Salvador

30 03 2012

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Mit einer Fähre wurden wir zu dritt ins Lichtermeer von Salvador transportiert. Dort angekommen trennten wir uns: Fabricio ging zu seinem Kontaktmann, ich und Anna suchten das Hostel, das wir zuvor im Internet ausgesucht hatten. Das stellte sich als keineswegs einfach heraus – wie so oft… Aber schliesslich gelangten wir doch noch dorthin und erfuhren, dass der Preis keineswegs mit dem im Internet übereinstimmte… Dies wiederum verstimmte uns etwas, denn wir waren einen qualvoll langen Weg von der Busstation bis zum Hostel gewandert (ich glaube es war fast eine Stunde in unserem langsamen Fussmarschtempo, mit jeweils etwa 20-30kg Gepäck), vorbei an anderen Hostels, nur weil wir erwartet hatten, dieses wäre das günstigste. Wie dem auch sei; wir nahmen all mein Geld in die Hand und machten uns einen schönen Abend: wir gingen in ein superleckeres Restaurant direkt an der Küste, italienisch. Wir bestellten Vorspeisen, Hauptgang und Wein. Zum Schluss holten wir noch ein günstiges Eis 🙂

Das Hostel stellte sich als untoll heraus: ich wurde wahnsinnig von Moskitos verstochen, die Luft im Zimmer war wohl 1000 Jahre alt, denn sie zirkulierte einfach überhaupt nicht. Der Ventilator schien da auch nicht helfen zu können. Das Frühstück liess ebenfalls gross zu wünschen übrig. So suchten wir gleich am nächsten Tag ein anderes Hostel auf. Es wurde zu einem Sprinter-Stress-Tag für mich. Zuerst lud ich mein Gepäck im Hostel ab, dann rannte ich mit Anna in der uns unbekannten Stadt herum, um noch schnell Passfotos vor dem Abflug nach Brasilia zu schiessen, zudem sollte ich noch etwas Geld spucken 😉 Schliesslich rann uns die Zeit wie Sand durch die Finger und wir fanden keinen funktionierenden Bankomaten. Alles ging jedoch irgendwie gut, Anna nahm notfallmässig ein Taxi zum Flughafen und ich – ich war einfach ein verschwitztes Wrack, als ich mich auf die Steine vor dem Hostel plumpsen liess, um – wie vereinbart – auf Fabricio zu warten.

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Zu zweit erkundeten wir die Stadt, besuchten das Afro-Brasileiro-Museum und einen berühmt-berüchtigten Markt, der sich halbwegs als Fauxpass herausstellte: er war nicht etwa 10 Minuten zu Fuss entfernt, sondern etwa 2h! Allerdings lohnte sich dieser Besuch in meinen Augen, denn ich sah wieder einmal die grausame Gefangenschaft der Tiere: Vögel in winzigen, verschissenen Käfigen, Ziegen mit zusammengebundenen Beinen ganztags am Boden liegend, Meerschweinchen zu 20 auf einem halben Quadratmeter… etc. Ich gab mich als faszinierte Tierliebhaberin aus und konnte so Fotos von diesem Widertum machen…

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An einem anderen Tag in Salvador, gingen wir ins Quartier Barra, es handlet sich dabei um eine riesenlange Parade am Meer, mit Palmen, Strand und teuren Restaurants 😉 Wir besuchten das Forte, also die Festung die an der „Ecke“ der Parade trohnte. Sie war keineswegs so spannend wie wir erwartet hatten und so begaben wir uns schon bald auf den Weg zum Italiener, wo ich und Anna schon unser Abendmal verzehrt hatten.

Fabricio kam für eine Nacht auch ins Hostel (welches wir übrigens sehr mochten, denn das Frühstück war das beste in ganz Brasilien und täglich von 5-6 Uhr abends gab es gratis Caipirinhas ohne Grenzen :-D), da dieses im Zentrum war und nicht 2h davon entfernt, wie das Haus seines Kontaktmannes. So hatten wir 2 Tage um durch Salvador zu watscheln. Wir kamen dabei auch in ärmere und heruntergekommene Viertel, aber insgesamt machte die Stadt auf mich einen – für Brasilien – aussergewöhnlich sympatischen und interessanten Eindruck. Zur Information: Salvador hat auch den Übernamen „die Schwarzenstadt“, denn hier sammeln sich die Nachfahren der importierten Sklaven aus dem Westen Afrikas. Der Einfluss ist immens: Capoeira, dessen Geschichte ja grundsätzlich schon aus Sklaven besteht, das Essen (Acarajé (erinnerte mich stark an ein Essen aus Ghana), schärfer als das restliche Essen in Brasilien, Moqueca de Camarao), Kunst die praktisch ausschliesslich afrikanisch erschien und farbige Gebäude und Kirchen an jeder Ecke 🙂 Zudem Handel!

Am Tag nachdem Fabricio im Hostel übernachtet hatte, ging ich mit ihm zum Haus seines Kontaktmannes in Stella Maris – ein recht wohlhabendes Quartier im Osten der Agglomeration Salvadors.

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typische Bahia-Bekleidung :)

typische Bahia-Bekleidung 🙂

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Itacaré – amazing relaxed Australian lady!

