Nova Friburgo – mit Bus „Nova Suiça“
4 03 2012Mein Herz hat an diesem Ort ein Stück zurückgelassen. Die Ankunft war ein Horror, aber alles danach war so positiv, dass es dies mit Links wieder gutmachte und ich würde sogar behaupten, dass Nova Friburgo sich in meinem Gedächtnis als positivstes Erlebnis auf meiner bisherigen Reise eingebrannt hat 🙂
Der Bus von Cabo Frio nach Nova Friburgo hatte insgesamt 4 Stunden Verspätung, ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, weshalb. Auf jeden Fall fragte ich während des Stops den Buschauffeur, ob Nova Friburgo die Endstation sei (sonst hätte ich nämlich die ganze Zeit hellwach wie ein Reh über die unangekündigten Stops wachen müssen). Aber ich bekam eine bequeme Antwort, so konzentrierte ich mich während der restlichen Fahrt hauptsächlich noch auf meine Gedanken…
– ich denke viel über Kühe nach, zum einen seit eine gute Freundin meiner Mutter vor Jahren mal meinte, sie bewundere oder wünsche sich das Leben einer Kuh, denn sie frisst Tag und Nacht, gemütlich in den Alpen, schlafen. Nie muss sie auf einen Bus stressen, Menschen umhertragen oder irgendwelche idiotischen Zirkuskunststücke vollbringen. Die Kuh ist ein vollkommenes, gemütliches, zufriednenes, natürliches Tier. Und als ich nun kurz vor meiner Abreise noch in einer Tierarztpraxis schnuppern ging, und der Grosstierarzt mich zu all diesen Kuhställen in der ländlichen Schweiz mitnahm, kamen neue, frische Gedanken zu diesem Thema hinzu. Ich fand es schrecklich: der Anblick von den aneinandergereihten Kühen auf engstem Platz, der ganze Gang oder Hinterteil eines Stalles besteht aus einem See von Scheisse und sie werden gemästet und geschwängert, als wären Kühe keine Lebewesen, sondern Gefässe. Der Tierart allerdings gab mir noch eine andere Perspektive zu bedenken: Kühe sind domestizierte Tiere, sie haben kein „wildes Naturverhalten“, sie sind dazu gezüchtet, nur zu fressen (bis zum umfallen…). Aus dieser Sicht kann man gleich sagen, dass es für eine Kuh das Schönste auf der Welt sein muss, Futter um Futter serviert zu bekommen… Versteht man, was ich sagen will? Überall gibt es mehrere Perspektiven, manchmal ist es schwieriger, sie alle zu vereinen, aber in diesem Fall fand der neue Gedanke auch in meinem Gehirn gewisse Logik – auch wenn ich hier entgegnen könnte, dass diese Perspektive bloss eine erfundene oder verschönerte Entschuldigung für die Bauern sei… Naja auf jeden Fall sind es ja sowieso wir Konsumenten, die solche horrende Anstalten als Konsequenz zu unserem ungemässigten Fleischhunger herbeiführen… Ausserdem fand ich den Anblick in Brasilien gerade zu sympathisch: bisher hab ich nur Freihaltung gesehen, soll heissen Kühe die auf riesigen Landflächen frei herumlaufen und grasen können, soviel sie wollen. Die Kühe hier sehen allerdings gerade zu mager aus im Vergleich zu den Monster-Töndern in der Schweiz. Nun, persönlich ist mir Brasilien was Kuhhaltung angeht definitiv lieber…
– eine Sache die mir in Brasilien wirklich zu schaffen macht, die mich regelmässig sehr ärgert: wenn man nach etwas fragt, antwortet einem jeder etwas vollkommen anderes. Ich glaube ich habe dies schon erwähnt. Zusätzlich finde ich hier auch ab und zu gröbere Unlogik vor (eine Deutsche die ich getroffen hatte, umschrieb es als „kein selbständiges Denken“). Beispiele: an einem Handwerker Markt für Touristen hat jeder Produzent fast exakt das selbe Angebot! Was ist das denn für eine peinliche Fantasielosigkeit?? Das finde ich so RICHTIG schade! Anderes Beispiel: Restaurants haben hier manchmal ein System für das bezahlen, was ich unmöglich unpraktisch finde, entweder weil sich so immer enorme Schlangen bei der Kasse bilden, oder weil man hin und her rennen muss, oder sonstige Mühseeligkeiten… Ich habe manchmal das Gefühl, die Brasilianer hätten einen Sinn für „Komplizierung“ ^^Auch das Sytem der Busse finde ich hier nicht gerade lobenswert, denn in Brasilien gibt es doch immerhin viele Touristen und auch viele stak Übergewichtige! Trotzdem muss einfach JEDER sich durch diese dämlichen Drehkreuze, wo kaum jemand durchpasst und man bei den Strassen oder Fahrstilen der Buschauffeurs danach öfters Mühe hat, nicht gegen irgendwas zu knallen. Nur selten lassen sie mich mit meinem behindernden Gepäck hinten/vorne einsteigen. Oftmals sagen sie einfach: das funktionier schon irgendwie, wollen mir dann netterweise auch helfen, aber sind einfach zu schwach, um meine Rucksack über das Drehkreuz zu heben! Grrrrr…
