Back in Cartagena
15 06 2012In Cartagena schnitt ich dem Engländer – dessen Namen mir mittlerweilen wieder eingefallen ist: Rob – die Haare. Er hatte schwieriges Haar, aber ich siegte über den Wucher und wieder eine gute Frisur winkte aus dem Spiegel. Er lud mich dafür auf einen teuren Maracuja-Saft ein und erliess mir meinen Schuldenbetrag von 4CHF, das war doch schon mal ein Anfang, nicht? 😉 Die meiste Zeit verbrachte ich mit Schiffsuche und gleich am ersten Tag dieser Aktivität, lernte ich einen Franzosen kennen, eine weitere interessante Geschichte. Ich lud ihn ein, mit uns essen zu kommen, denn wie wir erfuhren schlief er auf der Strasse und hatte somit keine Küche zur Verfügung. Er reiste hitchhikend durch die Gegend, schon einige Länder in Südamerika hatte er nun so bereist. Er lebte die absolute Höchstform von Sparreisen aus, suchte ewig nach den günstigsten Hostels, reiste fast nur per Autostopp, schlief ab und an auch unter Brücken, ass nur das Allernötigste. Ich bewunderte ihn für seinen starken Willen, denn den brauchte man definitiv in grossem Masse, wenn man das durchziehen wollte. Um nun von Columbien auf Panama zu kommen, suchte er nicht etwa ein günstiges Boot wie ich, sondern Arbeit auf einem Boot! Keine schlechte Idee, aber nur für die Suche plante er schon 3 Wochen ein… Ein Opfer, das ich vermutlich nur sehr ungerne bringen würde. Beim Abendessen hatten wir dann auch eine äusserst hitzige Diskussion, wobei es ums Thema Angst ging. Wir hatten zwei sehr verschiedene Ansichten, später kam es auch zu Missverständnissen, als wir uns immer tiefer in Details verstrickten. Am Ende philosophierten wir noch lautstark über Gefahr und kamen schlussendlich damit überein, dass wir einfach nicht übereinkommen würden 🙂 Aber es war ein schöner und spannender und intellektvoller Abend. Da der Franzose sogar schon als Koch – nebst tausend anderen Sachen – gearbeitet hatte, half er mir tüchtig in der Küche; ehrlichgesagt machte er praktisch die ganze Arbeit und ich zauberte bloss die Salatsauce und öffnete eine Dose Tunfisch. Das stand ganz im Gegensatz zu Rob – dem Engländer – der sich als typischer „Mann“ herausstellte, ein verwöhntes Mamasöhnchen, das aus Gewohnheit keinen Finger von selbst rührt. Da ich von dieser Sache ja schon genug mit Fabricio bekommen hatte, machte mich das sehr schnell gereizt und ich giftelte wie ein kleiner Zwerg herum. Aber was soll’s, insgesamt hatte ich auch mit Rob eine gute Zeit. Wir gingen zum Beispiel zusammen an den Strand, wo er von schwarzen Verkäufern mächtig veräppelt wurde: Sie gaben ihm Krabbe zum probieren, und boten ihm immer mehr zum probieren an, bis sie am Ende plötzlich 5CHF forderten. Zudem konnte ich endlich jemanden (ihn) fragen, was denn mit meinem Knie los sei, denn es war ja immer noch geschwollen und tat ab und zu weh. Er hatte sowas wie Sportmedizin studiert und diagnostizierte nach Betasten: ausgelaufene Gelenkflüssigkeit könne es sein.Viel mehr gibt es zu Cartagena nicht zu sagen, ich fand doch ziemlich schnell ein Schiff. Genauer: ein riesen Katamaran mit deutschem Captain und columbianischem Matrose. Dazu war noch seine Schwester (auf Besuch aus Deutschland) mit an Bord und in letzter Sekunde kam noch ein Schweizer hinzu (Lino). Der luxuriöse Katamaran bot allerdings für ganze 16 Gäste Platz, und wir waren gerade mal drei… Also genau das, was ich brauchte – etwas Ruhe, ungestörte Natur (Meer ohne Partygebrüll).
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