19 03 2012

Die Fahrt nach Itacaré war wie ein Film: In kürzester Zeit änderte sich sowohl das Erscheinungsbild der Bauten, als auch das Antlitz der Menschen… Die Häuser sahen all wie baufälliger und gefährlicher aus, die Menschen wurden immer schwärzer. Schöner kann ich das nicht beschreiben. Die ganze Fahrt über alberte ich mit Anna rum, die ganze Zeit über stopfte ich meine geradezu berüchtigten Crackers oder Popcorn in meinen Mund. Der Bus wurde komplett überladen, die Leute reihten sich im Gang aneinander, die Luft war echt unangenehm. Ich fühlte mich schon mehr wie in Afrika als in Brasilien… In Itacaré angekommen wurden wir von einer Argentinierin abgefangen (Sympatisantin Fabricios :-P) die uns in unser Verhängnis lockte. Doch NOCH waren wir uns darüber im Unklaren.

Wir watschelten müde an den zahlreichen romantischen Restaurants vorbei, mit den Gedanken schon im Bett. Anna und ich tuschelten hinter vorgehaltener Hand: wir trauten der Lady nicht und wir ahnten, was kommen würde: ursprünglich hatte sie uns zum Hihostel führen wollen, doch erst weit nach Eintritt in die „Hostelstrasse“ überwand sie sich dazu, jemanden zu fragen, wo sich denn dieses Hostel befände. Da stellte sich – oh Wunder – heraus, dass wir scho weit übers Ziel hinausgeschossen waren. Sie meinte so ganz beiläufig, dass das Hostel, in dem sie arbeite, ganz ganz in der Nähe sei. Anna und ich grinsten uns breit an, schliesslich aber gaben wir der Müdigkeit nach und folgten der Lady.

Die Absteige entpuppte sich als okay, wir freuten uns über den günstigen Preis, der sich auf etwa 13 CHF belief. Die Betten erweckten allerdings mein grösstes Misstrauen, und so flüchteten wir uns zuerst mal in die Dusche, dann in ein teures Abendessen und anschliessend in eine gehörige Portion Party: ich hatte auf dem Weg zum Restaurant eine Bar gesichtet, die meinen Geschmack von Musik traf, zudem waren die Getränke dort bezahlbar. So probierten sich Anna und ich durch die verschiedenen Caipirinhas, Caipirissimas, Roshkas und was es sonst noch alles gab. Gewinner der Saufpartie war definitiv der Caipifruta mit Maracuja. Ausserdem spürten Anna und ich beim letzten Drink überhaupt keinen Alkohol mehr in unserem Getränk, was zur Folge hatte, dass ich mich auf flirtische Weise an den Barkeeper wendete und ihn schliesslich davon überzeugte, dass eine rechte Portion Alkohol fehlte. Er stellte sich dem Problem folgendermassen: „Trink“ sagte er zu mir, bis ich fast die Hälfte des Caipifruta getrunken hatte, dann nahm er eine Alkoholflasche nach der anderen, und kippte sie für lange Sekunden über das Glas… Dies führte nach einer Weile dazu, dass ich Anna hinter mir her auf die Tanzfläche zog, und wir gemeinsam einen Versuch zum Salsa hin starteten.

Es misslang leider halbwegs, denn sowohl unser Tanzstil (sie balettmässig energisch und korrekt, ich betrunken und schwach) als auch das wohlige schwummrige Gefühl des Caipifrutas trugen dazu bei, dass wir mehr oder weniger bei jeder einzelnen Drehung auseinanderflogen, ich in die eine, Anna in die andere Richtung. Trotzdem beschied uns ein kleines Publikum 🙂

Am folgenden Tag wachten wir gerade noch rechtzeitig für das magere Frühstück auf, danach duschten wir alle ausgiebig den Alkoholschweiss aus den Poren und machten uns auf die Suche, nach einer etwas gehobeneren Pousada / Hostel. Auf dieser Tour rannte ich alle paar Meter auf die nächste Toilette, ich hatte immer noch meine Problemchen mit dem Magen, irgendwas unschönes hatte mir schon vor ner Woche den Darm vergrault… Zusätzlich fanden wir heraus, dass alle Pousadas hier in Itacaré so unglaublich günstig waren, und dass wir – so gesehen – einen komplett überhöhten Preis bezahlt hatten – wir Trottel! Schon das reizte uns etwas, aber da wir ja ein PRACHTSTÜCK für die folgende Nacht ausgesucht hatten, konnten wir den Schmerz einstecken… Wir holten also unser Gepäck von der Absteige. Auf dem Weg zum prächtigen Hostel bemerkte Anna lasch, sie hätte ihren kleinen Rucksack bei der Reception vergessen. Frohen Gemüts witzelten wir darüber, dass er doch gestohlen werden könnte, und was das alles für Konsequenzen ergäbe. Also machten wir uns gleich nach dem Gepäcke-ablegen im Hostel auf den Rückweg. Ich und Fabricio setzten uns in eine sympatisches Restaurant, um auf Anna zu warten.

