Teak-Plantage & Party-Tamarindo

7 07 2012

Wir fuhren um 5.00Uhr morgens los vom Haus in Liberia und kamen einige Stunden später auf der Plantage an. Dort wurden wir als erstes mit einem Frühstück versorgt. Reis mit Bohnen, Tortillas und anderen Dingen. Vom Fachjargon verstanden weder ich noch Christian viel, aber spannend war es trotzdem: man sah so richtig dan Denkunterschied zwischen studiert und theoretisch und auf der anderen Seite praktisch. Der Unterchef von Dominique redete mit dem Aufseher und Chef der Plantage, und erklärte ihm, was er für Leistungen erwarte. Er meinte zudem, dass womöglich ein anderes Arbeitssystem wo jeder seine Arbeit habe besser sei, während der Plantagenaufseher widersprach, dass dann jeder nach kurz oder lang irgendwelche einseitigen Beschwerden aufweisen würde (der linke Arm schmerzt, Rückenschmerzen, blabla). So ging die Diskussion hin und her. Christian und ich setzten uns irgendwann in den Schatten, denn ich hatte schon nach wenigen Minuten Blatern von den ausgeliehenen Gummistiefeln bekommen und Christian floss der Schweiss in Bächen aus den Poren. Am Vormittag brachte uns ein Arbeiter an einen nahegelegenen Strand, wo wir uns noch den Rest des Vormittags vertrieben. Um 1.00Uhr wurden wir wieder abgeholt und bekamen noch ein leckeres Mittagessen. Dann legte ich mich noch auf ein Bänkchen und hörte Christians Geplapper zu 🙂 Am Nachmittag nahmen wir dann einen Bus nach Tamarindo.

In Tamarindo nahmen wir das erstbeste Hostel und gingen noch gemütlich in dem Bonzenkaff herumwandern, bis wir bei einem italienischen Restaurant halt machten und uns einen Drink und Essen genehmigte. Ich nahm einen supersimplen aber trotzdem superleckeren Salat und erfreute mich an dem inklusiven Balsamico-Essig. In der Nacht gingen wir dann noch in einen angesagten Club, der auf dem einen Floor Latin laufen hatte und auf dem andern Hiphop und House. Ich fand es toll zu sehen, wie viele Leute (eben auch junge) tanzten und ich fand es auch toll, dass man Leute aller Sorte auf einem Haufen vorfand. Zudem hatte der Club noch einen Pool  und war bloss überdacht 🙂 Ich bekam von Christian leider nur einen Tanz, den Rest der Zeit sassen wir auf der Aussenbank, das war definitiv nicht das, was ich mir erwünscht hätte. Und irgendwann stellte dann plötzlich die Musik auf der Salsaseite ab, und so wanderten wir with the crowd zur anderen Seite, wo gerade eine Michael Jackson Immitation begann. Der Junge (vielleicht zw. 17 und 20) machte das supergut und schien auch ein Herzblut-Entertainer zu sein 😉 Er liebte das Publikum und hob jedes Mal wieder den Applaus, wenn die Spannung etwas geschwunden war. Am Ende wurde noch die Menge aufgefordert, am Contest teilzunehmen. Aber es meldete sich nur eine komplett besoffene Lady und ein Hiphoper, und so wurde das ganze bald wieder beendet. Christian und ich warteten noch einige Minuten darauf, dass sie wieder Latin spielten, aber auf dem Floor blieb es still, also machten wir uns schon sehr früh auf den Rückweg ins Hostel. Just als wir ausgetreten waren und ein paar Schritte hinter uns hatten, fing die Latinband wieder an zu spielen…

Am nächsten Morgen gingen wir noch für 2h an den Strand, wo ich mich der Sonne aussetzte und Christian fleissig Drogendealers abwehrte. Anscheinend schien er sehr dröglerisch auszusehen 😀 Um die Mittagszeit nahmen wir einen Bus zurück nach Liberia, wobei wir noch einen Umweg einlegten und dabei in einen tropischen Regen kamen.



