Maracaibo, die heisse Stadt!

20 05 2012

Im Collectivtaxi fragte ich den Fahrer, ob er günstige Hostels in Maracaibo kenne. Als er dies mit nein beantwortete, fragte ich, ob er mich beim Hotel so und so lassen könne. Nach Diskussion willigte er ein. Aber dann informierte er mich über den Preis, und ich fiel fast vom Hocker! Das Hotel war von Lonely Planet als günstig angeprangert worden (meine bisherige Erfahrung sagte, dass Lonely Planet für Übernachtungsmöglichkeiten der beste Guide war)… Nachdem ich meinem Frust über die Kosten dieses Tages Platz gemacht hatte, warf der Chauffeur auf einmal ein, er könne ja mal seine Töchter fragen, die wohnten nämlich in Maracaibo. Gegen meine Gewohnheit willigte ich sofort ein und dankte ihm. Er smselte 2h hin und her, bis er mir positiven Bescheid gab. Ich fragte, ob deren Wohnort denn weit vom Zentrum sei, und er beantwortete mit „ja schon“. Ich fragte mich, ob das schlau war, denn so musste ich vielleicht horrende Transportkosten bezahlen. Aber als wir erst um 1 oder 2 Uhr nachts (ich erinnere mich nicht mer genau) ankamen, war ich höllenfroh, nicht mehr ein Hotel suchen zu müssen. Ich wurde ganz merkwürdig begrüsst, fühlte mich am Anfang deutlich unwohl und diebisch. Es war ein Haus, das der Exfrau des Fahrers gehörte. Sie wohnte dort mit deren zwei Töchter und dem Freund der Tochter. Der Freund war am Anfang der einzige, der mir ein nicht-beklemmendes Gefühl gab. Aber an diesem Abend spielte das sowieso kaum noch eine Rolle, ich war sooo müde vom ganzen Tag, dass mir das irgendwie alles ein bisschen egal war. Ich wusste nicht, wie man sich in Venezuela in fremden Häuser benahm, schon gar nicht, wenn man die Leute nicht kannte. So war ich einfach froh um jedes Angebot, das sie mir machten (wie zum Beispiel eine Dusche zu nehmen, mein Essen im Kühlschrank zu lagern oder gleich ins Bett zu gehen), ich nahm alles dankend an. So entdeckte ich schon am ersten Abend, dass das Haus kaum Wasser spuckte, ich „duschte“ unter einem Wasserfaden…

Der nächste Morgen verlief folgendermassen: ich ass mein restliches mitgebrachtes Essen aus Apartaderos (Fladenbrot, ein Stück Schockolade, ein Mandarinchen und ein paar Cornflakes), dann fragte ich, ob ich mein Gepäck hier lassen könne, bis ich ein Hotel gefunden hätte. Klar, kein Problem! Wie ich erfuhr, war Mafer (die ältere Tochter) extra nicht zur Schule gegangen, damit ich nicht um 6 Uhr aus dem Haus geworfen wurde… :-S Auf jeden Fall erklärte mir Mafer, wie ich ins Zentrum kam (ich musste wieder eins dieser Collectivtaxis nehmen), ich watschelte zur „Station“ und wartete mehr als eine Stunde. Langsam begann ich zu bejahen, dass Maracaibo die heisseste Stadt ganz Venezuelas war (vielleicht sogar heisser als jede Stadt, in der ich in Brasilien gewesen war)… Es war vielleicht 9 Uhr morgens, aber die Sonne pretschte auf die Strasse, sogar im Schatten schwitzte ich schon Bäche! Kurz bevor ich ein Taxi erwischte, erwischte mich Mafer: sie kam die Strasse hinauf gerannt und meinte, ihre Mutter hätte gerade angerufen und gesagt, ich könne noch ein Weilchen bleiben, wenn ich wolle! Ich war heilfroh, mein Budget war von Venezuela bereits überstrapaziert (bzw. noch von Brasilien) und ich war froh um jeden Penny, den ich irgendwo sparen konnte (solang es nicht ums Essen ging 😉 ). Ich bin sonst wirklich nicht so die Natur, die jedes Angebot annimmt, aber auch hier machte ich eine Ausnahme. Aber ich sagte zu Mafer, dass ich zuerst trotzdem in die Stadt fahren wolle, um Maracaibo kennenzulernen und Essen einzukaufen (ich nahm mir fest vor, kein Essen von ihnen anzunehmen – das schlug bald fehl 🙂 ).

Das Sightseeing stellte sich für mich als eher langweilig heraus und ich war auch immer noch erschöpft vom vorigen Tag. Wie immer gab es da die Kirchen, wobei diese hier in gewisser Weise schon speziell waren, denn sie waren allesamt hochmodern! Die eine sah aus wie aus Walt Disney entsprungen, sie war in einem mitteldunklen Blau gefärbt und hatte aber rein gar keine Schnörkel! Maracaibo war mir trotz Langeweile recht sympatisch, es herrschte reges Getreibe auf fast allen Strassen, an der ganzen Küstenpromenade wurde gehandelt und geshoppt, ich sah wunderschöne weisse Baumwollkleider (günstig) und kaufte einen monton de frutas (einen Berg von Früchten)! Danach hockte ich für 2h an einem CD-Stand fest: ich durfte alle CD´s ausprobieren und so hörte ich mich einfach durch alle Salsa-CD´s durch, die mich irgendwie anlachten. Das Witzige dabei war, dass dabei alle rundherum mithören mussten 🙂 Und das Beste war, als ich ein paar mal anscheinend in Venezuela geläufige Lieder abspielen liess und die ganzen alten Männer rund herum begannen mitzusingen 😀 Das war ein tolles und fröhliches Erlebnis! Danach lief ich noch ein ganzes Stück zu einem Gemüsemarkt, wo ich weitere Taschen voll einkaufte. Salat, Tomaten, Atuna, Karrotten, Mais, Frühlingszwiebeln, das war hier zu meinem Lieblings-Gesundheits-Menu geworden 🙂 Hier rannten Kinder durch die Strassen und versuchten mir Handtaschen in die Hand zu drücken. Ich fand das recht unangenehm, denn man hörte viel von Diebkindern und andererseits waren diese vielleicht nur hier, um ihr Leben zu erhalten… Auf jeden Fall ging ich danach gleich zurück zu Collectivtaxihaltestelle (die ich kaum fand, keiner wusste so recht, wo die war) und fuhr zurück nach Manzanillo – das Heimquartier von meiner „Gastfamilie“.



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