Sie kam – ohne Rucksack. Er war ernsthaft gestohlen worden, die Situation hatte Comix an sich…

Es wurde uns erst später bewusst, was für eine Tragweite das ganze mit sich zog! Wir verbrachten auf jeden Fall den ganzen Tag auf der Polizeistation. Wir assen erst wieder spät abends, aber die Lust zum Essen war Anna gänzlich fern. Sie hatte EXTREM ruhig und beherrscht reagiert. Zwar war sie den Tränen nahe, doch weder flippte sie aus, noch heulte sie uns die Ohren voll. HUT AB vor dieser starken Nervenfrau! Ich war ab sofort in der Funktion als Bankomat und Translaterin tätig, was mit Durchfall zwar nicht lustig, aber durchaus interessant und lehrreich war. Brasilien wurde mir noch unsympatischer (Komplizierung und Unlogik allgegenwärtig), ich lernte, was ich in case alles für mich selbst machen musste und es war eine Abwechslung zum wohlbehüteten Reisen in Brasilien 😉

By the way: was bei Anna alles weg war: alle Kreditkarten, alles Geld, alles Travellercheques, die beiden Kameras (die eine davon gross und teuer!), Pass, sonstige Identitätskarten, alles Fotobackups, Impfbüchlein (ohne welches sie nicht zurück nach Australien kann…), I Pod, ELEKTRISCHE ZAHNBÜRSTE, Necessaire, blablabla.

So entschieden wir, gleich am nächsten Tag nach Salvador zu ziehen. Fabricio kam das entgegen, denn für ihn war Brasilien extrem teuer, und er hatte nicht geplant, so langsam zu reisen. Er wollte also möglichst schnell aus Brasilien, hatte aber auf dem Weg noch einige Bekannte-über-Freunde, bei denen er gratis hausen konnte. Einer davon war in Salvador.

Anna nahm gleich das nächste Flugzeug nach Brasilia (Hauptstadt von Brasilien, architektonisches GROSSwerk), um dort für teures Geld den Übergangspass ausstellen zu lassen.



Arraial d’Ajuda & Porto Seguro

16 03 2012

Back to the beach: Ich traf die Australierin namens Anna gleich am Rodoviaria, allerdings gings mir am ersten Abend so übel, dass wir nur eine ganz kurze gequätschte Unterhaltung über unsere gemeinsamen Pläne führen konnten, danach speedete ich zum Hostel, wo ich mich als aller erstes gleich mal für einige Zeit auf die Toilette verdrückte…

Es ergab sich, dass der argentinische Architekt sich immer noch in Belo Horizonte aufhielt, als Chris und ich im Hostel eintrafen. Nun stellte sich heraus, dass wir auch mehr oder weniger den selben Plan hatten, und so warteten sowohl er als auch Anna darauf, dass meine Brille fertig gestellt wurde, und wir gemeinsam weiterziehen konnten. Wir nahmen einen Bus nach Porto Seguro, wobei sich die Fahrt unendlich hinzog: es war sooo unterkühlt dass wir mit den Zähnen klapperten! Wir kamen nicht mal zu Schlaf weil wir so damit beschäftigt waren, zu frieren!!!

Von Porto Seguro aus nahmen wir gleich die Fähre nach Arraial d’Ajuda und wurden gleich von einer netten, vielsprachigen Frau empfangen, die uns netterweise zum Hostel führte. Wie wir später erfuhren, war diese nette Frau eine Kleinkriminelle, die geradezu berühmt war weil sie so begabt und unauffällig die dämlichen Touristen ausraubte. Daraufhin kontrollierten wir alle halbpanisch unsere Taschen, es war aber zum Glück noch alles da!

[ich werde den Blog morgen weiterschreiben, muss einer weinenden Amerikanierin Platz machen!!!]

Nun, es sind schon wieder Tage vergangen und mein Gedächtnis lässt zu wüschen übrig: allenfalls wollten wir zuerst auch nur ganz kurz in Arraial d’Ajuda bleiben, doch wieder einmal hatte und ein Ort in seinen Bann gezogen. So verbrachten wir die meiste Zeit damit, uns frische Salate mit allem drum und dran zu preparieren, zudem konkurrierten wir mit den Gerichten 🙂 Der Argentinier zauberte zum Beispiel Milanesas auf den Tisch (soll heissen panierte Fleischschnitzel)… Hinzu kamen Massagen, Capirinhas, Comels (furchtbar starker Cachaça mit Honig als Shot serviert), Strand, Strandröte und grosszügiges Bikinishopping! Ich schmiss desübrigen meine beiden ewig geliebten Bikinis – uralt – aus Barcelona weg! *stolz* 😛

Nun fing aber das Laster des gemeinsamen Reisens an: man fühlt sich trügerisch sicher wenn man nicht mehr alleine unterwegs ist, man wird liederlich, man relaxed, man denkt nicht mehr so weit voraus, denn da sind ja noch die andern, die denken können… und so wurde aus meinem sowieso schon reduzierten Sortiment noch weniger: meine uralten, spottbilligen, dreckigen, superbequemen Turnschuhe und eines meiner 2 neuen top Bikinis wurden geklaut! Das mit den Schuhe bemerkte ich, als ich – wieder einmal – in Flipflops auf den Bus rennen wollte, und das mit dem Bikini erst am nächsten Strandstopp…

(Sorry nochmal ne Unterbrechung: Internetschi finish!)