Liberia

6 07 2012

Von San José aus nahm ich einen Bus direkt nach Liberia. Ich fragte unterwegs meinen Sitznachbaren, ob ich sein Handy für einen Anruf benutzen dürfe. Dafür drückte ich ihm ein paar Münzen in die Hand, die er erst gar nicht annehmen wollte. Beim Essen wurde ich total von den horrenden Preisen überrascht, verstand aber später, dass das eher auf meine Unwissenheit zurückzuführen war. Man bezahlte in Costa Rica pro Sorte und nicht pro Gewicht oder Portion. So zahlte ich 3 Dollar für Fleisch, wo ich nur etwa 3 Stückchen verlangte… Wie auch immer, ca. um 8.00Uhr kam ich in Liberia an, wo ich noch kurz auf Dominique warten musste. Alain, den ich noch nie gesehen hatte, begleitete Dominique als Abholservice. Er war und ist ein wunderschöner Junge, bestimmt wird er eines Tages ein schelmischer Playboy 🙂

In Liberia herrscht Familyaction: am 1. Tag, also am Tag meiner Ankunft, erlebte ich gerade noch das Ende von Brian’s Geburtstagsparty. Alle hatten sich verkleidet und geschminkt, sogar Dominique trug eine Gangsterkette 😀 Ich lernte auch Gwen kennen, die 5Monate alte Tochter von Dominique und Nedielka. Das fröhlichste Baby das ich womöglich kenne! Ich hatte einen sehr guten ersten Eindruck von der Familie Leuba: die Kinder schienen alle fröhlich. Dazu lernte ich noch Malaky, den Hund kennen, der noch eine grössere Rolle auf meiner Reise einnehmen sollte. Am nächsten Tag gingen Dominique, die Jungs und ich noch mit Malaky laufen. Es war Vatertag und so gingen wir um die Mittagszeit alle gemeinsam (mit Hund) auf eine Party, welche von der Kindergärtnerin von Alain organisiert worden war. Am Anfang war es etwas verkorkst – bis es Essen und Wein gab. Danach fingen alle an zu tanzen und mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, als ich die kleinen Mädchen ihre Hüften schwingen sah. Da würde jeden potentiellen Pädophilen aus dem Häuschen locken, keine Frage! Mein Herz erfreute sich zu tiefst an der lateinischen tanzanregenden Musik und ab und zu ging ich hinters Haus, wo alle Hunde herumlungerten, und versuchte alle gleichviel zu streicheln. Malaky war offensichtlich noch der jüngste im Kopf und sprang überall dazwischen, legte sich ständig mit einem Minikläffer an, um mehr gestreichelt zu werden 🙂 Am Abend fragte ich Dominique, ob ich ab jetzt Malaky füttern dürfe. Am dritten Tag, dem Tag vor meinem Geburtstag, wurde ich von Brian geweckt. Das einzige was ich zuerst verstand: Lucky = Malaky. Dann immitierte er „kakamachen“ und „essen“. Ich verstand nicht, ich dachte, Brian wolle mir mitteilen, dass Malaky gegessen und dann gestuhlt hatte. Aber nach ein paar Minuten ging ich dann doch aus dem Häuschen und lief nach vorne, wo Nedielka und Dominique standen. Malaky lag am boden und zuckte vor sich hin. Ihm lief weisser schaumiger Speichel aus dem Mund und ab und zu kam ein Schwall weissen Schleimes heraus. Er