Aber nun genug der Gedankengänge. Meine Ankunft:
Anstatt um 21.00 Uhr kam ich um 01.00 Uhr in der Nacht am Rodoviaria an. Und der nette Buschauffeur hatte mir zwar gesagt, dass die letzte Station Nova Friburgo sei, was es auch war, aber er hatte wohl nicht die Notwendigkeit darin erkannt, dass man einem Touristen sagen musste, dass der Rodoviaria weit ausserhalb vom Zentrum war, und dass der Bus zuerst auch noch im Zentrum hielte… So musste ich um eins in der Nacht mit knurrendem Magen und erschöpften Augen ein Taxi zurück ins Zentrum nehmen. Der Taxifahrer meinte, es würde mich höchstens 10CHF kosten, also willigte ich gerne ein. Allerdings fuhr er zuerst zum komplett falschen Hostel, am Ende (nach Telefonaten seinerseits, Warteminuten bei dem falschen Hostel, und herumgekurve) kostete mich die Taxifahrt 20CHF was mich reute (für Brasilien ist das ziemlich teuer). Schliesslich war das Hi-Hostel auch verlassen, kein Schwein machte mir auf, nachdem ich wie eine Notleidende herumgeschrien habe. So wollte ich über den Zaun klettern, was ich allerdings mangelnder Sportlichkeit nicht fertigbrachte. Schliesslich fand der Taxifahrer (der nettweise noch warten wollte, bis ich meinen Zutritt hatte) heraus, dass das Schloss zwar angebracht, aber nicht verschlossen war. Also konnte ich durch das Tor gehen, verabschiedete mich vom Taxifahrer und trat in das dunkle Haupthaus der Jugendherberge ein. Ich klingelte xmal an der Klingel, klopfte an alle Türen, die mit Stuff beschriftet waren, schrie im Haus herum… keine Reaktion. Schliesslich legte ich mich schlechten Gewissens und auch wütend auf dem Sofa schlafen.
Am nächsten Morgen wachte ich von Geschirrgeklapper auf, ich sprang auf und rannte dem Geräusch entgegen. Einerseits wollte ich mich umgehend bei den Hostelführern entschuldigen für meine Unverfrohrenheit, andererseits wollte ich mich beklagen, dass einfach kein Schwein auf meine vermehrten Versuche reagiert hatte. Die Frau die in der Küche stand war total schockiert, als ich ihr mitteilte, dass ich auf dem Sofa geschlafen hatte. Sie hatte mich nicht einmal bemerkt! Sie meinte, das Frühstück sei gleich fertig und ich könne dann gleich in das Zimmer einchecken. Immer noch misstrauisch fragte ich nach den Preisen, und nach der Summe, die sie mir abknöpfen wollte (ich rechnete durchaus damit, dass sie mir diese Nacht zumindest zum Teil auch verrechnete…). Allerdings erkannte ich nach einigen Verständigungsschwierigkeiten, wie lieb diese Frau war! Sie erliess sogar das Frühstück, meinte, es sei ein Geschenk, weil sie mich gestern nicht läuten gehört hätte. Ich ass mich also an diesem HERRLICHEN Frühstück, welches aus dem besten Fruchtsalat meines Lebens – bedenke, ich hatte schon seit fast 24h nichts mehr gegessen – , Wassermelonen, Müesli, Brot, Schinken, Kuchen, Guetslis, Kaffe mit Schockoladenpulver, Maracujasaft und so weiter bestand 🙂 Danach haute ich mich aufs Ohr, bis ich am Mittag wieder von Geschirrgeklapper erwachte. Da fragte ich, ob ich auch hier essen könne, denn das nächste Restaurant war weit ab. Sie teilte mir mit, dass dies sogar ein kleines Restaurant sei, und dass ich jeweis für 6 Reais (=3.10CHF) ein Mittagessen einnehmen könne! Innerlich sprang ich in die Luft vor lauter Freude auf das Essen 😛 Und so blieb ich dann anstatt nur eine Nacht drei Nächte in Nova Friburgo, nahm jeden Tag das oberleckere Essen dort ein, am Abend schnitt ich mir Annanas auf, kochte mir eine Suppe oder ernährte mich von fruchtigen Jogurts. Es waren herrliche 3 Tage und sie kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Ich genoss jede Sekunde (trotz Mens ;), genoss die Sonne, die EINFACHE, herrliche Küche, die Wolken, das alte Paar, welches das Hostel führte und mich wie in eine Familie aufnahmen, die Schwümme im kalten Pool, den Auflug in das Shopping-reiche Zentrum, die Ruhe, den Ausblick über das Gebirge, die Frische in der Nacht, einfach alles 🙂
Nova Friburgo, mein bisherig absoluter Lieblingsort. Wenn ich wieder einmal auf Brasilien kommen würde, würde ich Berge bewegen um diesen Ort nochmals zu besuchen! =)
Comments