So ging´s dann weiter mit der Fähre nach Porto Seguro, wo wir in dieser Samstag Nacht ausgehen wollten, sogar no eine halbe Flasche Cachaça leerten, um dann nur mächtig enttäuscht zu werden: Das so sagenumwobene Partydorf stellte sich als tote Hose heraus… So drehten wir also lediglich unsere Runde durch den nächtlichen Markt, schauten uns noch einige Fotos auf Fabricios Computer an, danach hauten wir uns aufs Ohr. Am nächsten Tag durften Anna und Fabricio – ich würde behaupten – eine volle Stunde auf mich warten, denn ich war einfach in jedem Punkt langsamer als die beiden: essen, trinken, duschen, schminken, packen… Irgendwann – ENDLICH – machten wir uns auf den Weg zum Rodoviaria, von wo aus wir den Bus nach Itacaré nahmen…

…wo das nächste Unheil auf uns wartete…



Tabuleiro – Serro – Diamantina

7 03 2012

Ich fasse mich kurz, weil es mir nicht so wahnsinnig gefallen hat: zuerst fuhren wir nach Tabuleiro ins Eco-Hostel. Von Eco war nichts zu spüren und die uns versprochenen Adventures fielen fast gänzlich aus: wir machten eine harte Wanderung über 5h zu dem berühmten Tabuleiro-Wasserfall, mir raste das Herz und meine Lungen drohten beim Aufstieg zu implodieren… Eigentlich wollten wir noch einen Ritt unternehmen, aber da es verhältnismässig teuer war (verglichen mit anderen Orten wo ich schon gefragt hatte) und es sich wieder einmal als ziemlich kompliziert und unzuverlässig herausstellte, liessen wir es bleibe und wollte noch am selben Tag auf Diamantina. Allerdings hatte es überhaupt keine Busse von diesem Ort weg (also nur einen pro Tag wenn überhaupt), und so gingen wir auf Grund meiner Laune mit dem hostelangehörigen Taxi bis nach Concepcao, von dort mit einem Bus nach Serro, wo wir dann übernachten mussten. Wir fanden eine Pousada (ein Hostel) welches äusserst günstige Zimmer anbot, und so verbrachten wir viel Zeit vor dem Computer. Denn Serro war ein Mini-Ort.

Am nächsten Nachmittag nahmen wir den Bus nach Diamantina. Von Diamantina war ich vollkommen enttäuscht! Verglichen zu Ouro Preto war es nicht einmal historisch und schon gar nicht schön. Man konnte kaum etwas unternehmen und am Montag waren alle Touristenbüros geschlossen und sowieso – tote Hose! Meine Vorstellungen von diesem Ort waren so hoch gewesen, da Diamantina in jedem Reiseführer gross angeprangert wurde, aber keine Ahnung, nach meiner Meinung sollte man den ganz aus den Guides streichen! Es kamen noch einige Reinfälle hinzu, beispielsweise wurden wir von einer sehr netten (und hübschen!!!) Restaurantfamilie an eine Reittour weiterbeordert, diese stellte sich dann aber nach einigen Minuten Fahrt als Bustour heraus! Mir fielen fast die Ohren aus dem Kopf. Heraus kam die Sache als ich nach der Rasse der Pferde fragte, worauf der Fahrer mich verständnislos anglotzte xD

So nahmen wir schon nach einer Nacht und einem halben unschlüssigen Tag den Bus zurück nach Belo Horizonte. Allerdings hatten wir am Rodoviaria noch eine halbe Stunde Zeit, was mich nach einer Marktbesichtigung auf die Idee brachte, alle Meerschweinchen von einem Metzger abzukaufen. Bei mir hätten sie es sogar auf Reisen noch besser!!! Als ich dann noch nach dem Preis für ein Meerschweinchen fragte (=8CHF) war die Sache schon fast klar. Zur Sicherheit fragte ich aber noch beim Rodoviaria nach, wie das mit dem Tiere transportieren sei… Es entpuppte sich aber als kompliziert, zeitaufwendig und fast unmöglich als nicht-fliessend-Portugiesisch-sprechende Person… Zudem teuer… So entschied ich mich in letzter Sekunde doch noch für den einfacheren schlechteren Weg – und liess die armen Fiecher kalten Herzens zurück! Ich weiss ja nicht, aber das lässt mich an meiner Tierliebe deutlich zweifeln… 🙁

Cachoeira Tabuleiro

Cachoeira Tabuleiro



Belo Horizonte – realmente!

6 03 2012

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Über Belo kann ich nicht gross etwas erzählen, da ich nicht gross etwas unternommen habe. Trotzdem kurz dazu: ich traf mich mit dem Schweizer am Rodoviaria, wo er auf mich gewartet hatte, übrigens heisst er Chris. Wir suchten mit Hilfe seines IPhones das Hostel, das in einer etwas unheimlichen Gegend stationiert war. Es war bereits dunkel und wir redeten noch bis weit in die Nacht. Danach verscheuchte uns der Wachhabende ziemlich skrupellos. Wie auch immer, die nächsten Tage verbrachten wir entweder mit Shoppen (bzw. kaufte ich ein und Chris watschelte mir überall hinterher) oder mit Essen einkaufen. Ich gab Unmengen an Geld aus, allerdings auch für schlaue Dinge wie notwendige Kleidung, eine neue Brille, ein teures Brillenrezept (dem ich übrigens noch misstraue, da meine Augen laut diesem besser geworden sein sollen 🙂 ) oder gesundes Essen.