machte Atemgeräusche, die einem die Haare zu Berge stehen liessen. Es war ein grässlicher Anblick. Zudem lag bei seinem After ein Häufchen Durchfall und eine Schüssel mit Milch war umgeworfen worden. Dominique telefonierte gerade mit dem Tierarzt. Als er auflegte, erklärte er, dass er sofort zum Tierarzt müsse. Ich half ihm, das zuckende Bündel ins Auto zu verfrachten und setzte mich in den Kofferraum zu Malaky. Während der Fahrt hörte er mehrmals fast auf zu atmen und mir kamen die ersten Tränen hoch. Der Tierarzt ging sehr rau mit dem Bündel um, erklärte aber jeder seiner Schritte. Er spritzte ihm drei Dinge und meinte, jetzt solle er schon bald wieder laufen können. Wir liessen Malaky aber trotzdem noch für zwei Stunden zur Beobachtung da. Nedielka und ich holten ihn dann später ab. Aber er konnte immer noch nicht auf seinen vier Pfoten stehen. Am Abend kam Christian an und bevor ich und Dominique ihn abholten, entsorgten wir noch eine riesige Kröte, die wir zuvor auf dem Grundstück entdeckt hatten. (Entsorgen = in einem Korb einfangen und sie weit weg vom Grundstück herauszulassen.) Der Tierarzt hatte diagnostiziert, dass Malaky in eine Kröte gebissen haben müsse, oder deren giftigen Absorbtionen gelekt haben müsse. Christian zog bei mir im Gästehäuschen ein. Am 4. Tag vergassen am Morgen alle meinen Geburtstag, und so verbrachte ich die meiste Zeit mit Malaky, der mir mehr Freude als alle Menschen zusammen bereiten konnte. Er war immer noch ultra schwach, und so legte ich mich in eine Hängematte und streichelte ihn, bis ich selbst einschlief. Als ich wieder aufwachte, war ich voller Mückenstiche, und so flüchtete ich mich ins Innere. Christian und ich machten uns gegen Mittag auf den Weg in die Stadt – zu Fuss. Es kostete uns 1.5 h in der brütenden Sonne, danach hatten wir uns etwas kühles zu Trinken verdient. Christian lud mich auf einen Maracujasaft ein und ich stibitzte zusätzlich etwas von seinem Fleischstück. Danach gingen wir noch einkaufen und machten uns wieder auf den Nachhauseweg. Ich wollte Autostop machen, aber der einzige klapprige Wagen der anhielt, meinte, er habe nur für eine Person Platz. Und so liefen wir wieder den halben Weg, bis wir einen Bus nahmen 🙂 Am Abend wurde es auf meinen Wunsch mir und Christian überlassen, das Nachtessen zuzubereiten. Ich hatte geplant, Arepas zu machen, die venezuelanische Spezialität, die ich auf dem Roraima kennengelernt hatte. Allerdings wusste ich nicht so recht, wie man den Teig zubereitete. Und so wurde das ganze ein Experiment, das hauptsächlich mich zum amüsierte: ich lachte lauthals vor mich hin, als der Teig als klebrige Masse erschien. Dominique wurde grummlig weil er hungrig von der Arbeit nach Hause kam und Nedielka zog ab und zu die Augenbrauen zusammen. Christian half mir und erfreute sich am Wein, der ihm von Dominique angeboten wurde. Es wurde ein äusserst