine Spur mehr von ihm. Ich wünsche mir, dass er schnellstens gestorben ist. Lieber hätte ich ihm eine Kugel in den Kopf gejagt, als ihn dort liegen zu lassen! Das ist kein Leben mehr, garantiert!

Dieses Bild wird mir nie mehr aus dem Kopf gehen.

Nach diesem Anblick wollten wir beide schnellstens zurück in die Stadt, jedoch zeigte uns der Schwarze unterwegs noch eine weitere Fazenda, die auch Pferde hatte. Allerdings bekam ich die nicht zu Gesicht, da sie irgendwo weit weg am grasen seien. So bekamen wir eine Führung durch die Villen, herrlich, ein Luxushotel erster Klasse, mit viel viel Stil!

In der Nähe des Zentrums liessen wir uns ausladen und verabschiedeten uns von den beiden kuriosen Typen. Wir kauften was zum Essen und machten uns auf den Weg ins Hostel. Den Rest möchte ich nicht mehr im Detail schildern, auf jeden Fall tauchte der Schwarze noch drei mal auf, einmal spät in der Nacht, als wir beide schon von einem Pfirsichlikör angeschwippst waren, und einmal am nächsten Morgen um 6Uhr, als ich kurz aus dem Zimmer schlich, um ein Foto vom Sonnenaufgang zu machen! Echt beängstigend, diese Klette, er rief sogar mehrmals an und liess die Angestellten nach uns verlangen. Zum Glück hatte ich einen falschen Namen angegeben, somit existierte diese Person gar nicht im Hostel… Naja, ich fand das echt mühsam und war dann auch froh, Ouro Preto unbehelligt verlassen zu können. Ich und die Deutsche hatten noch einen weiteren tollen Tag zusammen, dann speedete ich in letzter Sekunde noch auf den Bus nach Belo Horizonte, wo ich ja den Schweizer wieder treffen wollte (den ich im Pantanal kennengelernt hatte). Zuerst vergass ich meine Schuhe (ich war mit FlipFlops losgerast) rannte also mit 20kg Gepäck oder mehr wieder zurück, schaffte es in allerletzer Sekunde noch auf den Bus (der Weg war bergaufwärts, so kam ich in Schweiss gebadet an). Im Bus fiel mir aber ein, dass ich 2 von 3 BHs vergessen hatte, zudem meine Jogurts (mein Proviant für den Weg), ein T-Shirt und ein paar Unterhosen. Zudem hatte ich ein Bikini (von meinem Lieblingsshop in Barcelona) nun endgültig verabschieden müssen, da es so ausgelödeled war, dass es nicht mehr an meinem Arsch hielt xD Übrigens waren meine mitgebrachten Unterhosen von meinen ständigen Handwäschen schon arg mitgenommen, verlöchert, sodass ich eine grosse Shoppingtour in Belo Horizonte plante. Chris, der Schweizer, wartete dort am Rodoviaria auf mich.



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