Ich glaube es war der zweite Tag in diesem Hostel, als ich einen Argentinier kennelernte, mit dem ich dann den gesamten Tag (wieder bis spät in die Nacht 😉 verbrachte, wir besuchten einen künstlich angelegten See (riesig!) mit Gebäuden die der berühmte Architekt Oscar Niemeyer designet hatte. Es war ein sehr spannender Tag, da der Argentinier selbst ein begeisterter Architekt mit viel historischem Wissen war! Chris hatte allerdings nur Pech: er war am Morgen losgegangen um sein Visa verlängern zu lassen, dort musste er viel länger warten als erwartet und zuerst stuften sie ihn sogar als illegalen Einwanderer ein, da sie seinen Namen im System nicht finden konnten. Danach versuchte er mich auf meinem brasilianischen Handy zu erreichen – wie vereinbart wollten wir uns treffen um Pampulha gemeinsam zu besichtigen. Allerdings schlug auch das fehl, wir wissen bis heute nicht weshalb. Er hatte übrigens sein IPhone seit dem Tag nach unserer Zusammenkunft abgeschaltet und zu Hause gelassen, weil ich mich so lautstark über diese Dinger geärgert hatte, mit Kritik die offenbar auch für Chris das Experiment (eine Woche ohne dieses Ding auszukommen) rechtfertigte, dem er sich anschliessend unterzog… Hehe ich würde meinen, unsere Ansichten haben sich einander leicht angenähert: ich sah ein, wo das IPhone einfach nur positiv war, und er verstand, was meine Abneigung verursacht: die Abhängigkeit, der ausschliessliche Gebrauch eines Gerätes, welches von einer modernen Sache wie Strom vollkommen abhängig war und welches die Menschen so süchtig machte, dass viele in einem parallelen Universum zu leben begannen…

Die Stadt selbst sprach mich sehr an, ich fand sie nicht so bombastisch hochgebaut wie São Paulo, auch machte sie einen viel ruhigeren und natürlicheren Eindruck als zum Beispiel Rio, wo nur das Zentrum für die Touristen hochgemotzt war. Ich fand mich dank meinen Joggingtouren recht schnell zurecht 🙂 Ansonsten gibt es darüber nichts mehr zu sagen =)

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Ouro Preto – Schwarzes Gold

4 03 2012

Der Weg nach Ouro Preto gestaltete sich komplizierter und viel länger als gedacht: anstatt geplanten Stunden kostete mich der Weg zwei volle Tage. Eine Übernachtung musste ich spontan in einem Hotel gleich neben einem Rodoviaria verbringen, da keine Busse mehr fuhren. Zudem wollte ich auf keinen Fall über Rio de Janeiro (Umweg und viel teurer!), und so fuhr ich spannenderweise durch das Nichts von Brasilien: Abgeschnitten von der Welt, einige Bauernhöfe oder Häuseransiedlungen, null Touristen weit und breit. Es war echt mal spannend das auch zu sehen. Juiz de Fora, wo ich eben diese ungeplante Nacht verbrachte, war eine hässliche Stadt. So hässlich, dass ich mich sogleich in meine Hotel verkroch und vor meiner Abfahrt am nächsten Morgen nicht mehr rauskam!

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Der Weg von Juiz nach Ouro Preto war echt schön, hier gefiel mir auch die Landschaft sehr gut, vielleicht etwas ZU hügelig, aber sie hatte wirklich Charme. Das Barrockstädtchen bestand hauptsächlich aus Kirchen, die mir persönlich bald vergingen. Es sind glaube ich 22 Kirchen in diesem Kaff, in dem man am Sonntag sogar Mühe hat, Essen aufzutreiben. Ich lernte am zweiten Tag eine Deutsche kennen, mit der ich die nächsten zwei Tage verbrachte: sie stellte mein gesammtes Vorurteil über die Deutschen auf den Kopf (sie hatte denn auch Wurzeln in Russland). Wenn wir im selben Land wohnen würden – ich glaube sie würde eine meiner wahren Freundinnen werden. Ich mochte die Zeit mit ihr, ich liebte die Gespräche die wir führten, ich fand das Zusammensein passend und einfach, nie kompliziert, nie anstrengend. Wir hatten Diferenzen, aber die teilten wir uns neutral mit und beliessen es dabei! Eine echt tolle Person!

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An unserem gemeinsamen ersten Tag gingen wir zuerst zu einer Miene IN Ouro Preto selbst (cool wenn Attraktionen so nah sind), danach machten wir uns auf den Weg zu einem Wasserfall, den wir von einem brasilianischen Pärchen (mit denen ich am Abend zu vor ein arabischen Nachtessen eingenommen hatte) empfohlen bekommen hatten. Der Fussweg dauerte ich schätze mehr als eine Stunde. Ab und zu stoppten wir irgendwo um tolle Fotos zu machen, dabei wurden wir von einem schwarzen Brasilianer geführt. Wir waren beide durchaus misstrauisch, aber da es ab und zu wieder Leute auf dem Weg gab, dachten wir uns nichts mehr dabei und folgtem ihm wie Hunde. An einer Stelle verabschiedeten wir uns dann klar von ihm und gingen unseren eigenen Weg, bis er uns wieder eingeholt hatte. Ohne ihn hätten wir den Wasserfall kaum gefunden, allerdings hatte es auch noch seine eklige Seite – zu der komm ich noch. Wir mussten richtig klettern um den Hang aus Stein runterzukommen und dann noch zwischen den Steinen hindurch, bis zum unterirdischen Wasserfall. Es war faszinieren. Faszinierender als Foz do Iguaçu! Es war ein relativ kleiner Wasserfall, aber er war rot, wurde nur von einigen Spalten in der Decke beleuchtet und verzauberte die Grotte in einen magischen Ort!