merkwürdiges Abendessen. Die Arepas waren zwar richtig herausgekommen, aber ich schien die einzige, die richtigen Hunger hatte. Nedielka schob ihr Essen nur vom einen zum andern Tellerrand. Ich entwickelte sowieso eine etwas negative Meinung über Nedielka während meinem Besuch bei den Leubas, aber das lasse ich hier lieber weg. Am 5. Tag machten Christian und ich einen Ausflug in die Stadt, Liberia, und liefen ein bisschen um die Häuser. Wir gingen sogar ins einzig Museum in Liberia. Ein Gefängnis, das hauptsächlich noch von Iguanas bewohnt wurde. Den Guide des Museums traf ich dann Wochen später an der Costa Ricanischen Grenze zu Nicaragua wieder… Wie auch immer, ich bekam bald sagenhafte Kopfschmerzen, und so gingen wir bald wieder zurück zum Haus. Christian wollte umbedingt lauter Dinge unternehmen, egal was, hauptsache nicht herumsitzen. Ich verstand das nur zu gut, aber wir waren in einem komplett andere Reisestadium. Ich war erschöpft, brauchte eine Pause und langweilte mich mittlerweilen schon ab vielen Dingen. So entschieden wir, dass er am 6. Tag selbst etwas unternehmen würde. Ich hatte an diesem Tag auch wieder solche Kopfschmerzen, dass ich sowieso nicht fit für Ausflüge gewesen wäre. Tanja rief mich über Skype an und ich bekam fantastische Neuigkeiten. Sie war bei der Suisse angenommen worden und hatte die LAP bestanden, soll heissen, sie würde 2 Monate frei von Arbeit und Schule haben. Sie fragte mich, ob wir zusammen reisen gehen wollten. Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme und buchte noch am selben Tag meinen Flug auf London. Desweiteren fütterte ich Malaky, unter anderem auch mit seiner neu verschriebenen Medizin und mich ebenfalls mit meinen Kopfschmerztabletten. Am Nachmittag überwand ich mich, mit Malaky spazieren zu gehen. Er konnte mittlerweilen nämlich schon wieder auf wackeligen Beinen laufen. Und ich brauchte umbedingt etwas Ruhe und frische Luft. Der Weg von ca. 10 Minuten kostete uns etwa 1h da Malaky nach allen 10 Metern wieder zusammenbrach. Die Hälfte des Weges trug ich ihn so gut es ging. Bei einem Pferd am Wegrand nahm er seine ganze Energie zusammen, um sich vor mich zu stellen und das Pferd anzubellen. Ich drückte ihn an den Boden, damit er sich ausruhe und das Pferd in Ruhe lasse. Irgendwann merkte er auch, dass das Pferd sich keinen Dreck für einen Angriff auf ihn oder mich interessierte. Meine Kopfschmerzen wurden besser, aber seine Kraft schwand praktisch komplett. Auf dem Grundstück des Hauses angekommen suchte er das nächste Plätzchen Schatten und brach zusammen. Ich tränkte ihn mit einer Spritze, wie ich es auch die letzten paar Tage getan hatte, denn seit seinem Fasttod hatte er nichts mehr getrunken und nur noch wenig Nahrung zu sich genommen. Machmal wehrte er sich gegen die Spritze, aber meistens liess er alles mit sich geschehen, was ein Mensch von ihm verlangte.

Am 7. Tag hatten Christian und ich einen zweitägigen Ausflug geplant. Am Morgen sollten wir mit einem Unterchef von Dominique mit auf eine Plantage von Teakbäumen, wo wir dessen Überprüfung mitanschauen durften. Danach wollten wir noch nach Tamarindo, angeblich die Beach-Party-Destination schlechthin von Costa Rica. Darüber in einem anderen Artikel mehr.

Am 8. Tag am Abend kamen ich und Christian zurück von unserem Ausflug. Wir hatten vorgehabt, Dominique und seine Familie für ein Nachtessen einzuladen, aber da wir alle müde waren, verschoben wir es auf den Sonntag, an dem wir sowieso einen gemeinsamen Ausflug unternehmen wollten. Also disskutierten wir, was wir am nächsten Tag unternehmen sollten. Ich hatte wieder starke Kopfschmerzen und war deshalb leicht reizbar. Es wurde eine richtig anstrengende Diskussion mit Dominique, am Ende wurde es mir zu mühsam und ich verabschiedete mich vom Tisch. Ich verbrachte noch Zeit mit Malaky, dann ging ich schlafen. Am 9. Tag wurde mir die Entscheidung von Dominique und Christian für den Tagesausflug mitgeteilt. Malaky war es, der mich weckte, in dem er am Fenster hochsprang, dazu die Kinder, die am Fenster hochkletterten und ins Häuschen reinhepten 🙂 Malaky ging es viel besser, er hatte sogar so viel Energie, dass er meine Hand zwischen seine Zähne nahm. Das hatte er auch sonst immer getan (vor dem „Unfall“) und nie zugebissen, immer nur höchst sachte, sodass nicht einmal meine Haut einen Kratzer davon trug. Als ich Dominique fragte, ob ich Malaky in sein Reisehäuschen verfrachten sollte, meinte er, es sei ihm zu anstrengen mit seinen Kindern, mit Christian und mir UND dem Hund noch dazu. Ich war immer noch schlecht gelaunt und ich fand es überhaupt nicht toll, den Hund zurück zu lassen. Das war schliesslich eine Unternehmung, wo Kinder und Hunde gerade am meisten Freude hatten! Zickig wie ich ab und an bin, warf ich Dominique hinterher, dass ich ja lieber auf die Kinder als auf Malaky aufpassen sollte (das hatte er mir nämlich so gesagt), als Malaky durch die offene Tür abgehauen war und in der Nachbarschaft verschwunden war. Dominique brachte Malaky zurück und schloss ihn auf dem Grundstück ein. Malaky steckte seinen Kopf und seine Vorderbeine durch das Tod, er winselte todtraurig und scharrte am Boden. Ich fand so etwas gar nicht witzig: wenn man sich einen Hund anschaffte, musste man auch Zeit und Nerven für ihn haben. Und ich und Christian waren wohl kaum ein Grund, um den Hund zuhause zu lassen, wir konnten auf uns selbst aufpassen. Und so ging ich den ganzen Tag beleidigt vorne weg, verbrachte die meiste Zeit „allein“. Ab und zu wartete ich wieder auf die Familie, dann lief ich wieder voraus. Es waren schöne Orte die wir besuchten: im Nationalpark machten wir eine „Wanderung“ zum Rio Celeste, einem Wasserfall der aufgrund von speziellen Mineralien blau schimmerte. Später gingen wir an einem anderen Ort noch in demselben Fluss baden (mich und Nedielka ausgenommen). Gegen Dämmerung fuhren wir Richtung Liberia und hielten in einem Restaurant an. Dort assen wir alle auf Christians Kosten (ausgenommen ich), der Deal war, dass ich Christian dann in der Schweiz ein Mal einladen sollte. Alain kotzte noch den Tisch und den Boden voll, weil er sein Essenslimit überschritten hatte. Die Kotze musste ein Junker vom Restaurant aufwischen.

Auf dem Nachhauseweg plante ich, dass ich am nächsten Morgen früh aufstehen wollte, um mit Malaky joggen oder gegebenfalls laufen gehen konnte. Beim Haus angekommen rief Nedielka nach dem Hund. Er antwortete nicht und kam auch nicht zum Tor gerannt. Er lag tot im Hof. Weisser Schleim und Blut lag auf dem Boden um seine Schnautze und Durchfall bei seinem After.

Am nächsten Tag wurde uns das Auto gebracht und Christian und ich fuhren weg. Ich entschied, nicht mehr zurück zu kommen, bevor ich Costa Rica verlassen würde.



Panama City

6 07 2012

Die langweiligste Stadt, die ich wohl auf meiner Reise besucht habe: darf ich vorstellen? Panama City.