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Der Schwarze wollte uns noch weiter nach unten führen, mir war das dann aber doch zu gefährlich (mit meiner Höhenangst die meine Beine doch des öfteren zittern liess, und auch trauten wir ihm nicht so ganz). Aber er folgte uns auf Schritt und Tritt und als ich mich bei anderen Leuten nach einer Fazenda erkundigte, meinte er, er kenne sie und würde uns dahin bringen. Also zottelten wir wieder hinter ihm her, doch nah heisst auf Brasilianisch nicht immer nah. So liefen wir bestimmt noch mal eine Stunde, bis uns dann ein Kumpel des Schwarzen aufgabelte und zu einem weit entfernten Ort fuhr. Dort fragte der Schwarze nach der Fazenda, und wir zwei Mädels begriffen, dass er keine Ahnung hatte, und einfach die Zeit mit uns Touristen verbringen wollte. Wir stiegen aus dem Auto aus und guckten uns um: wir sahen einen Hund mit abgeschnittenem Schädel! Ein kleiner Hund lag am Strassenrand, lebendig, nach Fliegen schnappend, ein Loch von etwa 15cm Durchmesser klaffte an seinem Schädel: Haut und Knochen weg, das Gehirn war zu sehen, und auch dieses war aufgeschnitten! Frag mich nicht, wie dieses Wesen noch am Leben sein konnte, ich konnte es selber kaum glauben. Mir wurde echt echt übel, und ich wurde stinksauer, weil diese verdammten Leute einfach nichts taten, sie sassen einfach vor ihrem Haus und guckten den Hund ab und zu an. Ich fragte zuerst, ob es einen Tierarzt in der Stadt gab, ob wir ihn mitnehmen könnten, darauf bekam ich einfach keine Antwort! Also hakte ich energisch weiter, ob sie denn bitte einen Tierarzt rufen könnten, ich würde auch bezahlen! Deren Antwort: Der gehört nicht uns, geht uns nichts an! Mein Bild von Brasilien sackte in diesem Moment wahrhaftig nach unten, diese Leute widerten mich an, ich hätte sie am liebsten angekotzt! Wir bekamen von dem Mann eine Führung durch sein Anwesen (eine Fazenda ohne Pferde und Tiere), allerdings wunderschön, danach war der Hund verschwunden. Ich und die Deutsche hielten auf dem Rückweg noch nach ihm Ausschau, aber keine Spur mehr von ihm. Ich wünsche mir, dass er schnellstens gestorben ist. Lieber hätte ich ihm eine Kugel in den Kopf gejagt, als ihn dort liegen zu lassen! Das ist kein Leben mehr, garantiert!

Dieses Bild wird mir nie mehr aus dem Kopf gehen.

Nach diesem Anblick wollten wir beide schnellstens zurück in die Stadt, jedoch zeigte uns der Schwarze unterwegs noch eine weitere Fazenda, die auch Pferde hatte. Allerdings bekam ich die nicht zu Gesicht, da sie irgendwo weit weg am grasen seien. So bekamen wir eine Führung durch die Villen, herrlich, ein Luxushotel erster Klasse, mit viel viel Stil!

In der Nähe des Zentrums liessen wir uns ausladen und verabschiedeten uns von den beiden kuriosen Typen. Wir kauften was zum Essen und machten uns auf den Weg ins Hostel. Den Rest möchte ich nicht mehr im Detail schildern, auf jeden Fall tauchte der Schwarze noch drei mal auf, einmal spät in der Nacht, als wir beide schon von einem Pfirsichlikör angeschwippst waren, und einmal am nächsten Morgen um 6Uhr, als ich kurz aus dem Zimmer schlich, um ein Foto vom Sonnenaufgang zu machen! Echt beängstigend, diese Klette, er rief sogar mehrmals an und liess die Angestellten nach uns verlangen. Zum Glück hatte ich einen falschen Namen angegeben, somit existierte diese Person gar nicht im Hostel… Naja, ich fand das echt mühsam und war dann auch froh, Ouro Preto unbehelligt verlassen zu können. Ich und die Deutsche hatten noch einen weiteren tollen Tag zusammen, dann speedete ich in letzter Sekunde noch auf den Bus nach Belo Horizonte, wo ich ja den Schweizer wieder treffen wollte (den ich im Pantanal kennengelernt hatte). Zuerst vergass ich meine Schuhe (ich war mit FlipFlops losgerast) rannte also mit 20kg Gepäck oder mehr wieder zurück, schaffte es in allerletzer Sekunde noch auf den Bus (der Weg war bergaufwärts, so kam ich in Schweiss gebadet an). Im Bus fiel mir aber ein, dass ich 2 von 3 BHs vergessen hatte, zudem meine Jogurts (mein Proviant für den Weg), ein T-Shirt und ein paar Unterhosen. Zudem hatte ich ein Bikini (von meinem Lieblingsshop in Barcelona) nun endgültig verabschieden müssen, da es so ausgelödeled war, dass es nicht mehr an meinem Arsch hielt xD Übrigens waren meine mitgebrachten Unterhosen von meinen ständigen Handwäschen schon arg mitgenommen, verlöchert, sodass ich eine grosse Shoppingtour in Belo Horizonte plante. Chris, der Schweizer, wartete dort am Rodoviaria auf mich.