Ich hatte die Adresse eines Hostels und den Plan dazu im Lonely Planet. Ich folgte dem Plan bis ich den gesuchten Strassennamen nicht fand, und fing dann an rumzufragen. Keiner wusste etwas, also hielt ich nach Touristen Ausschau. Und schon bald stach eine Gruppe kurz bekleideter Ammi-Frauen ins Aug. Ich „höselte“ zu ihnen und fragte sie nach dem Mamallena  Hostel. Sie meinten, ich solle ihnen folgen. Also „schlich“ ich hinter den molligen, kreischenden Dingern hinterher ^^ Im Hostel angekommen erfuhr ich, dass es komplett ausgebucht war – aber wieder einmal war ich meinem Geschlecht dankbar. Als ich ein komplett zerstörtes Gesicht zum Vorschein brachte, meinte der Receptionist, dass ich ja in einer Hängematte oder auf einem Sofa schlafen könne, wenn ich wolle. Das Angebot nahm ich höchst dankbar an, denn ich war ganz und gar nicht scharf darauf, noch Stunden in dieser mir unbekannten Stadt mit meinen 30kg herumzuzwirbeln. Das Hostel stellte sich als top heraus, es war riesig, hatte Küche, gratis Pancakes und Café am Morgen, reichlich Duschen und eine gemütliche Terrasse mit Ventilator. Als ich dann auch das Zeichen oberhalb dem Küchendurchgang entdeckte, begriff ich, dass ich sogar ein Visitenkärtchen von diesem Hostel mit mir herumtrug. Es gehörte zu einem anderen Hostel, in dem ich schon in Cartagena (Columbien) gewesen war. Ich lernte gleich am ersten Abend eine Drogendealerin kennen, begriff das aber reichlich spät. Erst als sie heulend und hyperventilierend im Zimmer umherrannte und ETWAS suchte und ich sie fragte, um was es sich denn handelte, Pass? Geld? Neiiin, was könnte wichtiger sein, Cocaiiiiin! ^^ Ab da hielt ich meinen Kontakt in Grenzen, denn wie ich bald darauf bemerkte, handelte sie ziemlich offensichtlich und ich hatte keine Lust auf Komplikationen…

Ich lernte noch weitere Israelis kennen: 3 Typen die gerade erst mit dem Flugzeug angekommen hatten und vorhatten 3 Monate gemeinsam Mittelamerika zu bereisen. Ich bin bis heute mit ihnen in Kontakt und schon jetzt haben sie sich halb aufgetrennt. Später lernte ich noch kurz ein israelisches Paar kennen, wobei der Typ eine äusserst interessante Story zu berichten hatte: gerade vor seiner Abreise war er mit dem Militär inm Gazastreifen eingesetzt worden. Er und einige seiner Kollegen wurden in einem Haus direkt vor einem Spital stationiert. Und trotzdem (er erklärte, dass es ein Code war, keine Krankenhäuser, Kinderanstalten, Schulen, etc. zu bombardieren) wurde das Haus bombardiert. Er verlor zwei Freunde, einer seiner Freunde verlor ein Bein und der Chef starb ebenfalls. Einer der 3 anderen Israelis war ebenfalls äusserst interessant: er hatte ein unglaubliches Wissen über Geschichte, Politik und anderes für sein Alter, ABER er war noch nie gereist. Will heissen, sein Wissen basierte ausschliesslich auf Geschriebenem. Wir disskutierten heiss über Krieg und so weit ich mithalten konnte über Politik und ich hoffe, dass ich ihn eines Tages in Israel besuchen kann, gerne würde ich weitere so interessante Disskussionen führen. Es kam mir vor wie eine Diskussion zwischen Weiss und Schwarz: die Schweiz die nie irgendeinen Krieg anfängt, möglichst neutral, etc. Und Israel mit viel Ehre und Wertgefühl.

Einen Tag verwendete ich darauf, in der ganzen Stadt umherzuwandern. Stunden lief ich und wurde immer gelangweilter. Nur mit dem Essen war ich höchst zufrieden: günstige Chinesenrestaurants an allen Ecken 🙂 Den Rest der Zeit faulenzte ich hauptsächlich, aktualisierte meinen Blog, chattete, schaute Filme oder ass. An einem Abend fragte mich ein Argentinier, ob ich indisch Essen wolle. Für 3 Dollar gäbe es eine Spezialität von Indien (irgendeinen Namen hatte es) plus Maracuja-Saft. Ich war begeistert und meldete mich beim Essen an. Da ich die ganze Zeit mit hungrigen Geräuschen in der Küche umhertigerte, gab mir der Argentinier eine halbe Portion gratis. Es stellte sich heraus, dass es keineswegs indisch war, sondern mexikanisch und einfallslos. Trotzdem sehr schmackhaft und dazu gesund: selbstgemachte Tortilla mit Bohnenmus und Guacamole. Die Idee dieses argentinischen Reisegrüppchen fand ich allerdings absolut GENIAL! In Hostels Essen anzubieten, simpel und profitabel, dazu sehr sozial! Ich nahm mir vor, das auch mal auszuprobieren 😉 Ich würde dann extraordinäre SCHWEIZERKÜCHE ohne Käse anbieten 😀