Nova Friburgo – mit Bus „Nova Suiça“

4 03 2012

Mein Herz hat an diesem Ort ein Stück zurückgelassen. Die Ankunft war ein Horror, aber alles danach war so positiv, dass es dies mit Links wieder gutmachte und ich würde sogar behaupten, dass Nova Friburgo sich in meinem Gedächtnis als positivstes Erlebnis auf meiner bisherigen Reise eingebrannt hat 🙂

Der Bus von Cabo Frio nach Nova Friburgo hatte insgesamt 4 Stunden Verspätung, ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, weshalb. Auf jeden Fall fragte ich während des Stops den Buschauffeur, ob Nova Friburgo die Endstation sei (sonst hätte ich nämlich die ganze Zeit hellwach wie ein Reh über die unangekündigten Stops wachen müssen). Aber ich bekam eine bequeme Antwort, so konzentrierte ich mich während der restlichen Fahrt hauptsächlich noch auf meine Gedanken…

– ich denke viel über Kühe nach, zum einen seit eine gute Freundin meiner Mutter vor Jahren mal meinte, sie bewundere oder wünsche sich das Leben einer Kuh, denn sie frisst Tag und Nacht, gemütlich in den Alpen, schlafen. Nie muss sie auf einen Bus stressen, Menschen umhertragen oder irgendwelche idiotischen Zirkuskunststücke vollbringen. Die Kuh ist ein vollkommenes, gemütliches, zufriednenes, natürliches Tier. Und als ich nun kurz vor meiner Abreise noch in einer Tierarztpraxis schnuppern ging, und der Grosstierarzt mich zu all diesen Kuhställen in der ländlichen Schweiz mitnahm, kamen neue, frische Gedanken zu diesem Thema hinzu. Ich fand es schrecklich: der Anblick von den aneinandergereihten Kühen auf engstem Platz, der ganze Gang oder Hinterteil eines Stalles besteht aus einem See von Scheisse und sie werden gemästet und geschwängert, als wären Kühe keine Lebewesen, sondern Gefässe. Der Tierart allerdings gab mir noch eine andere Perspektive zu bedenken: Kühe sind domestizierte Tiere, sie haben kein „wildes Naturverhalten“, sie sind dazu gezüchtet, nur zu fressen (bis zum umfallen…). Aus dieser Sicht kann man gleich sagen, dass es für eine Kuh das Schönste auf der Welt sein muss, Futter um Futter serviert zu bekommen… Versteht man, was ich sagen will? Überall gibt es mehrere Perspektiven, manchmal ist es schwieriger, sie alle zu vereinen, aber in diesem Fall fand der neue Gedanke auch in meinem Gehirn gewisse Logik – auch wenn ich hier entgegnen könnte, dass diese Perspektive bloss eine erfundene oder verschönerte Entschuldigung für die Bauern sei… Naja auf jeden Fall sind es ja sowieso wir Konsumenten, die solche horrende Anstalten als Konsequenz zu unserem ungemässigten Fleischhunger herbeiführen… Ausserdem fand ich den Anblick in Brasilien gerade zu sympathisch: bisher hab ich nur Freihaltung gesehen, soll heissen Kühe die auf riesigen Landflächen frei herumlaufen und grasen können, soviel sie wollen. Die Kühe hier sehen allerdings gerade zu mager aus im Vergleich zu den Monster-Töndern in der Schweiz. Nun, persönlich ist mir Brasilien was Kuhhaltung angeht definitiv lieber…

– eine Sache die mir in Brasilien wirklich zu schaffen macht, die mich regelmässig sehr ärgert: wenn man nach etwas fragt, antwortet einem jeder etwas vollkommen anderes. Ich glaube ich habe dies schon erwähnt. Zusätzlich finde ich hier auch ab und zu gröbere Unlogik vor (eine Deutsche die ich getroffen hatte, umschrieb es als „kein selbständiges Denken“). Beispiele: an einem Handwerker Markt für Touristen hat jeder Produzent fast exakt das selbe Angebot! Was ist das denn für eine peinliche Fantasielosigkeit?? Das finde ich so RICHTIG schade! Anderes Beispiel: Restaurants haben hier manchmal ein System für das bezahlen, was ich unmöglich unpraktisch finde, entweder weil sich so immer enorme Schlangen bei der Kasse bilden, oder weil man hin und her rennen muss, oder sonstige Mühseeligkeiten… Ich habe manchmal das Gefühl, die Brasilianer hätten einen Sinn für „Komplizierung“ ^^Auch das Sytem der Busse finde ich hier nicht gerade lobenswert, denn in Brasilien gibt es doch immerhin viele Touristen und auch viele stak Übergewichtige! Trotzdem muss einfach JEDER sich durch diese dämlichen Drehkreuze, wo kaum jemand durchpasst und man bei den Strassen oder Fahrstilen der Buschauffeurs danach öfters Mühe hat, nicht gegen irgendwas zu knallen. Nur selten lassen sie mich mit meinem behindernden Gepäck hinten/vorne einsteigen. Oftmals sagen sie einfach: das funktionier schon irgendwie, wollen mir dann netterweise auch helfen, aber sind einfach zu schwach, um meine Rucksack über das Drehkreuz zu heben! Grrrrr…

Aber nun genug der Gedankengänge. Meine Ankunft:

Anstatt um 21.00 Uhr kam ich um 01.00 Uhr in der Nacht am Rodoviaria an. Und der nette Buschauffeur hatte mir zwar gesagt, dass die letzte Station Nova Friburgo sei, was es auch war, aber er hatte wohl nicht die Notwendigkeit darin erkannt, dass man einem Touristen sagen musste, dass der Rodoviaria weit ausserhalb vom Zentrum war, und dass der Bus zuerst auch noch im Zentrum hielte… So musste ich um eins in der Nacht mit knurrendem Magen und erschöpften Augen ein Taxi zurück ins Zentrum nehmen. Der Taxifahrer meinte, es würde mich höchstens 10CHF kosten, also willigte ich gerne ein. Allerdings fuhr er zuerst zum komplett falschen Hostel, am Ende (nach Telefonaten seinerseits, Warteminuten bei dem falschen Hostel, und herumgekurve) kostete mich die Taxifahrt 20CHF was mich reute (für Brasilien ist das ziemlich teuer). Schliesslich war das Hi-Hostel auch verlassen, kein Schwein machte mir auf, nachdem ich wie eine Notleidende herumgeschrien habe. So wollte ich über den Zaun klettern, was ich allerdings mangelnder Sportlichkeit nicht fertigbrachte. Schliesslich fand der Taxifahrer (der nettweise noch warten wollte, bis ich meinen Zutritt hatte) heraus, dass das Schloss zwar angebracht, aber nicht verschlossen war. Also konnte ich durch das Tor gehen, verabschiedete mich vom Taxifahrer und trat in das dunkle Haupthaus der Jugendherberge ein. Ich klingelte xmal an der Klingel, klopfte an alle Türen, die mit Stuff beschriftet waren, schrie im Haus herum… keine Reaktion. Schliesslich legte ich mich schlechten Gewissens und auch wütend auf dem Sofa schlafen.

Am nächsten Morgen wachte ich von Geschirrgeklapper auf, ich sprang auf und rannte dem Geräusch entgegen. Einerseits wollte ich mich umgehend bei den Hostelführern entschuldigen für meine Unverfrohrenheit, andererseits wollte ich mich beklagen, dass einfach kein Schwein auf meine vermehrten Versuche reagiert hatte. Die Frau die in der Küche stand war total schockiert, als ich ihr mitteilte, dass ich auf dem Sofa geschlafen hatte. Sie hatte mich nicht einmal bemerkt! Sie meinte, das Frühstück sei gleich fertig und ich könne dann gleich in das Zimmer einchecken. Immer noch misstrauisch fragte ich nach den Preisen, und nach der Summe, die sie mir abknöpfen wollte (ich rechnete durchaus damit, dass sie mir diese Nacht zumindest zum Teil auch verrechnete…). Allerdings erkannte ich nach einigen Verständigungsschwierigkeiten, wie lieb diese Frau war! Sie erliess sogar das Frühstück, meinte, es sei ein Geschenk, weil sie mich gestern nicht läuten gehört hätte. Ich ass mich also an diesem HERRLICHEN Frühstück, welches aus dem besten Fruchtsalat meines Lebens – bedenke, ich hatte schon seit fast 24h nichts mehr gegessen – , Wassermelonen, Müesli, Brot, Schinken, Kuchen, Guetslis, Kaffe mit Schockoladenpulver, Maracujasaft und so weiter bestand 🙂 Danach haute ich mich aufs Ohr, bis ich am Mittag wieder von Geschirrgeklapper erwachte. Da fragte ich, ob ich auch hier essen könne, denn das nächste Restaurant war weit ab. Sie teilte mir mit, dass dies sogar ein kleines Restaurant sei, und dass ich jeweis für 6 Reais (=3.10CHF) ein Mittagessen einnehmen könne! Innerlich sprang ich in die Luft vor lauter Freude auf das Essen 😛 Und so blieb ich dann anstatt nur eine Nacht drei Nächte in Nova Friburgo, nahm jeden Tag das oberleckere Essen dort ein, am Abend schnitt ich mir Annanas auf, kochte mir eine Suppe oder ernährte mich von fruchtigen Jogurts. Es waren herrliche 3 Tage und sie kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Ich genoss jede Sekunde (trotz Mens ;), genoss die Sonne, die EINFACHE, herrliche Küche, die Wolken, das alte Paar, welches das Hostel führte und mich wie in eine Familie aufnahmen, die Schwümme im kalten Pool, den Auflug in das Shopping-reiche Zentrum, die Ruhe, den Ausblick über das Gebirge, die Frische in der Nacht, einfach alles 🙂

Nova Friburgo, mein bisherig absoluter Lieblingsort. Wenn ich wieder einmal auf Brasilien kommen würde, würde ich Berge bewegen um diesen Ort nochmals zu besuchen! =)