Wenn ich nicht gerade mit Elektronik am Faulenzen war, las ich in der Hängematte. Ich hatte zwei Bücher im Buchexchange entdeckt: ein riesen Franz-Dix (den ich ja bisher in keiner Bücherei gefunden hatte) und ein altes Buch über Hunde, verfasst von einem Tierarzt. Am Anfang quälte ich mich noch mit meiner Französischen Literatur ab, aber bald fesselte mich das Hundebuch. Es sollte „alles“ behandeln: Ernährung, Wachstum, Training, Krankheiten, Rassen, blablabla. Tatsächlich bisher ist es ziemlich weit gefasst, allerdings merkt man, dass das Buch schon einige Jahre auf dem Buckel hat und die neusten Erkenntnisse in der Medizing fehlen. Wie auch immer, das einzig Sinnvolle was ich bei meinem Aufenthalt in Panama City sonst noch tat, war Linsen einzukaufen. Also Kontaktlinsen 🙂 Endlich waren sie wieder günstig, sogar ein paar Franken günstiger als in der Schweiz! Ein Wunder, nicht? 🙂

Schliesslich nahm ich den Bus nach San José, Costa Rica. Es war der 2. schlimmste Grenzübergang in meinem Leben. Das Busteam wollte mich sitzen lassen, weil ich nicht schnell genug war und kaum einwilligen wollte, ein teures Rückfahrtsticket aus Costa Rica heraus nach Panama zu kaufen, nur damit ich eintreten durfte. Ich musste am Ende 20 Dollar bezahlen. Später beruhigte ich mich damit, dass ich es als Visa ansehen konnte. Wie auch immer, die Frau an der Grenze liess NICHT mit sich reden und schien eine Furie. Nicht nur gegen mich. Ein Deutscher, der auch im Bus war, hatte ihr sein Flugticket vorweisen müssen, damit er wieder einreisen durfte. Allerdings hatte sie ihm anschliessend nur 20 Tage anstatt 90 Tage in den Pass gestempfelt und es ebenso ins System eingegeben. Grund: Er hätte ihr ein falsches Datum angegeben. Allerdings hatte er ihr ja das Ticket mit dem Abflugsdatum GEZEIGT und sich im Monat zu irren, das war schonmal ihr Fehler. So eine dämliche verdammte Sch*****!!! Er fragte mich um Hilfe, aber ich hatte sie sowieso schon fast angeschrien und war den Tränen nahe, weil der Busbegleiter hinter mir sagte, er würde mein Gepäck rausschmeissen und mich hier lassen. So versuchte ich es mit netten Worten und sagte, es gäbe doch kein Problem, diese 20 Tage jetzt einfach in 90 zu ändern. Ihre Antwort: Es ist schon im System! So entschuldigte ich mich beim Deutschen und kümmerte mich um meinen Grenzübergang. Ich schaffte es schliesslich aber mit einer traumatisierenden Erinnerung im Gedächtnis. Ab sofort hasste ich Grenzen 😀 Der Deutsche ging schliesslich ohne seine 90 Tage, und hoffte darauf, dass es keine Probleme gäbe. Ich verfluchte dieses Busteam und Costa Rica war mir bereits jetzt komplett unsympathisch :-S